KANTONSRAT: Daniel Burch: «Wir beschäftigen uns grösstenteils selbst»

Daniel Burch (FDP) präsidiert in den nächsten zwei Jahren das Zuger Kantonsparlament. Dabei soll die Effizienz des Rats eine entscheidende Rolle spielen, wie er sagt. Darum gibts bei den gemeinsamen Essen des Rats auch weiterhin kein Dessert.

Charly Keiser
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Daniel Burch auf dem Stuhl im Kantonsratssaal in Zug, auf dem er nun zwei Jahre sitzen wird. (Bild: Stefan Kaiser (23. Dezember 2016))

Daniel Burch auf dem Stuhl im Kantonsratssaal in Zug, auf dem er nun zwei Jahre sitzen wird. (Bild: Stefan Kaiser (23. Dezember 2016))

Interview: Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Der Rischer FDP-Kantonsrat Daniel Burch (60) amtet die nächsten beiden Jahre als Kantonsratspräsident. Im Gespräch mit unserer Zeitung verrät er unter anderem, wie er den Rat leiten will.

Daniel Burch, wie haben Sie Ihre Wahl zum Kantonsratspräsidenten erlebt?

Ich hatte Freude am guten Ergebnis. Und es war für mich eine besondere Sache, weil meine Mutter, meine Frau und eine grosse Delegation der Rischer Gemeinde anwesend waren. Das hat mich sehr gefreut.

Und der Empfang und die Feier am Abend in Rotkreuz zu Ihren Ehren?

Er war grandios. Ich war erstaunt, wie viele gekommen sind. Waren es doch wohl über 500 Leute. Die Feier war wirklich perfekt. Gemeindepräsident Peter Hausheer hat das hervorragend gemacht. Er war authentisch und locker, es war wirklich eine schöne Feier.

Wie fühlt sich das an, bald Präsident des Kantonsparlaments und höchster Zuger zu sein?

Ich sehe vor allem die Aufgabe, die vor mir steht. Die macht mir Spass, genauso, wie die Kantonsratssitzungen zu leiten; aber auch den Kantonsrat als deren Präsident in verschiedenen Gremien und Gruppierungen zu vertreten. Darauf freue ich mich. Dass ich mich aber verändere, weil ich höchster Zuger bin, das glaube ich nicht. Das ist nicht mein Ding.

Als Repräsentant müssen Sie aber Besuche abstatten. Sind solche schon vereinbart? Zum Beispiel in Ihrem Heimatkanton?

Ich bin Sarner und Rischer. Wenn es sich ergibt, würde ich gerne an eine Rats­sitzung des Obwaldner Kantonsrats.

Und einen anderen Rat?

Ja, es ist bereits abgemacht, dass wir am 3. April die Appenzeller besuchen, die uns dann im Juni auch einen Gegenbesuch abstatten werden. Ich war dort auch schon zu Besuch, und das Spezielle ist, dass der jetzige Präsident des Innerrhoder Parlaments in Holzhäusern aufgewachsen ist. Das haben wir bei einem Treffen in Altdorf herausgefunden. Die Besuche werden darum für ihn und mich ein besonderer Anlass sein.

Und nationale Besuche?

Im November ist in Montreux Donnerstag und Freitag ein Föderationstag, an dem fast alle Parlamentarier der Schweiz zusammenkommen. Ich denke, es wird interessant sein, dort mit verschiedenen Leuten in Kontakt zu kommen. Mein Problem ist allerdings, dass ich am Donnerstag nach der Kantonsratssitzung nach Montreux düsen muss.

Kann ein Kantonsratspräsident als Botschafter etwas bewirken?

Ich denke schon. Er kann für den Kanton netzwerken und in verschiedenen Gruppierungen aufzeigen, dass Politik kein Selbstzweck im stillen Kämmerlein ist, sondern für das Volk gemacht wird. Er kann der Bevölkerung die Angst vor der Politik nehmen und aufzeigen, dass Politiker Leute sind wie alle anderen.

