KIESABBAU: Kanton will Selbstversorgung mit Kies sichern

Dem Kanton Zug fehlen rund fünf Millionen Kubikmeter an Kiesreserven um die Selbstversorgung mit dem wichtigen Baustoff bis ins Jahr 2040 zu sichern.

Merken
Drucken
Teilen
Eines der geplanten Kiesabbau-Gebiete: Hatwil in Cham. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Eines der geplanten Kiesabbau-Gebiete: Hatwil in Cham. (Archivbild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Der Kanton Zug ist daran interessiert, die Selbstversorgung mit mineralischen Rohstoffen, namentlich mit Kies, langfristig sicherzustellen, heisst es in einer Medienmitteilung der Baudirektion des Kantons Zug. Das verlange der Richtplan des Kantonsrates von 2004.

Er verpflichtet den Regierungsrat, den Kiesabbau systematisch zu beobachten und auf lange Sicht zu planen. Bei Bedarf sind dem Kantonsrat neue Abbaugebiete vorzuschlagen, damit der Richtplan rechtzeitig angepasst werden könne.

Die Kiesreserven reichen bis 2025
Unter Federführung des Amtes für Raumplanung überarbeitete laut Mitteilung eine Arbeitsgruppe die Kiesabbauplanung. In dieser Arbeitsgruppe waren die Kiesabbau-Unternehmungen, die Bauwirtschaft, die Umweltorganisationen, die Gemeinden, die politischen Parteien, die Bundesstellen und die kantonalen Fachstellen vertreten.

Die Arbeitsgruppe analysierte die heute rechtsgültig gesicherten Reserven (rund 8,6 Millionen Kubikmeter) und verglich diese mit dem Kiesbedarf bis zum Jahr 2025. Es zeigte sich, dass für diesen Horizont genügend Reserven vorhanden sind.

Defizite nach 2025
Auf lange Sicht jedoch, das heisst bis zum Jahr 2040, fehlen Abbaukubaturen im Umfang von rund vier bis fünf Millionen Kubikmeter, heisst es weiter.

Zur Deckung dieses Defizites untersuchte die Arbeitsgruppe potentielle Abbaugebiete auf ihre Vor- und Nachteile. Dazu wurden die Gebiete an verschiedenen Kriterien (Landschaft, Grundwasser, Geologie, Wald, