Karton-Recycling soll in der Stadt Zug weiterhin gratis sein

Das Sammeln von Stoffen, die vor wenigen Jahren gesucht waren, rechnet sich nicht mehr. Das trifft auch die Zuger Abfallverwertung.

Marco Morosoli
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Im Ökihof in Zug sollen Einwohnerinnen und Einwohner weiterhin kostenlos Karton entsorgen können.

Im Ökihof in Zug sollen Einwohnerinnen und Einwohner weiterhin kostenlos Karton entsorgen können.

Bild: Maria Schmid (5. März 2020)

Eine Online-Buchbestellung bei Amazon, Medimops oder Exlibris ist mit ein paar Klicks am Computer erledigt. Das Gewünschte liegt nach ein paar Tagen im Briefkasten. Eingepackt ist die Sendung meist in Karton. Dadurch ist die in der Schweiz anfallende Kartonmenge innert kurzer Zeit stark gestiegen. Der gelöste Preis für recyclierten Karton ist derweil in den Keller gerutscht. Einige Entsorgungsstellen verlangen schon eine Gebühr für Karton. Eine solche gibt es in der Stadt Zug auf Zusehen nicht. Dies schreibt der Stadtrat in einer Interpellationsantwort mit dem Titel «Drohen in der Stadt Zug auch bald Gebühren fürs Recycling». Eingereicht haben den Vorstoss im vergangenen Oktober die beiden Grünliberalen Stefan W.Huber und Daniel Marti.

Der Stadtrat liefert jetzt die Antworten. Gleich zu Beginn lässt er die Katze aus dem Sack. Eine Gebühr für Karton zieht die Stadt derzeit nicht in Betracht. Dies begründet der Stadtrat damit, dass der Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen (Zeba) dafür besorgt sei, eine «längerfristig ausgerichtete Konstanz bei den Gebühren» anzustreben. So könnten Schwankungen, die es nicht nur beim Karton gebe, besser ausgeglichen werden.

Import-Einbruch in China wirkt sich aus

Der Stadtrat legt der Interpellationsantwort noch ein Karton-Faktenblatt bei. Auf diesem ist ersichtlich, was der Auslöser für diese Preisbaisse beim Karton gegeben hat. China importierte 2017 noch rund 29 Millionen Tonnen Altpapier und Altkarton. Im Folgejahr waren es zwei Drittel weniger. Dieser Einbruch wirkte sich unmittelbar auf den Preis des gesammelten Kartons aus. Dessen Wert sank von 98 Franken pro Tonne auf gerade noch 20 Franken pro Tonne Karton.

Abfall vermindern und gezielt verwerten

Interessant ist dabei, dass Altkarton wie auch Altpapier ein wichtiger Rohstoff der Schweizer Papier- und Karton-Industrie ist. Gemäss der Aufstellung des Stadtrats verarbeitet die Schweizer Industrie pro Jahr rund eine Million Tonnen Altpapier wie auch Altkarton.

Ein Fakt ist allerdings auch, dass die Zahl der Papierfabriken in den vergangenen Jahren in der Schweiz sehr stark zurückgegangen ist. Es sei hier nur an die Papierfabrik Cham erinnert, welche ihre Tore 2015 endgültig – nach 358 Jahren Betriebsdauer – schloss. Der Stadtrat weist in der Interpellationsantwort auch noch darauf hin, dass das Recycling von Karton und Papier gut für den Klimaschutz sind. Die Wiederaufbereitung der beiden Wertstoffe spart dabei Kohlendioxid (70 Prozent) und Wasser (70 Prozent). Der Stadtrat ruft noch einmal in Erinnerung, dass die Maxime der Zeba weiterhin gelte, Abfall zu vermeiden, ihn zu vermindern und gezielt zu verwerten. Der Zeba schätzt, dass im Kanton Zug rund zwei Drittel der Abfälle verwertbar sind. Alles in allem gilt bei der Abfallbewirtschaftung das Verursacherprinzip.

Viele Leute finden Wiederverwertung gut

Der Stadtrat räumt aber auch ein, dass Umfragen gezeigt hätten, dass viele Leute die Wiederverwertung toll finden, jedoch dann doch der Güselsack bevorzugt werde, weil er «komfortabler ist und schneller geht». Private Anbieter sehen darin ihre Chance und stellen ihre Dienste für die Entsorgung von ausgewählten Wertstoffen zur Verfügung. Laut Stadtrat bewegen sich solche Anbieter in einem «rechtlichen Graubereich». Der Zeba sei deshalb derzeit daran, «sein Kommunikationskonzept» zu überarbeiten, «um diese Aufgabe in Zukunft noch umfassender und gezielter wahrnehmen zu können».

Im Hinblick auf den geplanten Umzug des Ökihofs vom Zuger Güterbahnhof in das Gebiet Göbli soll sich auch das Angebot vergrössern. So schwebt dem Zuger Stadtrat im Zuger Norden ein Recycling-Center vor, «in dem entsorgt, repariert, getauscht und eingekauft» werden kann. All dies soll, so der Stadtrat, dazu führen, die Zahl der Kundinnen und Kunden weiter zu vergrössern.