KANTON ZUG: Nager halten Bauern in Schach

Wühlmäuse sind dieses Jahr wieder vermehrt ein Thema unter den Zuger Landwirten. Um sich vor den Tieren zu schützen, ist viel Zeit und Disziplin gefragt.

Marc Hausheer
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Mit solchen Fallen gehen die Bauern gegen die Mäuse vor. (Bild: Pius Amrein (Sarnen, 28. September 2017))

Mit solchen Fallen gehen die Bauern gegen die Mäuse vor. (Bild: Pius Amrein (Sarnen, 28. September 2017))

Marc Hausheer

praktikant@zugerzeitung.ch

In der Zentralschweiz leiden Bauern momentan unter einer Mäuseplage. Auch Zuger Landwirte bekommen das zu spüren. «Im Moment ist die Wühlmauspopulation im Kanton Zug sehr gross», bestätigt Willi Gut, Lehrer und Berater ­des Landwirtschaftlichen Bil­dungs- und Beratungszentrums Schluecht­hof in Cham. Die Mäusepopulation wachse und schrumpfe zyklisch. Genaue Angaben über die Dauer eines solchen Zyklus können nicht gemacht werden. Die Gründe der übermässig grossen Population sind jedoch klar: Milde Winter wie der letzte sind zu einem erheblichen Teil verantwortlich für eine grosse Mauspopulation im Folgejahr. Erhöhte Temperaturen um den Jahreswechsel haben zur Folge, dass nicht genügend Tiere sterben. Die natürlichen Feinde der Wühlmäuse, namentlich der Fuchs, das Wiesel und der Mäuse­bussard, können das exponen­tielle Wachstum im Frühjahr laut Willi Gut nicht mehr eindämmen.

Die Nager richten auf den Feldern der Bauern einigen Schaden an. So verdrecken die aufgeworfenen Erdhaufen das Futtermaterial der Bauern. Gelangt dieser Dreck in die Siloballen, könne dies zu einer Fehlgärung führen. Dabei entstehe die ­Augen und die Atemwege reizende Buttersäure, so Gut.

Eine spezielle Falle wirkt

Auch der Hotzenhof in Baar spürt die Plage aktuell. Es habe dieses Jahr deutlich mehr Mäuse, sagt Hermann Hotz, der den Hof bewirtschaftet. Etwas anders tönt es beim Biohof Zug. «Das Problem der Wühlmäuse ist für uns ein Dauerproblem, da wir eine Spezialkultur haben», sagt Toni ­Niederberger, Leiter des Biohofs. Bei ihm zeigt sich eine weitere Schwierigkeit der Mäuseplage. «Die Tiere vergehen sich an den Wurzeln der Hochstammbäume, was diese eingehen lässt», so Niederberger. Auch vor Gemüse und Salat machen die 130 Gramm schweren Nager nicht Halt.

Sowohl der Hotzenhof als auch der Biohof bekämpfen die Mäuse vehement. Auf dem Hotzenhof ist wöchentliches Mausen nötig, um die Nager in Schach zu halten. Dazu wird die sogenannte Topcat-Falle benutzt. Bei dieser muss zuerst ein unterirdischer Mausgang gesucht werden. Ist dieser gefunden, wird ein Loch gegraben und die zylinderförmige Falle in den Gang hineingesteckt. Die Maus begibt sich dann durch ein Loch in die Topcat-Falle. So löst sie einen Druckmechanismus aus, der die Falle zuschnappen lässt. Die Maus er­leidet einen sofortigen Tod. Gleiches Arbeitsgerät wird auf dem Biohof zur Hand genommen. Auch mit Verbrennungs­motoren habe er es zuvor versucht, sagt Niederberger. Diese pumpen Kohlenstoffmonoxid in die Mausgänge, an welchem die Mäuse ersticken. Die Methode habe sich jedoch als ineffizient erwiesen.

Verständnis für die effiziente Bekämpfung

Für Niederberger geht es beim Schutz gegen Mäuse auch darum, deren Lebensweise zu verstehen. Das erlaube ihm, sie effizient zu bekämpfen. Um dieses Verständnis zu erlangen, hat er sich von Kathrin Hirsbrunner helfen lassen, einer professionellen Feldmauserin. Von ihr habe er gelernt, wie man sich vor den Nagern richtig schützt. «Es braucht viel Zeit, um die Mäuse zu bekämpfen. Für eine halbe Hektare Land brauche ich einen Tag, um sie von Mäusen zu befreien», sagt Niederberger. Bei der Mausbekämpfung sei viel Disziplin gefragt, da man auch die hinterletzte Maus fangen müsse. «Früher gab es mehrere professionelle Mauser, die auf den Betrieben gegen Entgelt Mäuse gejagt haben. In den letzten Jahren wurde dies vermehrt Aufgabe der Bauern selbst. Dadurch ist viel Wissen verloren gegangen.» Wissen, welches laut Niederberger ausschlaggebend für den Erfolg beim Mausen ist.