Kanton Zug ignoriert bei Sanierung den Veloweg – Politiker wollen dies ändern

Bei der Bahnunterführung der Kantonsstrasse zwischen Alpenblick und Koller soll auch die Velounterführung saniert werden. Dies fordern drei ALG-Kantonsräte.

Zoe Gwerder
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Eigentlich lautet im Kanton Zug das Credo, dass die Situation für Velos dann verbessert wird, wenn die entsprechende Kantonsstrasse saniert werden muss. So sagte es zumindest 2017 der damals zuständige Mitarbeiter der Fachstelle Langsamverkehr des Kantons Zug gegenüber unserer Zeitung: «Wenn ein Strassenabschnitt sowieso saniert wird, planen wir jeweils auch bessere Lösungen für die Velofahrer mit ein.»

Dieser Haltung wurde offenbar beim jüngsten Projekt keine Beachtung geschenkt. Der Kanton plant, die Wanne der Bahnunterführung der Kantonsstrasse zwischen Alpenblick und Koller zu sanieren. Diese steht im Grundwasser und musste immer wieder saniert werden. Um mit einer zweiten Wanne das Problem zu beheben, müssen die Eisenbahnbrücke und das Trasse angehoben werden. Die Velounterführung gleich nebenan wird im Projekt jedoch nicht verbessert. Daran stören sich die drei ALG-Kantonsräte Esther Haas (Cham), Tabea Zimmermann Gibson (Zug) sowie Andreas Hürlimann (Steinhausen). Sie haben deshalb einen Vorstoss im Kantonsrat eingereicht.

Grosse «Gunten» und kurze Sicht

Die Velounterführung entspreche nicht mehr den Normen und sei immer wieder sehr nass, erzählt Esther Haas. Die Chamer Politikerin fährt fast täglich durch besagte Unterführung:

Bild: Maria Schmid, (Steinhausen, 28. September 2020)

«Bereits bei wenig Regen bilden sich ‹Gunten›, die auch Stunden nach den Niederschlägen noch nicht abgeflossen sind.» Regne es stark, würden diese ziemlich gross werden. «Ich muss dort meine Beine regelmässig stark hochziehen, damit diese nicht tropfnass werden.»

Genauso wichtig findet Haas jedoch eine Sanierung aufgrund der eingeschränkten Sicht. Die Unterführung macht nach der steileren Einfahrt von Cham her einen Knick. Zudem mündet die vor wenigen Jahren erstellte Veloüberführung über die Kantonsstrasse in diese steile Einfahrt zur Unterführung.

«Der Verband der Strassen und Verkehrsfachleute (VSS) schreibt für eine solche Unterführung 60 Meter Sicht vor. Mit 26 Metern sind es hier jedoch nicht einmal die Hälfte», so Haas. Hier der Situationsplan aus der Interpellation:

Auch wenn man von Cham nach Zug über die Strassenüberführung fahre und dann seitlich in die Unterführung einbiege, sei die Sicht ungünstig. «Hier muss ich fast absteigen und um die Ecke schauen, damit ich sehe, ob jemand angefahren kommt.» Denn durch den Knick der Unterführung gebe es dort quasi einen kleinen toten Winkel, in welchen man nicht einsehe.

Beides gemeinsam realisieren

Dass nun die Bagger auffahren sollen und die Velounterführung trotzdem so bleiben soll, wie sie ist, findet Haas nicht in Ordnung. «Wir möchten, dass die Baudirektion bei der Planung auch die Unterführung der Velos anschaut – und diese gleich mit saniert.» Für die ALG-Kantonsrätin ist klar:

«Wenn die Bauinfrastruktur sowieso vor Ort sein wird, macht es aus unserer Sicht Sinn, dass gleich beides realisiert wird.»

Pro Velo Zug begrüsst den Vorstoss der drei Politiker. Dies sei durchaus ein Thema, auch wenn die Stelle im Schwachstellenkatalog, welcher der Verband kürzlich publiziert hat, nicht erscheint, sagt Co-Präsident Victor Zoller. «Wir haben uns bei dieser Unterführung bewusst zurückgehalten, weil wir froh waren, dass die Veloführung nach langem Ringen endlich nicht mehr über die Alpenblickkreuzung führt, sondern die Strasse parallel zur Eisenbahnbrücke überquert.» Die Unterführung sei jedoch tatsächlich nicht optimal gelöst.

Die Interpellation wurde vom Kantonsrat Ende August an die Regierung überwiesen und sollte bis spätestens Ende Februar 2021 beantwortet werden.

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