Zuger Kantonsrat gibt grünes Licht für den Autobahn-Halbanschluss Rotkreuz – trotz emotionaler Voten der Gegner

Der Bund kann die Planung des Halbanschlusses in Rotkreuz an die Hand nehmen. Der Kantonsrat stimmt der Festsetzung des Projekts im Richtplan zu.

Laura Sibold
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Die Gegner des Autobahn-Halbanschlusses Rotkreuz Süd versuchten ein letztes Mal, mit Plakaten auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Die Gegner des Autobahn-Halbanschlusses Rotkreuz Süd versuchten ein letztes Mal, mit Plakaten auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Bild: Andrea Muff (Zug, 28. Mai 2020)

Auch das geltende Versammlungsverbot hielt die Gegner des Autobahn-Halbanschlusses Rotkreuz Süd am 28. Mai nicht von einer Kundgebung ab. Vor der Kantonsratssitzung, die coronabedingt zum zweiten Mal in der Dreifachturnhalle der Kantonsschule Zug stattfand, postierten sich vier Menschen und einige Pappfiguren, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Der Widerstand gegen den geplanten Halbanschluss Rotkreuz Süd, welcher das Industriegebiet verkehrstechnisch entlasten soll, währt bereits seit einigen Jahren. Das Projekt ist umstritten.

Unbestritten ist auf der anderen Seite, dass Rotkreuz ein Verkehrsproblem hat. Das zeigt die Blechlawine, die täglich zu den Stosszeiten durch den Forrenkreisel im Industriegebiet rollt. Als mögliche Lösung wollen Kanton und Gemeinde einen neuen Autobahn-Halbanschluss an die A4 bei der Buonaserstrasse und einen zusätzlichen Bypass am Kreisel Forren realisieren.

Einheit von Links und Rechts blieb chancenlos

Im Rahmen der Richtplananpassungen gab der Zuger Kantonsrat für die weiteren Planung des Projektes grünes Licht. Er beschloss am 28. Mai die Festsetzung des Autobahn-Halbanschlusses im kantonalen Richtplan. Daran konnten auch emotionale Voten und ein Schulterschluss von Links und Rechts nichts mehr ändern.

«Für die Mehrheit der Kommission ist unbestritten, dass der Halbanschluss eine sinnvolle Massnahme darstellt, um die Verkehrsprobleme in Rotkreuz lösen zu können.»

Das sagte Heini Schmid (CVP/Baar), Präsident der Kommission für Raum, Umwelt und Verkehr. Entsprechend habe sich die Kommission für die Festsetzung des Halbanschlusses im Richtplan ausgesprochen, allerdings mit Ergänzungen. So soll mit dem Bau des Halbanschlusses an die A4 bei der Buonaserstrasse gewartet werden, bis der A4-Anschluss Küssnacht an Rigi im Fänn saniert ist. Darüber hinaus sollen allfällige negative Auswirkungen in Rotkreuz, Buonas und Risch mit flankierenden Massnahmen eingeschränkt werden und die Gemeinde sowie Bevölkerung Rischs in den Planungsprozess miteinbezogen werden. Der Kantonsrat stimmte der Festsetzung des Halbanschlusses im Richtplan zu und unterstützte mit 55 zu 21 Stimmen die Anträge der Kommission.

Doch mit der Festsetzung im Richtplan waren Links und Rechts ganz und gar nicht einverstanden. Flavio Roos (SVP/Risch) erinnerte an die anstehenden Bauprojekte in Risch-Rotkreuz, die das Wachstum und damit den Verkehr in den kommenden Jahren nochmals steigern werden. «Dieser Halbanschluss, der bestimmt nicht in den nächsten 25 Jahren realisiert werden würde, löst das Problem nicht.» Der Verkehr müsse sinnvoller über die bestehenden Strassen geführt werden, wie dies etwa die Ostumfahrung mit dem sogenannten Bügel vorsehe, so Roos. Hanni Schriber-Neiger (ALG/Risch) betonte:

«Mit dem Halbanschluss wird der Verkehr in die Dorfkerne Rotkreuz und Buonas umgelagert und die Anwohner müssen den Pendler-Mehrverkehr ertragen.»

