Kanton Zug
Mit dem Mobilitätskonzept will der Regierungsrat Verkehrsspitzen brechen

Anfang nächsten Jahres soll der Kantonsrat über eine Richtplanänderung entscheiden. Darin ist auch das Mobilitätskonzept enthalten. Jenes definiert lediglich grobe Richtlinien, die Finessen müssen die Gemeinden selber ausarbeiten.

Vanessa Varisco
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Busse, Autos, Fussgänger: Sämtliche Formen von Mobilität sollen berücksichtigt werden in der kantonalen Strategie.

Busse, Autos, Fussgänger: Sämtliche Formen von Mobilität sollen berücksichtigt werden in der kantonalen Strategie.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 12. Dezember 2020)

Blechlawinen am Zugerseeufer Richtung Altstadt, Scherereien zwischen Wanderern und Velofahrern und Busspuren, die trotz Feierabendverkehr leer stehen: Die steigende Mobilität birgt Schwierigkeiten, Spannungen sind vorprogrammiert. Der Zuger Regierungsrat hat deshalb auf politischer Ebene Lösungsansätze und grobe Richtlinien erarbeitet, zusammengefasst wird das Ganze im Mobilitätskonzept. Baudirektor Florian Weber betont:

«Ziel ist nicht, die Mobilität zu reduzieren, wie das in anderen Kantonen geplant ist. Wir wollen jedoch effizient mit den Flächen für den Verkehr umgehen.»

Denn was sicher sei: Der Wunsch nach besserer Erreichbarkeit der eigenen Gemeinde bleibt bestehen, die Mobilität wird ansteigen und der Stau auf Strassen akzentuiert sich zu Spitzenstunden weiter. «Ausserdem», so Weber, «wird der Kampf um Flächen intensiver.» Auch auf Wanderwegen. Das Mobilitätskonzept berücksichtigt entsprechend nicht nur den Verkehr auf den Strassen, sondern bezieht auch den Langsam- und öffentlichen Verkehr in die Überlegungen mit ein.

Intensiver Austausch mit Experten

Um die Bedürfnisse der einzelnen Gruppen einzuholen, suchte der Regierungsrat den Austausch mit verschiedenen Experten. So wurden etwa das Bundesamt für Verkehr, das Bundesamt für Strassen oder der Verband Fussverkehr Schweiz in die Diskussion einbezogen. Aber auch Pro Velo Zug und die TCS-Sektion Zug oder das Unternehmen Roche wurden eingebunden. «Das Konzept ist breit erarbeitet worden», betont der Regierungsrat. Und das trotz Pandemie. Aufgrund jener konnten viele Gespräche nicht persönlich geführt werden, weshalb man für die Mitwirkung andere Lösungen fand.

Aus diesen Gesprächen heraus resultierten die Kernsätze, welche die Strategie für den Verkehr in den nächsten Jahrzehnten festlegen sollen. «Das Mobilitätskonzept ist ein Vorschlag zum Diskutieren. Deshalb folgt nun die Mitwirkung», stellt Weber klar. Die Richtplanänderung liegt bis zum 1. Juni auf, solange kann die Bevölkerung auf dem Postweg, via E-Mail oder Website des Kantons mitwirken. Abschliessend wird der Kantonsrat Leitplanken festsetzen.

Die Kernsätze sind bloss grobe Richtlinien

Zu den Kernsätzen gibt Kantonsplaner René Hutter einige Beispiele. Kernsatz 1 lautet etwa: «Kanton und Gemeinden fördern durch Anreize flächen- und energieeffiziente Mobilitätsformen. Erneuerbare Energien stehen im Vordergrund.» Daraus werden mehrere Handlungen abgeleitet. Kanton und Gemeinden sollen also Flächen beispielsweise Infrastrukturen effizient nutzen, indem sie «die vorhandenen Verkehrsflächen situationsgerecht den flächeneffizienten Mobilitätsformen» zuweisen. Diese sehr allgemeine und abstrakte Formulierung bedeutet nichts anderes, als dass beispielsweise die Busspur, welche im Feierabendverkehr grösstenteils leer steht, allenfalls auch von Taxis oder etwa Autos, die mit drei Personen bemannt sind, genutzt wird. Die Ausarbeitung der Finessen soll dann in den Gemeinden geschehen, bezogen auf deren Verkehrssituation.

Alle Kernsätze haben eine «proaktive Planung» des Verkehrs zum Ziel. Spitzenstunden sollen damit geglättet, Auswirkungen und Chancen neuer Formen von Mobilität genutzt sowie eine Leistungssteigerung und Ausbaupotenzial bestehender Infrastrukturen verfolgt werden. Auch die Vernetzung mit den Nachbarkantonen soll mit dem neuen Konzept gepflegt werden.

Das Mobilitätskonzept löst das bestehende mit dem Namen «PlusPunkt» ab. Die Anpassung hat keine direkten Kostenfolgen.

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