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KANTONSRAT: Stellenwert des Französischen hinterfragt

Zum wiederholten Mal befasste sich das Parlament mit dem Französisch in der Grundschule. Ein tragisches Ereignis sorgte für eine lange Stille.
Marco Morosoli
Schüler stellen dar, was sie alles sprechen. (Bild: Archiv Zuger Zeitung)

Schüler stellen dar, was sie alles sprechen. (Bild: Archiv Zuger Zeitung)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Am Montag, 26. März, ist überraschend der Baarer CVP-Kantonsrat und Kantonalpräsident Pirmin Frei gestorben. Auf dem Pult vor seinem Sitzplatz stand am Donnerstag eine brennende Kerze. Ein Symbol für das ewige Licht. Der CVP-Fraktionschef Thomas Meierhans (Steinhausen) sagte, dass das Politisieren im Rat weitergehe. Das hätte Frei sicher so gewollt. Er lobte zudem, dass alle Fraktionen ihre Anteilnahme ausgedrückt hätten. Dann ging der Ratsbetrieb wieder seinen gewohnten Gang.

Auf der Traktandenliste stand – einmal mehr – das Frühfranzösisch. Eine Motion von Jürg Messmer (SVP/Zug), Andreas Hostettler (FDP/Baar) und Philip C. Brunner (SVP/Zug) fordert, dass in der Primarstufe als Erstes den Schülern Englisch-Unterricht erteilt wird. Das Volk hat das Modell 3/5 – das heisst Englisch ab der Dritten und Französisch in der fünften Klasse 2006 klar abgesegnet. Messmer outete sich am Donnerstag im Rat und sagte, dass er damals bei der Abstimmung zweimal Ja gesagt habe: «Wir haben aber von der Jugend zu viel erwartet.» Messmer gab den Takt vor: «Englisch ist die interessantere Sprache.»

Mehr Kontakte in die Westschweiz könnten helfen

Peter Letter (FDP/Oberägeri) gab derweil den Staatsmann: «Der Ruf nach Abschaffen des Frühfranzösisch an der Primarschule ist eine einfache Antwort auf die Herausforderung, den Französisch-Unterricht für die Schüler interessant und erfolgreich zu gestalten.» Der Oberägerer redete aber nicht nur von Herausforderungen, sondern zeigte auf, was gemacht werden könnte, um Französisch attraktiver zu gestalten: «Mit dem Schritt über den Röstigraben durch Schulreisen, Klassenlager und Austausch wird auch die Motivation höher.» Hier erhielt er Support von Laura Dittli (CVP/Oberägeri). Auch sie empfahl Reisen in den Westen: «Wir haben in unserem Land das Privileg, innert kurzer Zeit in einem anderen Sprach- und Kulturort sein zu können. Davon machen wir viel zu wenig Gebrauch.»

Auf derselben Linie argumentierte auch der Baarer Kantonsrat Zari Dzaferi (SP). Die von den Motionären eingebrachte Idee, Französisch als Freifach belegen zu können, lehnte Dzaferi ab: «Anstatt Wischiwaschi zwischen Wahl- und Pflichtfach Französisch zu schaffen, sollten wir uns vor allem für ein gutes Setting einsetzen – wenn uns die Kompetenzen der Jugendlichen wirklich wichtig sind.»

Allerdings ging für Dzaferi die von den Motionären gemachte Rechnung «Weniger Französisch gleich bessere Deutschkenntnisse» nicht auf. Dieser Lösungsansatz sei zu einfach. Er als Deutschlehrer beobachte, dass die Kommunikationsfähigkeit stärker in den Vordergrund rücke. Darunter würden die Grammatik, die Rechtschreibung und anderes mehr leiden. Handgeschriebene Briefe würden immer weniger verfasst. Und bei den Whatsapp-Nachrichten auf dem Smartphone herrsche grammatikalischer Wildwuchs.

Betrüblich dann Dzaferis Schlusssatz: «Wer kaum liest, schreibt auch schlechter. Das sage ich nicht als Kantonsrat, sondern als Deutschlehrer.»

Den ewigen Sprachenstreit endlich lösen

Rita Hofer (ALG/Hünenberg) ordnete die Bemühungen in Sachen Frühfranzösisch pessimistisch ein: «Es macht für mich eher den Eindruck der Hilflosigkeit, da sich die Bemühungen und Anpassungen bis heute nicht ausbezahlt haben.» Die Ennetseerin träumte eher vom grossen Wurf: «Es wäre jetzt angebracht, im Hinblick auf den Lehrplan 21 diese Hürde zu nehmen, den ewigen Sprachenstreit in die richtigen Bahnen zu lenken und mit dem Frühfranzösisch in der dritten Klasse zu beginnen.» Diese Umkehrung des heutigen Zustandes wäre für Hofer «ein echtes Bekenntnis zur Mehrsprachigkeit der Schweiz.» Zum Schluss war dann Bildungsdirektor Stephan Schleiss an der Reihe. Wie viele Vorredner sah er keine Notwendigkeit, in Sachen Frühfranzösisch etwas zu ändern. Schleiss wies dabei auf die Mehrheiten hin, welche Abstimmungen zu dem in Zug gebräuchlichen Modell jeweils ergeben hätten.

Letztlich haben die Parlamentarier wieder einmal in Sachen Frühfranzösisch Sitzungszeit investiert, ohne zu einem anderen Ergebnis zu kommen als bei vorhergehenden Disputen. Für die Erheblicherklärung der Motion entschieden sich 20 Parlamentarier, 48 waren dagegen. Ein Verhältnis, das noch klarer als einst bei der Abstimmung war. Das diskutierte Thema dürfte aber alsbald wieder auf der Traktandenliste landen. Denn die Frage, wann genau der Unterricht mit dieser Fremdsprache beginnen soll, ist offensichtlich ein steter Quell epischer Streitereien.

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