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KANTONSSPITAL: Gesundheitsdirektor Pfister will sich nicht einmischen

Zum ersten Mal nimmt Gesundheitsdirektor Martin Pfister (CVP) ausführlich Stellung zu den gescheiterten Verhandlungen zwischen den Kinderärzten und dem Kantonsspital. Zudem nennt er anstehende politische Herausforderungen im Gesundheitssektor.
Christopher Gilb
Regierungsrat Martin Pfister beim Interview in seinem Büro. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 27. September 2017))

Regierungsrat Martin Pfister beim Interview in seinem Büro. (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 27. September 2017))

Interview: Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Martin Pfister, hatten Sie erwartet, dass die Verhandlungen zwischen Kantonsspital und Kinderärzten eskalieren würden (siehe Box)?

Nein, damit war nicht zu rechnen. Es ist schade, dass es so weit gekommen ist. Denn ich kenne den Kanton Zug als Ort, wo man Probleme gemeinsam am Tisch zu lösen versucht und die Differenzen nicht öffentlich austrägt.

Hätten Sie intervenieren sollen?

Als Gesundheitsdirektor habe ich eine klare Rolle. Aufgabe des Kantons ist es, die Gesundheitsversorgung jederzeit zu gewährleisten. Dies war der Fall. Ich kann und will keine Lösungen verordnen. Mit einer Intervention hätte ich mich in die Vertragsfreiheit der Ärzteschaft und des Kantonsspitals eingemischt und damit ein Präjudiz geschaffen. Ich habe jedoch ganz konkret eine Denkpause vorgeschlagen. Diese wurde bekanntlich von einer Seite abgelehnt.

Drei Kantonsräte forderten in einem Leserbrief, dass die Verhandlungen unter der Moderation der Gesundheitsdirektion wieder aufgenommen werden. Sind Sie dazu bereit?

Ich bin seit Juni mit beiden Seiten im Gespräch. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass beide weiterhin an einer Lösung interessiert sind. Eine zentrale Differenz ist durch den Entscheid des Kantonsspitals, den Aufbau der erweiterten Grundversorgung in der Geburtshilfe vorerst nicht umzusetzen, aus dem Weg geräumt. Dem Kantonsspital steht es grundsätzlich frei, mit welchen Kinderärztinnen und Kinderärzten es zusammenarbeitet. Bereits bisher waren nicht alle Zuger Kinderärzte am Kantonsspital tätig. Auch die Andreas-Klinik in Cham pflegt die Zusammenarbeit mit nur einem Teil der Zuger Kinderärzte. Wichtig ist für mich, dass eine langfristige Lösung gefunden wird. Aktuell unterstützt die Zuger Gesellschaft für Hausarztmedizin die Gespräche. Eine Mediation unsererseits ist deshalb nicht erforderlich.

Von Seiten der Kinderärzte hiess es, man habe in diesem Prozess die Unterstützung und Wertschätzung der Gesundheitsdirektion zum Teil vermisst.

Ich kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Vielleicht bestand die Hoffnung, dass wir Partei ergreifen. Das machen wir nicht. Ich habe vermittelnd gewirkt, aber letztlich müssen die Leistungsbringer die Verträge untereinander abschliessen.

Der Konflikt erhielt zudem eine politische Dimension. Im Kantonsrat gab es zwei Kleine Anfragen: zur Sicherstellung der Versorgung und zum Bedarf nach einer erweiterten Frühgeborenen-Betreuung.

Die Vorstösse zeigen, wie gross das Interesse an der Gesundheitsversorgung ist. Ich begrüsse es, wenn die Politik Themen aufnimmt und faktenbasiert diskutiert. Das dient auch zur Beseitigung von Unklarheiten.

Zudem scheint es aber, als würde sich die Konkurrenz zwischen dem Zuger Kantonsspital und der An­dreas-Klinik zuspitzen. Anfang Jahr wechselten gleich drei Orthopäden nach Cham.

