Kein Leben im «La Vida»

Die moderne Lounge in Unterägeri ist seit Anfang Monat geschlossen. Vom Pächter fehlt jede Spur.

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Im «La Vida» sind die Lichter aus. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Im «La Vida» sind die Lichter aus. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Mediterrane Lebenskultur kombiniert mit coolem City-Feeling der Metropolen: Das verspricht die Homepage der La Vida Bar Lounge im Chilematt-Zentrum. Davon ist nur noch bedingt etwas zu spüren. Von der mediterranen Lebenskultur ist lediglich eine dauerhafte Siesta geblieben. Denn seit Anfang Monat sind im «La Vida» die Lichter aus. Und das, obwohl erst im vergangenen September mit Bernhard Ring ein neuer Pächter die modern gestaltete Bar und Lounge übernommen hat – und damals grosse Pläne schmiedete. Die Terrasse wollte er umgestalten und mehr Events ins trendige Lokal an der Waldheimstrasse bringen (wir berichteten).

Mieten nicht bezahlt

Doch jetzt fehlt von Bernhard Ring jede Spur. Der 48-Jährige aus dem luzernischen Schenkon scheint untergetaucht zu sein. «Wir konnten ihn bis jetzt nicht erreichen», sagt Michael Müller, Geschäftsleitungsmitglied der Baarer Generalunternehmung Alfred Müller AG, der das Chilematt-Zentrum gehört. So ergeht es auch der Bäckerei/Konditorei Nussbaumer, welche die Inneneinrichtung des Lokals finanziert und vor Ring das Restaurant betrieben hat. «Niemand weiss, wo er ist», heisst es von Seiten der Geschäftsleitung. Dabei hat Bernhard Ring noch laufende Verträge, wie Michael Müller bestätigt. «Bei uns ist keine Kündigung eingetroffen», sagt er. «Und unseres Wissens ist auch kein Konkurs angemeldet worden.» Dann zahlt Ring die Mieten also noch? Michael Müller schweigt lange und sagt dann lediglich: «Kein Kommentar.»

Mehr dazu sagen kann Hanspeter Blättler. Er ist Partner in der Katag Treuhand AG mit Sitz in Kriens, die sich auf Treuhand für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus spezialisiert hat und auch Bernhard Ring berät. Er bestätigt, dass der Mietzins nicht immer bezahlt wurde – als Druckmittel. Denn es habe sich abgezeichnet, dass das «La Vida» nicht rentiere. Deshalb habe man mit den beiden Vermietern, der Alfred Müller AG und der Bäckerei Nussbaumer, Gespräche über eine Mietzinsreduktion geführt. «Leider ohne Resultat», wie Blättler bedauert. Schliesslich habe man zum letzten Mittel gegriffen und nicht mehr bezahlt, um die Vermieter aus der Reserve zu locken. Auch das ohne Erfolg.

Konkurs ist wahrscheinlich

Um Rings Firma Berrigastro GmbH stehe es finanziell schlecht. «Den Sommer hätte das Restaurant nicht mehr überlebt», so Blättler. Bis jetzt wurde aber kein Konkurs angemeldet. Noch nicht: «Es wird darauf hinauslaufen», sagt der Treuhänder. Die Schliessung sei aus Gründen des Gläubigerschutzes und einer schweren Erkrankung von Bernhard Ring erfolgt. «Wir konnten kaum mehr alle Verpflichtungen und die Lieferanten bezahlen», sagt Blättler. Den Angestellten sei auf Ende Juni gekündigt worden. Man habe zusammen mit Bernhard Ring intensiv nach Lösungen gesucht, um das «La Vida» zu retten. So wurden mögliche Partner angefragt, um Ring im gastronomischen Bereich zu entlasten und zu unterstützen.

 

Länger geschlossen

Die Schliessung des «La Vida» ist für die Vermieter überraschend gekommen. «Wir haben nichts davon gewusst», sagt Michael Müller. Nicht besser erging es den Unterägerern, wie Gemeindepräsident Josef Ribary bestätigt. «Ich wollte einen Kaffee trinken gehen und stand vor verschlossenen Türen.» Er hoffe, dass das Restaurant bald wieder offen ist. «Es wäre schade für Unterägeri, wenn es länger geschlossen bleibt.» Doch derzeit sieht es nicht danach aus, dass die Bar bald wieder Gäste empfängt. Laut Michael Müller bestehen jedenfalls derzeit keine Pläne für eine Wiedereröffnung. «Zuerst müssen wir wissen, woran wir sind, dann können wir schauen, wie es weitergeht.»

Hanspeter Blättler ist skeptisch, was die Zukunft des «La Vida» anbelangt. «Für einen Ort wie Unterägeri ist das Lokal überdimensioniert», sagt er. «Das Konzept würde in Zürich, Zug oder Luzern funktionieren und Erfolg haben, aber nicht hier. Das Einzugsgebiet ist zu klein, das Potenzial wurde überschätzt.»

Silvan Meier