Kapitän Baier feiert Silvester auf dem Zugersee

Der 62-jährige Peter Baier fährt an Silvesterabend als Kapitän ins neue Jahr. Er ist seit über 30 Jahren für die Zugersee Schifffahrt tätig.

Marco Morosoli
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Peter Baier ist ein Seebär. Zwar hat er auf dem Wasser nicht alle sieben Weltmeere befahren, doch dürfte er nach 37-jähriger Dienstzeit bei den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) und nach über 30 Jahren für die Zugersee Schifffahrt (SGZ) tätig mittlerweile jeden Winkel des Zugersees kennen. Den legendären Sonnenuntergang im Zugerbecken des Sees hat er schon in allen Variationen erlebt. «Ich sehe mir auch immer wieder die Stadt Zug vom See her an», sagt Baier. Zug sei schon sehr schön, fügt er hinzu.

Peter Baier ist seit über 30 Jahren auf dem Zugersee im Einsatz.

Peter Baier ist seit über 30 Jahren auf dem Zugersee im Einsatz.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 12. Dezember 2019)

Die Stadt hat es ihm und seiner Familie so angetan, dass sie hier hängen geblieben sind. Die Schifffahrt auf dem Zugersee findet nur zwischen Ostern und Oktober nach einem fixen Fahrplan statt. In der Nebensaison gibt es viele Abendfahrten und Special-Events wie etwa die diesjährige Silvesterrundfahrt von.

Auf der Brücke ins neue Jahr gleiten

Gleich zwei Schiffe schicken die SGZ am letzten Tag des Jahres aufs Wasser, das Motorschiff Zug und das Motorschiff Rigi. Baier schlüpft, wie es sich für einen Kapitän gehört, auch in ein edles Gewand – mit Mütze versteht sich. Einen Kapitäns-Tisch gibt es aber auf der Silvesterrundfahrt keinen. Rund 100 Gäste werden dem Krimi «Mord beim Check-in» lauschen. Das Stück spielt auf einem Flughafen. Der Ort ist bewusst gewählt. Ein Schiffskrimi hätte wohl zu viele Assoziationen geweckt. Daneben wird ein Fünf-Gänge-Menü serviert. Peter Baier ist zusammen mit der Matrosin dafür verantwortlich, dass das Schiff währenddessen ruhig übers Wasser gleitet. Der Dienst in der Silvesternacht ist für die Schiffsequipe insofern speziell, da sie ebenfalls vom Fünf-Gänge-Menü kosten darf.

Als Schiffsführer dürfte Peter Baier an erhöhter Lage hoffen, dass Sterne zu sehen sind. Andere Boote sind an Silvester kaum auf dem Zugersee unterwegs. Die Fahrt zwischen den Jahren dürfte sich also für Baier nicht viel anders anfühlen als eine gewöhnliche Abendrundfahrt. In dieser speziellen Nacht auf das Anprosten mit Prosecco zu verzichten, das macht Baier überhaupt nichts aus. Er kann es ja nachholen, wenn er seinen Dienst abgeschlossen hat.

Es ist geplant, dass das Schiff um 00.30 Uhr wieder an der Pier bei der Schützenmatt andockt. Bis aber Peter Baier den verdienten Heimweg antreten kann, ist das Schiff noch auf Vordermann zu bringen. Silvester hin oder her. Die nächste Crew erwartet ein aufgeräumtes Schiff. Dass dabei auch der Kapitän Hand anlegen muss, versteht sich für Peter Baier von alleine. Kapitänsehre hin oder her. Fast schon entschuldigend sagt er: «Der Kapitän ist ein geschenkter Titel. Die Schiffsführer haben genau die gleiche Ausbildung absolviert wie ich.» Obwohl er schon lange in See sticht, sagt Baier stolz:

«Ich habe einen schönen Beruf.»

Gefragt, ob er sich an eine gefährliche Situation auf dem See erinnern könne, sagt er nur: «Grössere Vorfälle gab es keine. Es hat aber schon die eine oder andere kritische Begegnung gegeben.» Ein Rezept sei dabei: «Wir nehmen Rücksicht auf die anderen Seenutzer.» Auf das Recht des Stärkeren bauen die SGZ-Schiffsführer nicht. Trotzdem müsse er, so Baier, die Leute ab und an aufklären, dass er mit seinem 230 Tonnen schweren Schiff nicht einfach auf die Bremse treten könne. Zu schnell fahren, liege auch nicht drin.

Der Kapitän auf der Kommandobrücke.

Der Kapitän auf der Kommandobrücke.

Matthias Jurt (Zug, 12. Dezember 2019)

Auf der Brücke hat Peter Baier die Instrumente, die er für seine Fahrt braucht. Aber all diese Hilfsmittel ersetzen nicht die Erfahrung, das Wissen, wenn ein Situation sprichwörtlich aus dem Ruder laufen könnte. Dass er nicht in See stechen kann, komme selten vor. Dazu bräuchte es etwa einen Sturm in Orkanstärke. Derweil kam es auch schon vor, dass das Zugerseeschiff bei einem Sturm eine andere Route fahren musste, um anzulegen.

Im Winter fährt der Kapitän Bus

Da bekanntermassen die Zugersee-Schifffahrt nur einen touristischen Charakter hat, also nicht für den Transport von A nach B dient, herrscht mehr oder weniger Sommerbetrieb. In der anderen Zeit dreht Peter Baier aber keine Däumchen. Vielmehr ist er als Busfahrer für seinen Arbeitgeber unterwegs. Das unregelmässige Arbeiten scheint Peter Baier nichts auszumachen. Wer 37 Jahre einem Arbeitgeber treu bleibt, zeigt, dass ihm nichts Besseres passieren konnte. Noch drei Jahre darf Peter Baier auf dem Zugersee unterwegs sein. Was nachher ist, lässt er auf sich zukommen. Die 37 Jahre Schifffahrt in erhöhter Stellung haben ihm nicht nur grosse Erfahrung eingebracht, sondern auch mit einer gehörigen Portion Gelassenheit gesegnet. Dieser Kapitän ist wirklich mit allen Wassern gewaschen.