KARFREITAG: Mit Fasten hat Fisch fast nichts zu tun

Kurz vor Ostern hat Fisch im Detailhandel, aber auch in Restaurants Konjunktur. Für manchen Gläubigen ist dieser Genuss irritierend.

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Geschäftsführer Joe Wicki vom Zuger «Aklin» wird heute viel Fisch verkaufen. (Bild Stefan Kaiser)

Geschäftsführer Joe Wicki vom Zuger «Aklin» wird heute viel Fisch verkaufen. (Bild Stefan Kaiser)

carmen desax

Am Karfreitag soll man kein Fleisch essen. Dieses Gebot verfolgt viele schon seit der Kindheit. Der religiöse Feiertag erlangt dadurch auch in weltlicher Hinsicht durchaus eine Bedeutung. «Ja, der Karfreitag ist schon der klassische Tag, wo vor allem Fisch gegessen wird», sagt Viktor Käppeli von den Aklin Delikatessen. «Wir merken das und tragen diesem Umstand insofern Rechnung, als dass wir in unseren Fachgeschäften in Zug und Baar am Gründonnerstag ein extragrosses Fischbuffet aufbauen.» Ähnlich tönt es bei Nicole Berchtold von der gleichnamigen Metzgerei in Rotkreuz. «Die Nachfrage ist sehr gross», sagt sie. Bei ihr steht heute ein grosser Fischstand vor dem Verkaufsladen. Neben den einheimischen Fischen seien auch exotischere Arten wie Doraden, Bärenkrebse oder Venusmuscheln beliebt und gefragt. «Die Leute kommen vorbei und suchen sich vor Ort aus, was sie am meisten «gluschtet», erzählt Nicole Berchtold. Vorbestellt werde hingegen fast nichts.

Der Fisch und der Mond

Beat Hürlimann vom Hotel Aesch in Walchwil kann die grosse Vorliebe für Fisch bestätigen: «95 Prozent der Gäste essen am Karfreitag bei uns fleischlos.» Sie hätten auch eine kleine Auswahl an Fleischgerichten auf ihrer Karfreitagskarte. Schliesslich wollen sie ja niemanden zwingen, Fisch zu essen, ergänzt Hürlimann. Sein Restaurant ist eines von vier «Goldfischlokalen» in Zug. Die Fischrestaurants werden von der «Tafelgesellschaft zum Goldenen Fisch» getestet und als besondere Fischküche ausgezeichnet. Die Verwendung von einheimischem Fisch und eine traditionelle Zubereitung stehen dabei im Zentrum. Folglich werden im «Aesch» vor allem Egli, Felchen und Hecht, wann immer möglich aus dem Zugersee, serviert.

Das gleiche Prinzip gilt auch im Hotel-Restaurant Eierhals in Morgarten. Hinzu kommt, dass der Wirt Hanspeter Merz gleich selber Fischer auf dem Ägerisee ist. «Der Karfreitag ist einer der Haupttage für Fisch. Wir servieren an diesem Tag nicht mehr als vier oder fünf Fleischgerichte», sagt er. Das ganze Jahr über wird eigener Fisch verarbeitet und verkauft. Momentan herrsche aber leider kein Fischwetter. Deshalb sei es schwierig, den Bedarf selber zu decken. «Zudem ist während der Karwoche immer Vollmond. Darauf reagieren auch die Fische und lassen sich nur schwer fangen. Der Mond betrifft halt nicht nur die Menschen», ergänzt er grinsend.

Religiöser Aspekt im Hintergrund

Fisch ist also Trumpf. Der religiöse Hintergrund gerät dabei schnell ins Abseits. Schliesslich soll es an diesem Tag nicht darum gehen, Fisch zu essen, sondern auf etwas zu verzichten. In diesem Fall eben auf Fleisch. Pfarrer Urs Steiner von der Stadtzuger Pfarrei Guthirt schüttelt den Kopf: «Der Karfreitag ist nicht dazu da, ins Gourmetrestaurant zu gehen und sich mit Fisch verwöhnen zu lassen», meint er konsterniert. Es gehe darum, ganz bewusst zu verzichten.

Steiner verweist auch auf die diesjährige ökumenische Kampagne des Fastenopfers. Da werde der eigene Fleischkonsum und sein Einfluss sowohl auf den Rest der Welt wie auch auf die Umwelt thematisiert.

Die reformierte Pfarrerin Aline Kellenberger aus Hünenberg meint: «Ich sehe es als meine Aufgabe, die Gläubigen in der Karwoche etwas zu stupfen und ihnen die Fastenzeit in Erinnerung zu rufen. Dabei gehe es ja nicht nur um das eigene Wohlbefinden, sondern auch um jenes der weniger Privilegierten. «Man muss über den eigenen Tellerrand hinausgucken.» Sie selber faste auch. «Ich versuche auf Fleisch, Kaffee und Süssigkeiten zu verzichten», verrät sie. Aber: «Ein Vorbild bin ich sicher nicht, immer wieder ertappe ich mich selber beim Kaffee trinken», gibt die Pfarrerin lachend zu.

Ob nun als Verzicht oder Genuss: Am Karfreitag hat der Fisch auf jeden Fall seinen ganz grossen Auftritt auf dem Teller.