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Kanton Zug: So erleben die Quereinsteiger ihren Start in ein Exekutivamt

Mit den letztjährigen Gesamterneuerungswahlen haben einige neue Gesichter den Sprung in den Gemeinderat geschafft. Vier davon verraten, was besonders gut läuft und woran sie sich erst noch gewöhnen müssen.
Vanessa Varisco
Nach mehr als 100 Tagen im Amt sind sie betraut mit den Geschäften im Gemeinderat: Im Uhrzeigersinn von oben links: Drin Alaj (SP/Cham), Herbert Keiser (parteilos/Menzingen), Christoph Zumbühl (Grüne/Steinhausen) und René Peyer (FDP/ Walchwil). (Bilder: Stefan Kaiser, Maria Schmid, PD)

Nach mehr als 100 Tagen im Amt sind sie betraut mit den Geschäften im Gemeinderat: Im Uhrzeigersinn von oben links: Drin Alaj (SP/Cham), Herbert Keiser (parteilos/Menzingen), Christoph Zumbühl (Grüne/Steinhausen) und René Peyer (FDP/ Walchwil). (Bilder: Stefan Kaiser, Maria Schmid, PD)

Etwas über hundert Tage amtieren einige Quereinsteiger im Kanton Zug nun schon als Gemeinderäte. Anders als jene Politiker, welche letztes Jahr wiedergewählt wurden, müssen sie sich an ihre Position gewöhnen. Doch sie sind gut gestartet, wie sie auf Anfrage erklären. René Peyer (FDP) Vorsteher Bau und Planung in Walchwil schildert: «Der Start ins neue Amt war nicht so schwierig.» Das liege unter anderem daran, dass er seine Wunschabteilung übernehmen durfte und dort auf motivierte Mitarbeiter gestossen sei. «Auch vonseiten der abgetretenen Gemeinderäte wurde alles getan, um dem neuen Amtsnachfolger ein aufgeräumtes Pensum zu überlassen», ergänzt er.

Ähnliche Erfahrungen hat Gemeinderat Drin Alaj (SP) in Cham gemacht: «Ich darf mit Freude auf spannende erste Momente zurückblicken.» Das neu zusammengesetzte Gemeinderatkollegium habe sich bereits gut eingespielt und arbeite kameradschaftlich zusammen. Und an der Gewerbemesse Choma erlebte er schon viele schöne Begegnungen mit der Bevölkerung, was ihm wichtig ist: «Die positiven Rückmeldungen, die ich dort erhalten habe, stimmen mich zuversichtlich und zeigen, dass ich von den Wählenden akzeptiert werde.»

Die ersten 100 Tage vergingen wie im Flug

Für Christoph Zumbühl (Grüne) sei der Start herausfordernd gewesen, erinnert sich der Steinhauser: «Ich musste mich in verschiedene Themen einlesen und bei vielen Terminen dabei sein, die bereits gesetzt waren.» Zwar habe er sein bisheriges Jobpensum in der Jugendarbeit per Anfang Jahr reduziert, doch da in den ersten Monate des Jahres immer viel los sei, war die Reduktion am Anfang eher theoretischer Natur. Spannend findet er, dass er nun von vielen Leuten ganz anders wahrgenommen wird: «Es ist immer noch ungewohnt auf der Strasse als Herr Gemeinderat angesprochen zu werden.» Sein persönlicher Höhepunkt bis jetzt sei der Neuzuzügeranlass. «Da gibt es keine grossen Formvorschriften. Ich kann von Mensch zu Mensch sprechen», freut er sich.

Gut gestartet ist auch Herbert Keiser (parteilos) in Menzingen. Er habe sich ein wenig wie ein Lehrling im ersten Jahr gefühlt. Anfangs bestaunt man alles mit grossen Augen und offenem Mund, bestrebt, in vier Jahren einen guten Abschluss vorweisen zu können. «Die ersten 100 Tage vergingen wie im Flug, denn die täglichen Geschäfte laufen weiter», sagt er rückblickend, «Ich war gefordert, aber genau das habe ich schliesslich gesucht.» Da er zuvor bereits 15 Jahre auf der Verwaltung gearbeitet hatte, war er vertraut mit gewissen Abläufen. «Darum bin ich sehr froh», resümiert er und führt aus: «Ich lege, wie bei meiner Arbeit, auch in der Politik wert auf genau zuzuhören und miteinander Lösungen zu finden.» Einen besonderen Vorteil sieht er darin, dass er parteilos ist: «Ich kann dadurch schnell Entscheidungen fällen und muss nicht Rücksprache mit meiner Partei halten wie andere Ratskollegen.»

An manchen Aspekt ihres politischen Amtes müssen sich die neuen Gemeinderäte allerdings erst noch gewöhnen. «Das Schwierigste ist für mich, dass ich nicht alleine entscheiden kann», gibt Peyer zu. Als Anwalt ist er ausserdem gewohnt, die Interessen einer Partei zu vertreten. «Als Gemeinderat hingegen sind teilweise unterschiedliche Interessen von verschiedenen Personen zu berücksichtigen. Das ist anspruchsvoll», findet er. Mühsam wurde es aber bislang nicht und «Herausforderungen sind das Salz in der Suppe». Gefordert ist ebenfalls Alaj – als Vorsteher von Verkehr und Sicherheit ist er für ein breites Aufgabenspektrum zuständig. «Das ist zwar aufgrund der Vielseitigkeit besonders spannend und interessant, erfordert jedoch eine vertiefte Dossierkenntnis in mehreren Bereichen.» Teils würde in der Politik ein rauer Wind wehen, findet Zumbühl: «Es gibt viel Aggression, auch von den Bürgern her. Es wird erwartet, dass man alles wegstecken kann und schon ein dickes Fell hat.» Auch das Taktieren liege ihm nicht: «Lieber sage ich meine Meinung geradeheraus.» Herbert Keiser ergänzt: «Der Egoismus in der Gesellschaft ist mühsam.» Um Lösungen zu finden, setzte er auf Kommunikation. Und durch seine vielen Kontakte im Dorf ist er am Puls der Bevölkerung. «Über Schwierigkeiten und Herausforderungen zu reden ist entscheidend – mit den Bürgern und den Gemeinderatskollegen.»

Offene Diskussionskultur

Ganz alleine stehen die Quereinsteiger schliesslich mit ihrer neuen Aufgabe nicht da. Immerhin haben sie an ihrer Seite erfahrene Politiker, die ihnen bei Bedarf mit Rat und Tat gerne zur Seite stehen, wie sich zeigt. «Die Unterstützung der erfahrenen Gemeinderäte ist spürbar», findet Peyer. Ausserdem schätzt er die kollegiale Atmosphäre, welche sich beispielsweise auch darin zeige, dass man nach den Sitzungen gemeinsam ein Feierabendbier geniessen könne. In Cham freut sich der SP-Mann über die offene Diskussionskultur im Gemeinderat: «Wir debattieren meist, bis eine Lösung gefunden wird. Folglich wird nur selten abgestimmt.» Offene Türen findet auch Christoph Zumbühl bei seinen drei Kollegen, die schon viel Erfahrung mitbringen. «Man darf sich einfach nicht zu schade sein, Fragen zu stellen», betont Herbert Keiser, der ein gutes Einvernehmen mit seinen Kollegen und Kolleginnen pflegt und die Gesprächsqualität lobt.

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