KANTONSSPITAL ZUG: Und weg ist der Bancomat: Das Plastikgeld ist schuld

In einem Leserbrief wird Kritik an der Schliessung des Bancomaten im Kantonsspital geäussert. Dieser sei immer seltener genutzt worden, hält die Kantonalbank entgegen. Eine Umfrage zeigt: Auch in Uri und Schwyz kommt man ohne Automat aus.

Christopher Gilb
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Im Kantonsspital Luzern ist der Bancomat auch weiterhin gut frequentiert. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 20. Januar 2017))

Im Kantonsspital Luzern ist der Bancomat auch weiterhin gut frequentiert. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 20. Januar 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Ein Patient des Kantonsspitals Zug beklagte sich in einem Leserbrief in unserer Zeitung (Ausgabe vom 17. Januar) über den Abbau des dortigen Bancomaten der Zuger Kantonalbank. Er habe wie immer nach seiner Therapiestunde und einer Stärkung in der Cafeteria seine Barschaft ergänzen wollen, dann aber statt dem Bancomaten ein Loch in der Wand vorgefunden.

Der Leserbriefschreiber kritisiert unter anderem, dass sich am ehemaligen Standort des Automaten bei der Spital-Cafeteria keine Information über dessen Verbleib befunden habe. Das Personal der Cafeteria habe ihm gesagt, dass sich schon sechs Spitalbesucher über die kommentarlose Demontage beklagt hätten. Falls die mangelnde Rentabilität der Grund sei, finde er dies, schreibt er weiter, kleinkariert. Schliesslich sollte es bei einem Automaten im öffentlichen Spital um den Service public gehen.

«Der nächste Bancomat ist fünf Minuten entfernt»

Darum ginge es nicht, sagt Kantonalbank-CEO Pascal Niquille. «Die Kantonalbank ist keine öffentliche Institution, wir haben keinen Versorgungsauftrag.» Die Post beispielsweise habe diesen. Doch selbst dort sei die Vorgabe nur, dass der nächste Standort, um Geld zu beziehen, in einer halben Stunde vom Wohnort aus erreicht werden kann. «Der nächste Bancomat vom Kantonsspital lässt sich aber schon in fünf Minuten zu Fuss erreichen», sagt Niquille. Der Bancomat im Kantonsspital sei über die Jahre immer weniger genutzt worden. Ein Grund dafür sei sicherlich, dass die Dienstleistungen im Spital mit Karte bezahlt werden könnten. «Die Automaten müssen in einem gewissen zeitlichen Abstand, dass sie auf dem neusten Stand bleiben, ausgetauscht werden. Ein solcher Austausch stand jetzt an», erklärt Niquille. Ein neuer Automat hätte 150 000 Franken gekostet. Alleine, dass sich ein Automat refinanziere, seien aber 25 000 Transaktionen im Jahr nötig. Die Rechnung sei deshalb für die Kantonalbank nicht mehr aufgegangen. Doch wieso wurde nicht über den Abbau informiert? «Doch, das wurde es», sagt Heidi Röllin, zuständig für Marketing und Kommunikation beim Zuger Kantonsspital. «Die Mitarbeiter haben wir frühzeitig im Intranet informiert, und für die Besucher haben wir einen Zettel angebracht.» Es sei jedoch möglich, dass der Leserbriefschreiber den Automaten genau in den wenigen Stunden nach der Demontage habe nutzen wollen, als der Zettel noch nicht angebracht worden sei. Bezüglich eines Ersatzes für den Automaten hätte das Spital zwar Gespräche mit anderen Banken geführt. «Es kam aber nicht zu einem Vertragsabschluss», sagt Röllin.

Ein Blick in die anderen Zentralschweizer Kantone zeigt, dass ein Bancomat im Spital nicht die Regel ist. Das Kantonsspital Luzern hat zwar einen: «Der Automat verzeichnet gute Frequenzen», sagt Daniel von Arx von der Luzerner Kantonalbank. Das Luzerner Kantonsspital verfügt aber auch über 550 Betten, das Zuger nur über 186. Die wenigsten Betten in der Region hat das Kantonsspital Uri (72 Betten). «Wir finden einen Automaten zwar wünschenswert, laut Kantonalbank sei aber die Anzahl Transaktionen zu gering», sagt Daniela Tresch vom Kantonsspital Uri. Petra Fischer von der Kantonalbank Uri bestätigt die Aussage: «Wir haben eine Analyse gemacht, und diese zeigt auf, dass die Abdeckung mit Bancomaten in der Gemeinde Altdorf gut ist, zudem liegt unser Hauptsitz nur einige 100 Meter vom Spital entfernt.» Im etwas grösseren Spital Schwyz (110 bis 120 Betten) im Hauptort des Kantons hat die In­stal­la­tion eines Automaten keine Priorität mehr. Dadurch, dass die Dienstleistungen mit der Karte bezahlt werden könnten, sei ein solches Angebot nicht mehr so gefragt wie auch schon, sagt Carla Truttmann vom Spital Schwyz. «Deshalb steht das Thema aktuell nicht mehr auf unserer Agenda.»

Kantonsspital Nidwalden tanzt aus der Reihe

Die einzige Ausnahme unter den kleinen Spitälern ist das Kantonsspital von Nidwalden in Stans (90 Betten), doch dies erst seit einigen Jahren. «Anfänglich wollte die Bank keinen Automaten in­stallieren, hat dann aber nach vertiefenden Gesprächen mit uns im Jahr 2011 doch zugestimmt», sagt Spitaldirektor Urs Baumberger. Der Bancomat werde von den Patienten, den Besuchern und insbesondere von den rund 550 Mitarbeitenden des Kantonsspitals sehr geschätzt. Zudem werde er auch von den Bewohnern des umliegenden Wohnquartiers genutzt. Der besagte Bancomat sei gut frequentiert, bei diesem Standort spiele aber auch die Präsenz und die Gewährleistung des Versorgungsangebots eine Rolle, erklärt die Sprecherin der Kantonalbank Nidwalden, Nicole Blättler, auf Nachfrage.