Können Sie dem Kanton Zug in Sachen NFA als Kantonsratspräsident Hilfestellung geben, obwohl es sich um nationale Politik handelt?

Der NFA ist tatsächlich eine nationale Angelegenheit. Aber wir können als Zuger Politiker auch etwas dazu beitragen, indem wir Politiker anderer Kantone aufzeigen, wie wir uns im Rahmen des NFA fühlen; als Minderheit, die nicht bestimmen kann und von der Mehrheit majorisiert wird. So können wir versuchen, das Verständnis für die Zuger Anliegen zu vergrössern.

Thema Aufwand: Müssen Sie Ihr Arbeitspensum bei der Swissmem (siehe Box) reduzieren?

Nein, das ist nicht vorgesehen. Als Präsident bin ich ja nicht mehr in den Kommissionen – das fällt ja weg. Ich denke, dass die Gesamtbelastung während des normalen Arbeitstags nicht grösser wird. Wenn dem nicht so wäre, müsste ich halt schauen, wie ich das mit meinem Arbeitgeber regeln könnte. Natürlich werde ich viele Veranstaltungen an Abenden und an den Wochenenden besuchen dürfen.

Freuen Sie sich darauf?

Ja, darauf freue ich mich sehr.

Als Fraktionschef waren Sie auch schon lange Mitglied des Büros des Kantonsrats. Ein Vorteil?

Ja, ich denke, es ist schon von Vorteil, dass ich im Büro war und die Abläufe gut kenne. Die enge Zusammenarbeit mit dem Landschreiber wird so einfacher für mich, weil ich die Vorbereitungsprozesse gut kenne.

Ist die Kantonsratssitzung nur eine Show für das Volk und die Presse?

Es kommt mir manchmal so vor (lacht). Ich habe in meiner Antrittsrede ja entsprechend darauf hingewiesen. So finde ich es zum Beispiel mühsam, wenn ein Kommissionspräsident den halben Kommissionsbericht im Rat vorliest, gehe ich doch davon aus, dass die Ratskollegen die Berichte gelesen und verstanden haben.

Eine Ihrer Lieblingsphrasen wäre also: Ich verweise auf Bericht und Antrag?

Ja, und nachher noch kurz begründen, wie man auf diesen Entschluss gekommen ist. Es ist auch nicht nötig, sich bei Leuten zu bedanken, die gar nicht im Rat anwesend sind und die Worte nicht hören.

Gegen die Show spricht, dass es Fälle gibt, wo ein Votum die Stimmung im Rat kippen lässt. Passiert das heutzutage weniger, ist die Fraktionsdisziplin also besser geworden?

Mich erstaunt, wenn Vertreter einer Partei in einer Kommission einem Geschäft zustimmen und dann im Rat eine andere Meinung vertreten. Das ist einfach nicht nachvollziehbar. Entweder konnten sie ihre Fraktionskollegen nicht überzeugen, oder die Kräfte in der Fraktion waren so gross, dass man sie umgebogen hat.

Dass die Fraktionen nicht per se die Meinung ihrer Kommissionsmitglieder vertreten, ist für die Medien das Salz in der Suppe.

Wenn die Kommissionsmitglieder ihre Arbeit gut machen, sollte die Fraktion mindestens mehrheitlich der Kommissionsmeinung folgen. Es ist darum wichtig, dass die Kommissionsmitglieder den Puls ihrer Fraktion fühlen, bevor sie in die Kommissionssitzungen gehen. Häufig waren die Geschäfte ja schon in der Vernehmlassung, und die Parteien haben sich zum Thema bereits geäussert.

Müsste also ein Kommissions­mitglied die Fraktionsmeinung ­vertreten?

Ja, ein Kommissionsmitglied sollte die Fraktionsmeinung in die Kommission tragen. Das Ziel ist ja, eine Fraktionsmehrheit hinzubekommen. So muss man manchmal das Gemeinwohl höher gewichten als das Wohl des Einzelnen.