Konkurrenz gibt es auch im Gesundheitswesen. Das ist grundsätzlich nicht schlecht. Das Kantonsspital hat den Wechsel zu einer Standortbestimmung genutzt und im Orthopädiebereich das Angebot neu organisiert. Was wir nun im Auge behalten müssen, ist die Gefahr eines Überangebots. Die im Kanton Zug tätigen Orthopäden haben aber einen guten Ruf, sodass die Angebote auch für ausserkantonale Patientinnen und Patienten attraktiv sein dürften.

Kommen wir zu den Herausforderungen. Der Kanton Zürich passt 2018 die Spitalplanung an. So soll es zukünftig Mindestzahlen für Eingriffe nicht nur pro Spital, sondern auch pro operierenden Arzt geben. Dies soll der Qualitätssicherstellung dienen, könnte aber dazu führen, dass kleinere Spitäler Leistungsaufträge verlieren. Bisher hat sich der Kanton Zug jeweils stark an der Zürcher Spitalplanung orientiert.

Es ist noch vieles offen. Wir berücksichtigen die fachlichen Überlegungen, welche in Zürich erarbeitet wurden, sind in der Umsetzung aber frei. Bei der Diskussion um Mindestfallzahlen geht es um die Qualität von Behandlungen. Das ist uns sehr wichtig. Ziel für den Kanton Zug ist es, sich auf ein hochwertiges Grundangebot zu konzentrieren. Spezialisierte Behandlungen finden heute schon ausserkantonal statt.

Kürzlich wurde bekannt, dass im Kanton Zug ab 2018 das Prinzip «ambulant vor stationär» gilt. Besteht die Gefahr, dass die Leistungsbringer die Einbussen durch Mengenausweitung kompensieren und somit die Versicherungskosten steigen?

Ich gehe nicht davon aus, dass die Prämien deshalb steigen werden. Die Mengenausweitung ist zwar ein grosses Problem im Gesundheitswesen, die Förderung ambulanter Spitaleingriffe wird aber nicht zu einer Erhöhung der Zahl der Eingriffe führen, sondern eine Vielzahl von unnötigen stationären Eingriffen vermeiden. Ambulante Eingriffe sind praktisch immer günstiger, und zwar für den Prämien- wie den Steuerzahler. Es geht also um die Stabilisierung der Gesundheitskosten insgesamt. Zudem setze ich mich innerhalb der Gesundheitsdirektorenkonferenz dafür ein, dass die Tarife angepasst werden.

Also stehen die Gesundheitskosten im Fokus?

Die Zuger Bevölkerung hat Anspruch auf ein hochwertiges Gesundheitssystem. Wir wollen im Bereich der Gesundheit ein Plus bieten. Die Optimierung der Qualität und des Angebots beschäftigte uns in den letzten Jahren stark. In den nächsten Jahren werden es eher die Kosten sein. Ziel muss es sein, Topqualität zu einem vernünftigen Preis anbieten zu können. Diesbezüglich wird noch mancher Verteilkampf stattfinden. Aber die Umstellung aufs Prinzip «ambulant vor stationär» ist ein gutes Beispiel, wie bei gleicher Qualität die Kosten gesenkt werden können. Es gibt noch diverse andere Möglichkeiten. Um diese nutzen zu können, muss Innovation in den Kantonen stattfinden.

Was meinen Sie damit?

Bundespolitisch sind derzeit viele wichtige Themen aus dem Gesundheitsbereich blockiert. Deshalb müssen wir in den Kantonen innovativ sein. Wie jetzt beispielsweise bei «ambulant vor stationär», wo der Kanton Luzern einen Anfang gemacht hat und jetzt weitere Kantone nachziehen. Die Kantone übernehmen die Rolle von Innovationslaboren.

Mit Ihnen als Gesundheitsdirektor?

Die CVP des Kantons Zug gibt ihre Nominationen für den Regierungsrat am 6. Januar bekannt. Falls ich nominiert und wiedergewählt werde, könnte ich mir gut vorstellen, dass ich auch nach 2018 Gesundheitsdirektor bleibe.

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