Kanton Zug
Diakon zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare: «Ich würde immer Hand bieten»

Wie steht die katholische Kirche im Kanton Zug der Segnung gleichgeschlechtlicher Liebenden gegenüber? Eine Nachfrage zeigt: Die allgemeine Haltung ist grundsätzlich liberal und offen.

Andreas Faessler
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Katholisch-kirchlich heiraten können gleichgeschlechtliche Paare zwar noch nicht. Zuger Pfarreien zeigen sich jedoch generell offen gegenüber Segnungen.

Katholisch-kirchlich heiraten können gleichgeschlechtliche Paare zwar noch nicht. Zuger Pfarreien zeigen sich jedoch generell offen gegenüber Segnungen.

Bild: Severin Bigler / AZ

Es war eine der am meisten diskutierten nationalen Stimmvorlagen des vergangenen Jahres: Im September hat das Schweizer Volk mit einer überwältigenden Mehrheit Ja gesagt zur Ehe für alle. Per 1. Juli 2022 können gleichgeschlechtlich liebende Paare die zivile Eheschliessung vornehmen und erhalten somit dieselben Rechte und Pflichten wie heterosexuelle Ehepaare. Ein Blick auf die Auswertungen zeigt: Selbst ein Grossteil der ländlich und stark katholisch geprägten Kantone und Gemeinden mit tendenziell konservativem Abstimmungsverhalten haben zur rechtlichen Gleichstellung homosexueller Paare ja gesagt.

Trotz der gesellschaftlichen Entwicklung zu Offenheit und Akzeptanz: Was die Sexualmoral der römisch-katholischen Kirche angeht, da hat sich nicht viel verändert; zumindest was die Grundhaltung des Heiligen Stuhls betrifft. Ein anderes Bild hingegen zeigt sich auf Pfarreiebene. Die «Zuger Zeitung» hat sich bei mehreren katholischen Pfarreien und Kirchgemeinden im Kanton umgehört und nachgefragt, wie sie zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare stehen und inwiefern dies überhaupt Thema innerhalb der Pfarrei war und ist. Dabei zeichnet sich eine durchaus liberale Grundeinstellung ab.

«Für mich ist klar, dass ich eine Segnungsfeier für homosexuelle Paare gestalten würde. Eine Segnung ist aber keine Trauung», sagt etwa Christof Arnold, Gemeindeleiter der Pfarreien Menzingen und Neuheim. Jedoch sei in seinen Pfarreien bislang noch kein entsprechender Wunsch eingegangen. «Meiner Einschätzung nach ist ein grosser Teil der Pfarreiangehörigen für einen offenen Umgang und für die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften», sagt er, weiss jedoch auch von kritischen Stimmen dem Thema gegenüber. Als Gemeindeleiter sei er vor der Abstimmung gelegentlich nach seiner Meinung gefragt worden.

Was dem Menschen dient...

Auch bei der Pfarrei Oberägeri war man mit dem Thema im Vorfeld der Abstimmung konfrontiert. Die Diskussionen hätten vor allem den Kinderwunsch von homosexuellen Paaren betroffen. «Ich weiss von Menschen aus der Pfarrei, die deshalb Nein gestimmt haben», sagt Urs Stierli, Diakon und Gemeindeleiter Pfarrei Oberägeri sowie Leiter Pastoralraum Zug Berg. «Diese Leute waren jedoch nicht gegen die Ehe für alle, sondern einzig gegen den damit verbundenen Kinderwunsch.» Gemäss Stierli habe es in Oberägeri schon Segnungsanfragen von homosexuellen Paaren gegeben.

«Solche Anliegen schaue ich dann mit dem Paar in einem persönlichen Gespräch an. Auch um herauszufinden, was das Paar sich wirklich wünscht.»

Für Urs Stierli ist die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare kein Neuland: 2007 hat er – gemeinsam mit seiner Frau und zwei weiteren Paaren – die so genannte «Segensfeier für mancherlei Liebende» aus der Taufe gehoben, dies im Auftrag des Dekanates Bern. «Diese Feier mit Segnung auch von homosexuellen Paaren fand ich gut und sehr stimmig», sagt Stierli dazu. In der Seelsorge begleite ihn primär die Grundfrage: Was dient dem Menschen? «Wenn ein Paar – auch ein gleichgeschlechtliches – zu mir kommt, das für seinen gemeinsamen Weg ernsthaft den Segen Gottes wünscht, würde ich immer Hand bieten.»

Ähnlich, wenn auch etwas zurückhaltender formuliert, ist die Haltung von Pfarrer Reto Kaufmann von der Pfarrei St. Michael in Zug, wo das Thema der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare wiederholt diskutiert worden ist. «Bei entsprechenden Anfragen würden wir das Gespräch suchen und eine Lösung finden, welche für beide Seiten vertretbar ist», so Reto Kaufmann. «Auf jeden Fall würden wir nie jemanden abweisen – das betrifft Segnungen gleichgeschlechtlicher wie auch wiederverheiratet-geschiedener Paare.»

Im Ermessen der Seelsorgenden

Wie eine Segnungsfeier für gleichgeschlechtlich Liebende aussehen soll, das liege erster Linie beim zuständigen Seelsorger respektive der zuständigen Seelsorgerin, sagt Gemeindeleiter Urs Stierli dazu. Natürlich könne die Frage auch im Pfarreiteam diskutiert werden. «Dies jedoch nur, um Bewusstsein zu schaffen und einen gemeinsamen Nenner zu erwirken. Letztlich muss der angefragte Seelsorger oder die Seelsorgerin eine solche Feier übernehmen – oder halt nicht.»

Mit der Praxis, dass die Seelsorgenden individuell entscheiden sollen, folgt man der Haltung der Bistümer St. Gallen und Basel. Hansruedi Huber, Sprecher des Bistums Basel, erläutert sie: «In den beiden Diözesen finden Segnungsfeiern homosexueller Paare seit Jahren statt. Sie liegen im Ermessen und Unterscheiden der Seelsorgenden vor Ort. Entscheidend dabei ist, dass eine Segnungsfeier nicht mit einer Eheschliessung verwechselt wird.» Und deshalb soll es – so sagt dazu der Steinhauser Pfarreileiter Ruedi Odermatt – einen offiziellen kirchlichen Segnungsritus für gleichgeschlechtliche Paare geben. «Denn in meinen Augen zählt der Grundsatz ‹Segen gilt allen›.»

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