Was ist Ihr Ziel für die zwei Jahre als Präsident?

Ich möchte den Rat effizient führen und meine Kollegen dazu anhalten, effizient zu sein sowie auf unnötige Vorstösse zu verzichten. Ich sage es jetzt vielleicht ein wenig hart: Wir beschäftigen uns grösstenteils selbst, mit den vielen Motionen und Interpellationen.

Wie sind die diesbezüglichen ­Auswirkungen auf Dessert und Schnaps?

Was Moritz Schmid eingeführt hat, werde ich beibehalten: kein Dessert. Mit Vor- und Hauptspeise sind wir bestens bedient, und mit dem Dessert verlieren wir 80-mal eine halbe Stunde, sind 40 Stunden. Und – am Nachmittag soll ja nicht nur der Magen arbeiten, sondern auch der Kopf.

Und der Schnaps?

Der Schnaps war für mich nie ein Problem. Es sind nur wenige, die einen Schnaps geniessen wollen, und das will ich denen nicht vergönnen.

Zuger Kirsch?

Wäre schön, wenn es ein Zuger Kirsch wäre, aber das muss nicht sein. Das ist, auch finanziell, unbedeutend.

Wie wichtig sind die Essen des Kantonsrats?

Sehr wichtig, wie ich meine. In anderen Kantonen gehen die Fraktionen getrennte Wege. Bei unseren gemeinsamen Essen sitzt man mit Ratskollegen anderer Parteien am Tisch, was auf der menschlichen Ebene ein enormer Vorteil ist. Man kann anderer Meinung sein, aber geht respektvoll miteinander um. Genau das fördern die gemeinsamen Mittagessen des Kantonsrats.

Was bedeutet Ihnen Politik?

Es ist mein Hobby, ich politisiere gerne und habe von ihr viel gelernt.

Reizt Sie dabei das Gestalten?

Ja, es macht Freude zu gewinnen, und man lernt zu verlieren.

Wie gehen Sie mit den beiden ­Situationen um?

Da erinnere ich mich an meine erste Kantonsratssitzung. Es ging um die Inert­stoffdeponie in der Rischer Auleten. Ich war in der Umweltkommission der Gemeinde und vertrat in einem Votum im Kantonsrat die Meinung, die Auleten zu Gunsten eines anderen Standorts rauszunehmen. Ich war nervös, und es machte mir viel Freude, als mein Antrag obsiegte.

Und Niederlagen?

Ich fand es als Präsident der Tiefbaukommission schade, dass der Stadttunnel abgelehnt wurde. Ich kann damit leben, obwohl ich finde, die Sache ist für lange Zeit verbockt. Aber – das Volk hat entschieden.

Andere Niederlagen?

Damit muss man leben. Eine verlorene Schlacht ist noch kein verlorener Krieg. Man muss es oft anders probieren. Ich vergleiche das mit meinem Hobby Segeln: Manchmal ist der Wind gut aus der richtigen Richtung und in der richtigen Stärke; und teilweise kommt der Wind von vorn. Dann muss man halt aufkreuzen und schauen, wie man ans Ziel kommt. Wenn man ein Ziel hat, muss man schauen, wie man es schafft. Manchmal halt auch mit ein wenig links und rechts – also indirekt.

Zur Person

kk. Seit 2003 sitzt Daniel Burch (60) für die FDP im Zuger Kantonsrat. Er präsidiert seit 2008 die Tiefbaukommission und sitzt seit 2004 als Mitglied in der engeren Justizprüfungskommission. Burch ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Seit 2007 arbeitet er beim Arbeitgeberverband für die Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (Swissmem). Burch ist dort Leiter verschiedener Fachgruppen. Nebst dem Tiefbau und der Justiz interessieren den Rischer politisch besonders auch die wirtschaftlichen Themen.

In der Freizeit geht Burch gerne wandern, segeln und Ski fahren. «Wenn es Schnee hat», wie er witzelt. (kk)