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KANTON ZUG: Palmen verwildern in Wäldern

Nicht heimische Pflanzen machen dem Kanton Zug arg zu schaffen. Trotz vieler Erfolge warten auf die Bekämpfer auch ständig neue Herausforderungen.
Samantha Taylor
Martin Ziegler koordiniert beim Amt für Wald und Wild die Bekämpfung invasiver Neophyten im Kanton Zug. (Bild: Stefan Kaiser (24. Juli 2017))

Martin Ziegler koordiniert beim Amt für Wald und Wild die Bekämpfung invasiver Neophyten im Kanton Zug. (Bild: Stefan Kaiser (24. Juli 2017))

Samantha Taylor

samantha.taylor@zugerzeitung.ch

Martin Ziegler blickt zu Boden, als er durch den Wald stapft. Sein gesenkter Blick hat nichts mit Verlegenheit zu tun. Er gehört zu seinen Aufgaben. Der Abteilungsleiter beim kantonalen Amt für Wald und Wild sucht den Boden in dem Waldstück hinter der Forchwaldstrasse in Walchwil ab – und wird schnell fündig. «Hier hat es welche, und da drüben sind noch mehr», sagt er und zeigt auf Pflanzen, die aus dem Waldboden treiben.

Auch wer kein Botaniker ist, erkennt die dunkelgrünen Blätter wieder und hat sie wohl schon irgendwo gesehen. Idealerweise nicht im Wald. Es handelt sich um Kirschlorbeer. Eine beliebte Heckenpflanze und ein invasiver Neophyt – eine Pflanze aus einem anderen biogeografischen Grossraum, die sich in der hiesigen Natur mehr und mehr ausbreitet (siehe Box). «Der Kirschlorbeer hat sich in den letzten zehn Jahren explosionsartig in unseren Wäldern verbreitet», sagt Ziegler. Das hängt einerseits mit seiner Beliebtheit als Heckenpflanze zusammen. Andererseits mit dem steigenden Siedlungsdruck. Will heissen: Die Siedlung kommt immer näher an die Natur. In die Wälder gelangt der Kirschlorbeer über Vögel, die seine Früchte essen und über den Kot die Samen ausscheiden.

Der Aufwand wird auf die Fläche ausgerechnet

Im Waldstück erblickt man zahlreiche kleine und grössere Kirschlorbeertriebe. Bis zu fünf Meter hoch kann die Pflanze werden. Die Grösse ist dabei nicht das Problem, sagt Martin Ziegler. «Es geht um die Menge und die dadurch verursachte Dichte des Bewuchses.» Der Kirschlorbeer sei relativ anspruchslos, robust und komme mit wenig Licht aus. Diese «starke Strategie», wie es Ziegler nennt, ist als Heckenpflanze ein Vorteil und macht ihn pflegeleicht. Für die heimischen Wälder ist jedoch genau dies die Gefahr. «Er hat gegenüber einheimischen Pflanzen Vorteile und kann sich auf deren Kosten ausbreiten.» Ausserdem fehlen den Neophyten die natürlichen Feinde. Ziegler ist überzeugt: «Würden wir den Kirschlorbeer nicht aktiv bekämpfen, wären unsere Wälder dereinst voll davon, dunkeln den Boden ab und bilden dichte Teppiche. Dies auf Kosten der Artenvielfalt, der Schutzwaldwirkung und der Holzproduktion.»

Um ebendies zu verhindern, ist der Kanton Zug seit 2009 aktiv in der Neophytenbekämpfung. Spezialteams – koordiniert vom Amt für Wald und Wild – durchforsten die Wälder nach den unerwünschten Pflanzen und bekämpfen diese, so wie man es sich vorstellt: Die Neophyten werden, je nach Art, ausgerissen, ausgegraben, zurückgeschnitten oder mit Salzlösung behandelt. Nicht zum Zug kommt Gift. Das ist im Wald verboten. Die Bekämpfung im Kanton ist laut Ziegler erfolgreich, wie eine externe Datenauswertung belegt: «Es gibt Arten wie etwa das Drüsige Springkraut, die wir praktisch vollständig ausgerottet haben.» Und dies, nachdem das Kraut im Gebiet Herrenwald in Hünenberg auf einer Fläche von zirka 30 Fussballfeldern so dicht stand, dass es an ein Weizenfeld erinnerte. Auch beim Riesenbärenklau, dem Japanischen Staudenknöterich, dem Henrys Geissblatt oder dem Sommerflieder sind Erfolge erzielt worden. «Wir führen eine sehr genaue Auflistung und Abrechnung über unsere Aktivitäten. Die Neophytenbekämpfung ist in den vergangenen Jahren dank der effizienten Bekämpferteams sehr wirkungsvoll abgelaufen.» Man könne für jede Fläche ausweisen, wie viel Zeit und finanzielle Mittel für Eindämmung der Neophyten verwendet werden, sagt Ziegler. Insgesamt belaufen sich die jährlichen Kosten für die Bekämpfung im Kanton ab 2009 auf 90 000 Franken. Ein grosser Teil davon übernimmt laut Ziegler der Bund.

