KANTONSSPITAL: «Züglete» ins neue Spital an einem Tag

Die Zuger Bevölkerung erhält am 30. August ein neues Kantonsspital mit 184 Betten. Das schlichte Glasgebäude in Baar kostet 172,5 Millionen Franken. Es ist das grösste Hochbauprojekt in der Geschichte des Kantons Zug.

Drucken
Teilen
Ab dem 30. August ist das neue Zuger Kantonsspital belebt. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Ab dem 30. August ist das neue Zuger Kantonsspital belebt. (Bild Stefan Kaiser/Neue ZZ)

Für den Zuger Baudirektor Heinz Tännler (SVP), einst einer der härtesten Kritiker der Zuger Spitalplanung, ist das Kantonsspital heute «eine Erfolgsgeschichte». Mit der termingerechten Fertigstellung hätten Totalunternehmer und Kanton ihren Auftrag erfüllt. Das Kostendach von 172,5 Millionen Franken werde eingehalten, sagte er am Donnerstag vor den Medien.

Tännler kämpfte 1999 und 2002 als Kantonsrat gegen die damaligen Spitalpläne der Regierung. Erst als Präsident der Spitalkommission setzte er sich 2003 für ein neues Spital in Baar ein. Die Zugerinnen und Zuger unterstützten ihn am 30. November 2003 in einer Urnenabstimmung mit einer Zweidrittelsmehrheit.

Die damals bewilligten rund 160 Millionen Franken erwiesen sich später als zu wenig. Am 14. Dezember 2006 hiess der Kantonsrat einen Nachtragskredit von knapp 13 Millionen Franken gut.

«Ausdruck des Zuger Pioniergeists»
Landammann und Gesundheitsdirektor Joachim Eder (FDP) sprach von einem «Jahrhundertwerk». Die Bevölkerung dürfe stolz sein, der Bau sei «Ausdruck des Zuger Pioniergeists und Gestaltungswillens». Das neue Spital sei konkurrenzfähig, was im Hinblick auf die freie Spitalwahl ab 2012 von Bedeutung sei.

Es sei nicht geklotzt worden, die Patienten kämen lediglich «in den Genuss eines Komforts, wie er den gängigen Erwartungen entspricht». Die besondere Qualität des neuen Hauses sei die übersichtliche betriebliche Struktur, was ökonomische Arbeitsabläufe zulasse.

Alte Betten nach Albanien verschenkt
Während die Handwerker und Spezialisten im fünfgeschossigen Gebäude (zwei davon unterirdisch) die letzten Arbeiten ausführen, befasst sich Spitaldirektor Robert Bisig mit einem «Umzug, wie ihn die Schweiz noch nie gesehen hat». An einem einzigen Tag, dem 30. August, wird das Spital von der Artherstrasse in Zug an die Landhausstrasse in Baar gezügelt.

Weil in der Schweiz seit Jahrzehnten kein Spital mehr «auf der grünen Wiese» gebaut wurde, musste sich Bisig auf Erfahrungen im Ausland stützen. Fündig wurde er in Luxemburg, wo ein vergleichbares Spital ebenfalls an einem Tag gezügelt wurde.

Unterstützt wird die 700-köpfige Belegschaft beim Umzug von mehreren ausserkantonalen Rettungsdiensten, von Zuger Zivilschützern und von einer Spitalkompanie aus der Westschweiz.

Viele technische Einrichtungen - etwa die sechs je eine Viertelmillion Franken teuren Operationssäulen - werden übernommen. Nicht mitgenommen werden die radiologischen Geräte und die 25- jährigen Betten. Diese werden einem Krankenhaus in Albanien geschenkt.

Bus- und Bahnangebot wird ausgebaut 
Mit der Eröffnung des Spitals ergänzen die Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) ihr Angebot. So wird die Buslinie 8 neu auch am Samstag im Halbstundentakt geführt, über die Mittagszeit gar im Viertelstundentakt.

Auch die Stadtbahn fährt künftig im Viertelstundentakt. Vom Bahnhof Baar sind es fünf Gehminuten zum Spital. Zusätzlich wird Baar stündlich von der S-Bahn-Linie 21 und einem Interregio-Zug bedient.

sda