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KANTON: Zuger Apotheken suchen ihre Chance

Vor 80 Jahren gründete sich der Zuger Apothekerverein. Durchaus ein Grund zum Feiern aber auch zum Nachdenken über die weitere Zukunft.
Impfen Zugs Apotheker künftig Kunden auch gegen Grippe? (Bild: PD)

Impfen Zugs Apotheker künftig Kunden auch gegen Grippe? (Bild: PD)

wolfgang holz

Das waren noch Zeiten. Phena hiess das Kopfwehpulver, das ein Zuger Apotheker anno 1936 patentieren liess und an Schmerzgeplagte verkaufte. Damals, vor rund 80 Jahren, wurden noch fast alle Medikamente und Pillen von Apothekern in Zug selbst hergestellt, wie Martin Affentranger, Präsident des Zuger Apothekervereins, erzählt. Ein neues Sanitätsgesetz war damals der Hintergrund, warum sich die sechs hiesigen Apotheken zum Zuger Apothekerverein zusammenschlossen.

«Das hatte zum Beispiel den Vorteil, dass Apotheker sich gegenseitig ausgetauscht und auch Fortbildungen organisiert haben», so der 39-Jährige, der die Anklin-Apotheke in Cham führt ein Ort, an dem man aufgrund der rustikalen Einrichtung mit hölzernen Schubladen vom Boden bis zur Decke noch die Patina jener Pillendreher spürt. Eine stilvolle Reminiszenz an frühere Zeiten.

Neue Schaufensterkampagne

Dabei scheint die Gegenwart der Zuger Apotheker heute ihrer Vergangenheit nicht ganz unähnlich. Zwar hat sich die Zahl der Apotheken innerhalb von 80 Jahren von 6 auf 15 mehr als verdoppelt. Doch auch heute gehören Schmerzmittel laut Affentranger nach wie vor zu den meistverkauften Medikamenten. Und auch die Selbstdispensation der Ärzte sprich: deren Privileg, nebenher durch eine Privatapotheke noch ein bisschen hinzuverdienen zu dürfen – bedeutet noch immer eine starke Konkurrenz für Zugs Apotheken.

Das bestätigt auch die jüngste Statistik von Pharma Suisse. Darin heisst es klipp und klar: «Dort, wo Ärzte Medikamente verkaufen, gibt es weniger öffentliche Apotheken.» Ganz zu schweigen davon, dass der Ertrag der Apotheken aufgrund verschiedener Sparmassnahmen seit Jahren rückläufig sei. Apotheken suchen deshalb nach neuen Chancen und Einnahmemöglichkeiten. Nicht zuletzt auch wegen der schmalen Gewinnmargen der Apotheker bei den teuren Medikamentenpreisen, die vom Bundesrat fixiert werden. Wie gering der Verdienst sein kann, illustriert Affentranger an einem aktuellen Beispiel: Gestern hat er ein Hepatitis-Medikament für gut 20 000 Franken verkauft. Seine Marge liegt bei rund 200 Franken.

«Wir wollen mit unserer Schaufensterkampagne ‹Fragen Sie Ihre Apotheke› die Bevölkerung wachrütteln, den Kontakt zu den Apotheken zu suchen», sagt Affentranger. Denn gerade durch das neue Medizinalberufegesetz haben die Apotheker die Chance erhalten, ihre Beratungs- und Fachkompetenzen als Medizinalpersonen auszubauen. Will heissen: Patienten können sich nun bei einfachen Krankheiten auch an einen Apotheker wenden, um eine erste Diagnose und gegebenenfalls ein entsprechendes Medikament zu erhalten. Damit werden Hausärzte und Notfalleinrichtungen entlastet. «Es gibt Personen, die eine hohe Franchise haben oder die sich die Zeit nicht nehmen wollen, wegen einer Erkältungskrankheit einen Arzt aufzusuchen. Diese kommen in die Apotheke und lassen sich beraten», versichert Affentranger. In der Anklin-Apotheke in Cham etwa kann man sich in einem dafür bereitgestellten Raum, einer Art Sprechzimmer, anschauen lassen. Wobei sich der Zuger Apotheker-Präsident vorstellen kann, künftig auch Grippeimpfungen durchzuführen. «Ich bin mir sicher, dass sich die Zahl der Geimpften durch solch ein niederschwelliges Angebot erhöhen liesse», so der junge Apotheker. Er will dafür sein Sprechzimmer zum Beispiel noch mit einer Liege ausstatten. Doch noch ist es nicht so weit.

«Eine wichtige Rolle»

Dass Apotheken in Sachen Gesundheitsberatung durchaus eine Zukunft haben, sieht auch Zugs Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann so. «Apotheken sind in vielen gesundheitlichen Fragen eine direkte, niederschwellige Anlaufstelle für die Bevölkerung», ist der FDP-Regierungsrat überzeugt. «Apotheken übernehmen zudem im Rahmen der Qualitätssicherung eine wichtige Rolle, weil sie die ärztlich rezeptierten Verschreibungen im Sinne des Vier-Augen-Prinzips überprüfen.» Auch was das Impfen durch Apotheker anbelangt, sieht Hürlimann Chancen. «Sie könnten im Bereich der Prävention, der Gesundheitsförderung und des Impfens weitere Aufgaben übernehmen. Die laufenden Zuger Gespräche zur Grundversorgung sollen uns im Dialog mit den Akteuren auch in dieser Hinsicht mehr Klarheit bringen.» Doch sind die Apotheker letztendlich nicht die Lückenbüsser, um die fehlenden Hausärzte im Kanton Zug zu kaschieren? Hürlimann widerspricht: «Die Apotheker sind keine Lückenbüsser. Sie üben einen eigenen Gesundheitsberuf mit Spezialisierung im Heilmittelbereich aus. Deshalb ersetzen sie keine Hausärzte das wollen sie auch nicht.»

Martin Affentranger ist auf alle Fälle überzeugt, dass «die neuen Beratungsmöglichkeiten der Apotheker das Hierarchieverhältnis zwischen Apothekern und Ärzten entspannen».

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