Bund hat Handlungsbedarf erkannt

Doch trotz der Erfolge, die der Kanton in diesem Bereich verzeichnen kann: Die Herausforderungen bleiben, und es stellen sich immer neue. Eine davon ist die Hanfpalme. Das ist jene Palme, die der eine oder andere vermutlich aus seinen Reisen ins Tessin kennt und die auch in den hiesigen Gärten immer häufiger mediterrane Stimmung verbreitet. Sie stammt ursprünglich aus China und verbreitet sich auf der Alpensüdseite rasant. «Es gibt in den Zuger Wäldern bereits erste Verwilderungen dieser Palme», sagt Ziegler. Es gebe in diesem Punkt Bestrebungen, dass Besitzer informiert werden sollen, die Samen der Pflanze zu entfernen. «Das wäre einfach zu machen, der Aufwand würde sich in Grenzen halten, und der Effekt wäre gross», sagt Ziegler.

Bis eine solche Massnahme aber umgesetzt ist, ist es noch ein weiter Weg. Immerhin: Der Bund hat die Wichtigkeit der Neophytenbekämpfung erkannt. So hat das Bundesamt für Umwelt in diesem Jahr einen Bericht zur Priorisierung ausgearbeitet, und der Bund beteiligt sich an den Bekämpfungskosten. Auch bis Handel und Umgang mit besonders problematischen Arten verboten werden und diese nicht nur wie heute auf einer schwarzen Liste stehen, wird es wohl noch eine Weile dauern. «So lange müssen wir dran bleiben und Stück für Stück die Wälder durchkämmen», sagt Martin Ziegler und reisst im Vorbeigehen gleich noch einen kleinen Kirschlorbeerstrauch aus.

Brandwunden und Leberschäden

Folgen Invasive Neophyten stellen ein Problem für das Gleichgewicht der heimischen Natur dar. Sie können auch Menschen und Tiere gefährden. Die Probleme, die sie verursachen, sind vielfältig. So ist etwa der Riesenbärenklau, ein strauchartiges Gewächs mit weissen Blüten, für den Menschen giftig. Kommt der Pflanzensaft mit menschlicher Haut in Kontakt, wird diese lichtempfindlich und es kann zu schweren Verbrennungen kommen. «Die Pflanze produziert auch sehr viele Samen. Diese sind bis zu 15 Jahre keimfähig. Das macht die Bekämpfung langwierig, wenn sie nicht bereits im ersten Jahr der Samenbildung durchgeführt wird», sagt Rebecca Stecher. Sie ist Projektleiterin Bodenschutz/Neobiota beim kantonalen Amt für Umweltschutz.

Das Schmalblättrige Greiskraut, eine Pflanze mit einem feinen Blattwerk und gelben Blüten, hat für die Landwirtschaft Folgen, da sie Leberschäden bei Tieren verursacht.

Region um die Lorze leidet

Ein Problem im Kanton ist der Japanknöterich. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein strauchartiges Gewächs mit länglichen weissen Blüten. Das Gehölz erinnert entfernt an Bambus. «Die Pflanze kann wirtschaftliche Schäden anrichten, weil sie beispielsweise Mauern oder Strassenbeläge durchbrechen kann», erklärt Stecher. Ihre Bekämpfung sei anspruchsvoll. «Will man sie vollständig aus dem Boden ausheben, kann dies zur Folge haben, dass Löcher von drei Metern Tiefe und sieben Metern Breite ausgebaggert werden müssen.» Der Japanknöterich wächst auch häufig entlang von Flussläufen. Dort kann es schwierig sein, an die Pflanze ranzukommen und sie zu entfernen. «Hinzu kommt, dass keimfähige Rhizome oder Stängelabschnitte sich über den Fluss verbreiten können», sagt Stecher.

Im Kanton Zug gibt es diverse Gebiete, die unter invasiven Neophyten leiden. Dazu zählen unter anderem der Herrenwald in Hünenberg, Naturschutzgebiete sowie die Region rund um die obere und untere Lorze. (st)

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