Der Richtplaneintrag sei fragwürdig, auch vor dem Hintergrund, dass der Halbanschluss genau beim Landwirtschaftshof Rüti/Areal Buonaserstrasse geplant sei, wo der Kanton erst vor gut zwei Jahren eine nässende Wiese saniert habe, so Schriber-Neiger. Besser sei es daher, von den Firmen in der Gemeinde Risch mehr Massnahmen zur Minderung des Autoverkehrs zu verlangen. «Es brauchte leider die Coronapandemie, damit das Homeoffice landesweit umgesetzt wurde und jetzt weniger Fahrzeuge auf den Strassen sind», sagte die ALG-Kantonsrätin und beantragte, den Halbanschluss Rotkreuz Süd aus dem Richtplan zu streichen. Doch die Voten der Gegner blieben chancenlos, der Kantonsrat sprach sich mit 48 zu 28 Stimmen gegen den ALG-Antrag aus.

Die Variante Bügel als Zwischenergebnis eingetragen

Zufrieden mit der Festsetzung des Autobahn-Halbanschlusses Rotkreuz Süd zeigten sich vor allem die Mitteparteien. Die Kommission habe den Richtplaneintrag deutlich nachgebessert, freute sich Kurt Balmer (CVP/Risch). «Der Kanton stellt nun vorsichtig und mit Weitsicht die richtigen Weichen und erarbeitet ein Gesamtkonzept, damit die Planung des Bundes fortgesetzt werden kann.»

Ins gleiche Horn stiess Thomas Gander (FDP/Cham), der von einem Gesamtsystem aus kleinen Puzzlestücken sprach. Zu diesen Puzzleteilen zähle nicht nur der Autobahn-Halbanschluss, sondern auch der zweiteilige Bügel sowie die Ostumfahrung. «Wir müssen entscheiden, wann welches Puzzleteil eingesetzt wird und ob wir am Ende überhaupt alle Teile für dieses Gesamtsystem benötigen.» Für die FDP stehe ausser Frage, dass der Halbanschluss als prioritäres Teil diene, die weiteren Puzzleteile sollten als Zwischenergebnis eingetragen werden. Dem Antrag der Kommission für Raum, Umwelt und Verkehr, die beiden Teile der Variante Bügel als Zwischenergebnis im Richtplan einzutragen, folgte der Kantonsrat grossmehrheitlich. Als Bügel wird eine mögliche Umfahrungsstrasse vom Halbanschluss Rotkreuz Süd zum Kreisel Forren und allenfalls weiter ins Hünenberger Industriequartier Bösch gemeint.

Weitere Richtplan-Anpassungen mehrheitlich unbestritten

(ls) Der Kanton Zug passt den kantonalen Richtplan in verschiedenen Kapiteln an. Neben dem kontrovers diskutierten Eintrag Autobahn-Halbanschluss Rotkreuz Süd waren die Anpassungen am 28. Mai im Kantonsrat grösstenteils unbestritten. So wird etwa der Golfpark Zugersee in Baar aus dem Richtplan gelöscht, weil das kantonsübergreifende Golfpark-Projekt durch die Gemeinden des Knonaueramts abgelehnt wurde. Die restlichen Anpassungen betrafen allesamt Strassenprojekte, wie unter anderem die kantonale Radstrecke Baar bis Kappel am Albis oder jene von Steinhausen nach Blickensdorf.
Der Autobahn-Halbanschluss Steinhausen Süd wurde als Zwischenergebnis in den kantonalen Richtplan aufgenommen. Daran konnte auch verschiedene Streichungsanträge der ALG und SP nichts mehr ändern. Die Stärkung der Nord- und der Chamerstrasse wird mit hoher Priorität in den Richtplan aufgenommen, die Verlängerung der General-Guisan-Strasse mit einem Neubau des Halbanschlusses Steinhausen Süd bleiben mit tieferer Priorität im Richtplan.

Baudirektor Florian Weber freute sich über die Festsetzung des Halbanschlusses und dem Bügel als Zwischenergebnis im Richtplan. «Das gibt uns die Möglichkeit, die Variante Bügel zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu prüfen. Mit dem Halbanschluss entsteht zudem ein Zwei-Klammersystem mit einem Autobahnanschluss Nord und einem Autobahnanschluss Süd.» So könne der Druck auf den Forrenkreisel massiv minimiert werden. Weber spricht von einer Verkehrsentlastung von bis zu 35 Prozent im Norden von Rotkreuz.

Der Bau des Strassenprojektes liegt letztlich in der Kompetenz des Bundesamtes für Strassen (Astra). Mit der Festsetzung im Richtplan kann dieses nun mit einer Machbarkeitsstudie beginnen und das Projekt Autobahn-Halbanschluss Rotkreuz Süd entsprechend prüfen.

In der Schlussabstimmung stimmte der Kantonsrat der Richtplananpassung mit 54 zu 17 Stimmen zu.

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