Kanton Zug
Trotz Startschwierigkeiten an Primarschulen: Spucktests werden bis im Sommer weitergeführt

Wegen Engpässen bei den Laboren konnten in drei Gemeinden die Primarschulen erst mit einer Woche Verspätung präventiv auf Corona getestet werden. Doch insgesamt sei die Massnahme ein Erfolg, findet die Zuger Regierung.

Zoe Gwerder
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Die Reihentests an den Oberstufenschulen sowie jene ab der 4. Primarklasse im Kanton Zug werden bis zu den Sommerferien verlängert. Das Ziel, möglichst keine Ausbrüche mehr in Schulklassen zu haben, sei dank dieser Massnahme erreicht worden, teilt die Zuger Regierung mit.

Spucktests werden zu einer Pool-Probe vereint.

Spucktests werden zu einer Pool-Probe vereint.

Bild: Stefan Kaiser (Menzingen 25. Februar 2021)

Bei der Einführung der Tests bei den Primarschulklassen hatte es jedoch in den bisherigen zwei Wochen gehapert. In drei der elf Gemeinden konnten Schüler und Lehrer in den ersten beiden Wochen nicht getestet werden.

«Es war logistisch ein ziemlicher ‹Chnurz›»,
Stephan Schleiss, Zuger Bildungsdirektor

Stephan Schleiss, Zuger Bildungsdirektor

Bild: Stefan Kaiser (Zug 16. Februar 2021)

erzählt Bildungsdirektor Stephan Schleiss. So habe sich die Anzahl der zu testenden Personen verdoppelt und die Zahl der Schulhäuser verdreifacht. Letzteres bedeutet eine besondere Steigerung des Aufwandes. Muss doch jedes Schulhaus einzeln angefahren werden, um das Testmaterial zu liefern und die Proben später abzuholen.

Eine Verkettung mehrerer Probleme

Die Logistik bis zur Schulhaustür wird von der Gesundheitsdirektion gestemmt. Gemäss Gesundheitsdirektor Martin Pfister gab es Probleme beim Herstellen der Beschriftungsetiketten. Diese erhalten für jede der zu testenden Person deren Daten in einem QR-Code. Dank diesem können die Proben anonymisiert ausgewertet werden. «Zum einen konnten die Schulen Menzingen, Baar und Zug uns die Personendaten nicht rechtzeitig vollständig übermitteln, und zum andern hatte eines der Labore Probleme beim Erstellen der Etiketten.» Alle Klassen ab der 4. Primarstufe konnten deshalb erst diese Wochen getestet werden.

Dass nicht von Beginn an alles rund läuft, sieht Bildungsdirektor Schleiss pragmatisch: «Im Nachhinein betrachtet, hatten wir die Sache zu eng geplant. Wir dachten, dass wir es so bewältigen können, aber hatten schlichtweg keine Reserven, um ein solches Holpern aufzufangen.» Doch es sei den beiden Direktionen wichtig gewesen, die Sache schnell umzusetzen.

«Da kann es auch einmal zu Pannen kommen und Nachjustierungen benötigen».

Gemäss der Gesundheitsdirektion lag in der Woche von Ostermontag der Anteil positiver Testresultate bei den getesteten Primarschulen bei 1,3 Promille, während dieser bei den Oberstufenschülern in derselben Woche bei 0,8 lag. «Wieso der Anteil deutlich auseinander liegt, können wir derzeit noch nicht eruieren», so Pfister.

Insgesamt sind laut Angaben der Gesundheitsdirektion in den sechs Wochen seit dem Start an den Oberstufen 64 Personen positiv auf das Virus getestet worden. Sie hätten zum Zeitpunkt des Ergebnisses keine Symptome aufgewiesen. Nur in zwei Fällen seien in derselben Klasse mehrere Ansteckungen vorgekommen.

Aussicht für Schulen: Lockerung der Maskenpflicht

Damit erzielen die Reihentests gemäss der Zuger Regierung das gewünschte Resultat: Ausbrüche in Klassen zu verhindern und damit einen möglichst ungestörten Präsenzunterricht ohne Quarantäne oder Fernunterricht durchführen zu können. Wie Schleiss aber betont, werde man die Lage weiterhin beobachten. «Wir hoffen, dass uns die Reihentests erlauben, insbesondere die Maskenpflicht weiter lockern zu können.» Dies habe man bereits im Turnunterricht umgesetzt. Nun hoffe er, solche Lockerungen möglichst bald auch im Unterricht zu ermöglichen – wenn es die Lage erlaubt, bereits nach den Frühlingsferien.

Von den Reihentests erhofft sich die Regierung auch eine positive Auswirkung auf die epidemiologische Lage im ganzen Kanton, sagt Gesundheitsdirektor Martin Pfister:

«Wir müssen davon ausgehen, dass die 64 gefundenen Personen, obwohl sie zum Testzeitpunkt keine Symptome hatten, weitere Personen hätten anstecken können.»

Die Regierung wolle ein Szenario, wie es derzeit im Kanton Uri zu beobachten sei – mit stark steigenden Fallzahlen – verhindern.

Martin Pfister, Zuger Gesundheitsdirektor

Martin Pfister, Zuger Gesundheitsdirektor

Bild: Stefan Kaiser (Baar 08. Januar 2021)

Gefundene Fälle nicht relevant für kantonale Zahlen

Zudem zeigten die Tests an den Schulen ziemlich genau dieselbe Tendenz auf wie die Fallzahlen in der gesamten Zuger Bevölkerung. Pfister betont hierbei, dass die derzeit höheren Fallzahlen im Kanton nicht mit den zusätzlichen Tests an den Schulen zusammenhängen. «Würde man die an den Schulen entdeckten Fälle abziehen, würde das die aktuelle epidemiologische Lage nicht verändern. Zur Relation: Im selben Zeitraum, in welchem an den Schulen 64 Fälle gefunden wurden, waren im Kanton Zug rund 1000 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden, wie der Coronastatistik-Website des Kantons Zug zu entnehmen ist.