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Kiesabbau: Chamer Widerstand hält an

Derzeit liegt im Kanton Zug die Richtplananpassung auf. Die Gemeinde Cham wehrt sich weiter gegen die Kiesgrube Hatwil/Hubletzen. Zahlt sich das aus?
Laura Sibold
Um dieses Gebiet Hatwil/Hubletzen nordöstlich des Klosters Frauenthal dreht sich die Debatte. (Bild: Werner Schelbert, Cham, 14. März 2018)

Um dieses Gebiet Hatwil/Hubletzen nordöstlich des Klosters Frauenthal dreht sich die Debatte. (Bild: Werner Schelbert, Cham, 14. März 2018)

Die Diskussionen um den geplanten Kiesabbau im Gebiet Hatwil/Hubletzen reissen seit Monaten, in gewissen Kreisen seit Jahren, nicht ab. Dabei ist die Ausgangslage seit über einem Jahrzehnt klar, denn der Stein für eine neue Chamer Kiesgrube kam bereits 2009 ins Rollen: Damals wurde das Gebiet Hatwil/Hubletzen als potenzieller Kiesabbaustandort im kantonalen Richtplan verankert. Nun soll das Gebiet nordöstlich des Klosters Frauenthal definitiv für den Kiesabbau freigegeben werden; der Richtplan benötigt eine entsprechende Anpassung. Das kantonale Amt für Raumplanung hat einen Bericht für die Anpassung erstellt, der bis am 8. Oktober aufliegt.

Die Bevölkerung kann sich äussern

Der kantonale Richtplan legt in den Grundzügen fest, wie sich Kanton und Gemeinden langfristig räumlich entwickeln sollen. Zug passt den Richtplan in verschiedenen Kapiteln an (Ausgabe vom 9. August). Konkret geht es um die Einführung statischer Waldgrenzen, um die Umsetzung des Gewässerraums sowie um die Festsetzung des Abbaugebiets Hatwil/Hubletzen. Die Bevölkerung kann nun ihre Vorschläge und Anregungen einbringen. Das kann via Formular unter www.zg.ch/richtplan (Rubrik Richtplananpassungen), per E-Mail an info.arv@zg.ch sowie auf dem Postweg ans Amt für Raum und Verkehr, Richtplananpassung 19/1, Aabachstrasse 5, 6300 Zug geschehen. Die Anpassungen liegen bis 8. Oktober beim Amt für Raum und Verkehr und bei den Gemeinden öffentlich auf und sind unter www.zg.ch/richtplan zu finden. (ls)

Demnach ist klar: Der Kanton Zug braucht ein neues Abbaugebiet, um die Kiesversorgung langfristig zu sichern. Denn die Reserven der aktiven Kiesgruben – Menzingen Bethlehem und Äbnetwald in Cham – reichen nur noch für knapp zehn Jahre. Von fünf evaluierten Gebieten eigne sich jenes in Hatwil/Hubletzen am besten, heisst es im Bericht. Zudem soll der Kies weiter regional gewonnen werden – aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen.

Chamer Kantonsräte stellen kritische Fragen

Im neuen Richtplantext will die Regierung das jährliche Kiesabbauvolumen auf maximal 400 000 Kubikmeter einfrieren und die Einhaltung jährlich kontrollieren. Zudem soll die Verwendung von Recyclingbaustoffen stärker gefördert werden. Dazu verpflichtet man Kanton und Bauwirtschaft, griffige Massnahmen zu erarbeiten. Mit der Festsetzung des Gebiets Hatwil/Hubletzen werden auch Auflagen im Richtplan verankert. So muss etwa die gerodete Waldfläche wieder aufgeforstet werden und an Fliessgewässern sind Kompensationsmassnahmen vorgesehen. Der Perimeter für die Kiesgrube beträgt 55 Hektaren.

