Leserbrief

Keine 5G-Angst im Ägerital, sondern Chancen sehen

«Das Ägerital soll 5G-frei bleiben», Ausgabe vom 10. Juni

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Neuerungen bringen immer auch warnende Stimmen bis hin zu Angstmacherei. Im 19. Jahrhundert war dies bei der Lokomotive oder beim Telefon. Verschiedene Meinungen und eine öffentliche Diskussion sind positiv. 5G, also die fünfte Generation des Mobilfunkstandards, ist eine Neuerung, welche aktuell hohe Wellen wirft. Eine IG fordert sogar ein «5G-freies Ägerital». Argumentiert wird mit Gesundheitsgefährdung und negativen Effekten des «Internet der Dinge». Ich bin nicht dieser Meinung und möchte meine Überlegungen dazu darlegen.

Betreffend Gesundheitsgefährdung hat die Wissenschaftsabteilung der NZZ die verfügbaren Studien analysiert. Unter dem Strich gibt die einschlägige Forschung und Literatur Entwarnung. Fachleute betonen, dass von 5G (bzw. den elektromagnetischen Feldern in den 5G-Frequenzbereichen) keine neuartige Gefährdung für den menschlichen Organismus ausgeht. Der Umwelt-Epidemiologe Martin Röösli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut betont, dass bei der Diskussion um gesundheitliche Auswirkungen von 5G-Sendeanlagen die Relationen nicht aus den Augen verloren gehen sollten. Denn über 90 Prozent der aufgenommenen Mobilfunkstrahlung stammten nicht von den Sendeanlagen, sondern vom eigenen Handy. Wer also eine maximale Exposition verhindern will, nützt das Mobiltelefon nur bei guter Verbindungsqualität und telefoniert über eine Freisprechanlage.

Der vielleicht grösste Vorteil von 5G liegt nicht in der höheren Geschwindigkeit, sondern in der kurzen Latenzzeit (Zeit zwischen Ereignis und Reaktion). Genau dies macht 5G für industrielle Anwendungen und das «Internet der Dinge» (Internet of Things; IoT) spannend. Ein Netz, das fast in Echtzeit reagiert, kann etwa für die Vernetzung von Sensoren oder Industrierobotern verwendet werden. IoT wird von 5G-Gegnern fälschlicherweise verteufelt.

Sie verknüpfen IoT einseitig nur mit mehr Stromverbrauch, Ressourcenverschwendung und Staatsüberwachung.

Die Realität ist anders. Es gibt viele sinnvolle IoT-Anwendungen, zum Beispiel sichere Logistik von Medikamenten oder effiziente Steuerung von Energiesystemen mit erneuerbaren Ressourcen. Ich möchte, dass Schweizer Forscher und Unternehmen in diesen Technologien führend sind. Dies wird schwer, wenn die Schweiz keine top Kommunikationsinfrastruktur bietet. Dazu gehört auch 5G.

Peter Letter, Kantonsrat FDP, Oberägeri