Kanton Zug: Menschen mit Behinderung sollen möglichst selbstbestimmt leben

Zusammen mit dem Verein Mensch zuerst führte der Kanton Zug eine Veranstaltung zur Zukunft der Behindertenunterstützung durch.

Merken
Drucken
Teilen
Christoph Linggi und Emanuela Iannotta vom Verein «Mensch zuerst» sowie Regierungsrat Andreas Hostettler sind sich einig: Mehr Selbstbestimmung heisst auch mehr Verantwortung. Die drei posieren vor einem Bild der Fotografin Stephanie Meier, die derzeit mit der Ausstellung «Menschen lachen» im reformierten Kirchzentrum Zug präsent ist. (Bild: PD/Sabine Windlin)

Christoph Linggi und Emanuela Iannotta vom Verein «Mensch zuerst» sowie Regierungsrat Andreas Hostettler sind sich einig: Mehr Selbstbestimmung heisst auch mehr Verantwortung. Die drei posieren vor einem Bild der Fotografin Stephanie Meier, die derzeit mit der Ausstellung «Menschen lachen» im reformierten Kirchzentrum Zug präsent ist. (Bild: PD/Sabine Windlin)

(vv) «Was wäre, wenn plötzlich der Mensch mit Behinderung der Chef wäre?», wird Christoph Linggi in einer Medienmitteilung der Direktion des Innern zitiert. Er arbeitet beim Verein «Mensch zuerst» und stellt diese Frage ganz bewusst. Linggi kennt den Alltag in Wohnheimen und Werkstätten aus ganz persönlicher Erfahrung. An der Tagung zum Thema «Personenzentrierung» vom 19. September 2019 diskutierten Zuger Fachleute aus dem Behindertenbereich über die Behindertenunterstützung der Zukunft. Der Verein «Mensch zuerst» gestaltete den Anlass zusammen mit den Verantwortlichen des Projekts «InBeZug» des kantonalen Sozialamts. Im Verein sind Menschen mit und ohne Behinderung engagiert. «Menschen mit Behinderung sind die Experten, was ihr eigenes Leben angeht», sagte Referent Gunter Tschofen. Ihre Stärken und Fähigkeiten seien entscheidend, nicht die Schwächen.

Neue Modelle für die Zukunft

Die Teilnehmenden seien unisono der Meinung gewesen, dass sich das Zuger Unterstützungssystem wandeln muss. Denn Menschen mit Behinderung wünschen sich heute mehr denn je ein «normales» Leben in der Mitte der Gesellschaft. Die Angebote der Zukunft müssen darum die Selbstbestimmung und Autonomie der Betroffenen stärken, wobei ambulante Unterstützungsformen immer wichtiger werden. Die Fachleute betonten aber auch, dass die Gesellschaft weiter sensibilisiert werden müsse, um offen auf Menschen mit Behinderung zuzugehen.

Mit dem Projekt «InBeZug» hat sich der Kanton Zug auf den Weg gemacht, die Organisation und Finanzierung der Behindertenunterstützung der heutigen Zeit anzupassen. Gleichzeitig sollen die Kantonsfinanzen gezielter und wirkungsvoller eingesetzt werden, indem etwa eine unabhängige Stelle den Unterstützungsbedarf abklärt. Regierungsrat Andreas Hostettler machte am Anlass jedoch deutlich, dass der Weg alleine noch nicht das Ziel sei. Besonders wichtig sei es, dass alle Beteiligten in die gleiche Richtung gingen, wie es in der Mitteilung heisst. Er ermunterte die Anwesenden, den Schwung aus der Tagung mitzunehmen und neue Ideen anzupacken. Nachdem die Zuger Regierung die bisherige Stossrichtung von «InBeZug» gutgeheissen hat, befindet sie Ende 2019 über den Schlussbericht des Projekts. Danach soll eine Revision des Gesetzes über die sozialen Einrichtungen (SEG) folgen, welches die Rahmenbedingungen vorgibt und das Zuger Unterstützungssystem fit für die Zukunft macht.

An der Veranstaltung waren sämtliche in der Region Zug aktiven Organisationen und Institutionen präsent, die Menschen mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung betreuen und unterstützen; sei es in Form von Wohn- und Beschäftigungsmöglichkeiten und / oder mit Strukturen in der Freizeitgestaltung. Die rund 90 Teilnehmenden tauschten in Workshops Erfahrungen aus und diskutierten mögliche neue Ansätze in der Behindertenpolitik. «Ohne Ihr Mitwirken kann der Kanton Zug den momentan stattfindenden Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik nicht vollziehen», betonte Silvan Stricker, Projektleiter von «InBeZug» an der Veranstaltung.