Dennoch ist für viele Chamer klar: Kies soll im Gebiet Hatwil/Hubletzen keiner abgebaut werden. Im Frühjahr 2018 erklärte der Souverän eine Motion erheblich und beauftragte den Gemeinderat, «sich mit allen vertretbaren Massnahmen» gegen das Vorhaben zu wehren. In der Folge äusserte sich die Gemeinde immer wieder und informierte vor drei Monaten über die Ergebnisse eines unabhängigen Gutachtens. Dieses hob Risiken durch den Kiesabbau hervor, wie etwa eine Gefährdung des Grundwassers. Zudem machte es fehlerhafte Berechnungen publik, woraufhin die Baudirektion das Abbauvolumen von knapp 10 Millionen Kubikmeter auf 7 Millionen anpassen musste. Der Hatwiler Kies würde den kantonalen Bedarf somit nur für rund 15 Jahre decken, statt wie angenommen für 20 Jahre.

«Wir sind nach wie vor der Meinung, dass es nicht möglich ist, im Gebiet umweltschonend Kies abzubauen und dass die Interessensabwägung nicht gebührend stattgefunden hat.»

Das sagt Gemeinderat Drin Alaj, der sich auch als Kantonsrat gegen die Kiesgrube wehrt. Mit den anderen Chamer Kantonsräten hat Alaj Mitte August eine Interpellation eingereicht, die kürzlich zur Beantwortung an den Regierungsrat überwiesen wurde. Die Interpellanten wollen wissen, wer die unzutreffenden Berechnungen erarbeitet hat, die als Entscheidungsgrundlage dienten. Zudem fragen sie, ob es der Regierungsrat als sinnvoll erachtet, gegen den Willen der Chamer Bevölkerung ein umstrittenes Gebiet festzusetzen. «Die Gemeinde Cham unterstützt den grossflächigen Kiesabbau auf dem Gemeindegebiet seit Jahrzehnten. Nun jedoch überschreitet der Kanton eine rote Linie», schreiben die Chamer Kantonsräte.

Geschäft wohl im Frühjahr 2020 im Kantonsrat

Drin Alaj konkretisiert: «Dass der Kanton im raumplanerischen Bericht die ausgewiesenen Auswirkungen auf das Grundwasser als vertretbar einstuft, ist für uns nicht nachvollziehbar.» Daher fragen die Interpellanten auch, ob die Regierung bereit sei, die Kiesbeschaffung für den Kanton Zug neu zu beurteilen. Im Rahmen der öffentlichen Mitwirkung wird auch die Gemeinde Cham ihre Meinung nochmals kundtun. Laut Drin Alaj werde der Gemeinderat am 1. Oktober über eine Stellungnahme zur Richtplananpassung befinden. Zudem ist davon auszugehen, dass sich auch viele Chamer äussern werden. Doch was passiert nach der öffentlichen Mitwirkung?

Als das Gebiet Hatwil/Hubletzen 2009 als Zwischenergebnis im Richtplan festgesetzt wurde, erliess der Kantonsrat die Bestimmung, dass ihm bis 2020 der definitive Perimeter zur Festsetzung vorgelegt werden muss. Da liegt man im Zeitplan: Nach der öffentlichen Mitwirkung wird die Baudirektion die Vorlage überarbeiten. «Vorgesehen ist, dass der Regierungsrat die Vorlage im Dezember verabschiedet, sodass sie am 30. Januar 2020 in den Kantonsrat kommt», erklärt Baudirektor Florian Weber. Beschlossen wird die Richtplananpassung nicht vor April 2020.

«Der Abbaustandort Hatwil/Hubletzen darf allerdings erst eröffnet werden, wenn der Kies im benachbarten Äbnetwald zur Neige geht», so der Baudirektor, also frühestens in zehn Jahren.

Ob im Gebiet Hatwil/Hubletzen dereinst Kies abgebaut wird, ist vor der geglückten Festsetzung im Richtplan also noch nicht in Stein gemeisselt. Und sollte die Festsetzung der Chamer Kiesgrube nicht gelingen, müsste der Kanton Zug sein Kieskonzept frühzeitig überarbeiten und rasch Alternativen finden – ansonsten kommt die Zuger Bauwirtschaft unter Druck.

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