Leserbrief
Keine Tricks bezüglich Meinung

Über versteckte Haltungen im Journalismus

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Der kürzlich in einer anderen Zeitung gelesene Titel «Pharmakonzern kauft Globuli-Firma» ist unwürdig, den er verrät, was der Journalist denkt. Es gibt für alles einen positiven und einen negativen Begriff und mit der Wortwahl verrät sich ein Berichterstatter. So kann ein starrsinniger Politiker positiv als ein Charakterkopf oder eine arrogante Führungskraft als selbstbewusst bezeichnet werden. Ähnlich ist das Spiel mit dem Wort Intrige. Die Bedeutung ist ganz einfach eine absichtlich herbeigeführte Verwicklung. Eine versteckte Strategie, wie es Peter von Matt bezeichnet, also völlig wertneutral. Aber das Wort Intrige wird in den Medien und der Politik immer negativ besetzt. Dabei sind viele der schönsten Lustspiele und ein grosser Teil der Weltliteratur ohne Intrige nicht denkbar.

«Globuli» ist oft negativ besetzt. Eine objektive und journalistisch korrekte Schlagzeile würde lauten «Pharmakonzern kauft Homöopathie-Unternehmen». Journalisten der alten Schule versteckten ihre Meinung nicht mit sprachlichen Tricks, sondern schrieben einen Kommentar.

Michel Ebinger, Rotkreuz