Kanton Zug
Online-Suchtberatung: Fachstelle macht positive Erfahrungen

Über die nationale Plattform Safezone.ch können Suchtbetroffene anonym und sicher Rat holen. Im besten Fall resultiert daraus eine Beratung von Angesicht zu Angesicht.

Rahel Hug
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Online-Spielsucht ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie stärker verbreitet.

Online-Spielsucht ist seit Ausbruch der Corona-Pandemie stärker verbreitet.

Symbolbild: Nadja Schärli

Die Coronakrise und die damit einhergehende Verunsicherung in der Bevölkerung wirken sich auch auf das Suchtverhalten aus. Safezone.ch, die seit 2014 existierende nationale digitale Anlaufstelle für Betroffene, Angehörige und Fachpersonen, verzeichnete im Jahr 2020 eine Zunahme der Anfragen um 50 Prozent.

Alwin Bachmann von der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht schätzt, dass aufgrund der Kontaktbeschränkungen vermehrt Onlineangebote genutzt und auch bekannt gemacht wurden. «Zudem gehen wir davon aus, dass sich die Situation von Personen mit bestehenden Suchtproblemen während des Lockdowns verschärft hat», wird er in einer Medienmitteilung von Safezone.ch zitiert.

Selbsttests, Infos für Angehörige, Chatfunktion

Kürzlich wurde die Plattform umfassend optimiert. Neben der bereits bestehenden Onlineberatung gibt es nun zusätzlich die Möglichkeit, auch öffentliche Fragen auf dem Portal zu stellen. Die Fragen und Antworten sind für alle sichtbar und können hilfreiche Informationen bieten. Zudem wurde das Angebot der Selbsttests zu bestimmtem Konsumverhalten sowie die Informationen und Hilfestellungen für Angehörige weiter ausgebaut. Auch eine Chatfunktion ist neu möglich.

Elvira Metzen von der Suchtberatung Zug.

Elvira Metzen von der Suchtberatung Zug.

Bild: PD

In Zug kümmert sich das Team der kantonalen Suchtberatung um die Onlineberatung via Safezone.ch. Laut Beraterin Elvira Metzen kann eine solche die Hemmschwelle, um Hilfe in Anspruch zu nehmen, senken. Dadurch, dass die Angebote kostenlos und anonym sind, brauche es viel weniger Überwindung, eine Anfrage zu starten.

«Und manchen fällt es leichter, sich zuerst schriftlich auszudrücken anstatt seine Situation gleich mündlich zu schildern.»

Es gelte die Regel, dass Anfragen via Safezone.ch innerhalb von 72 Stunden beantwortet werden, erklärt Elvira Metzen. Die Anfragen werden unter den Mitarbeitern der Suchtberatung aufgeteilt und über die Plattform von Safezone beantwortet. Da sich die ratsuchende Person mit einem Nicknamen registriert, und dank einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, ist die Beratung komplett anonym und sicher.

Betroffene schämen sich, Hilfe in Anspruch zu nehmen

Im besten Fall resultiert aus der schriftlichen Beratung später eine Videoberatung oder ein persönliches Gespräch. «Wir können die Klientinnen und Klienten ermutigen, den Kontakt zur Suchtberatungsstelle an ihrem Wohnort zu suchen», erklärt Metzen. Die Zuger Fachstelle macht seit 2017 bei Safezone.ch mit, seit 2020 ist es zudem möglich, über die Plattform direkt zur Suchtberatung Zug zu gelangen. Es seien bereits mehrere Gespräche von Angesicht zu Angesicht aus einer Onlineberatung heraus entstanden. Elvira Metzen sagt:

«Unsere Erfahrungen sind sehr positiv.»

Suchtprobleme sind vielfältig und Betroffenen ist oft nicht klar, dass ihr Konsum problematisch ist. «Weit verbreitet, häufig übersehen» lautet der Titel eines Leitfadens des Zuger Amtes für Gesundheit für Fachleute. Laut Elvira Metzen sind seit dem Ausbruch der Coronapandemie beispielsweise die Onlinespielsucht oder die Pornosucht viel stärker verbreitet. «Gerade in diesen Bereichen schämen sich Betroffene oft, Hilfe anzunehmen», sagt die Fachfrau. «Umso wichtiger ist ein professionelles und niederschwelliges Onlineangebot.»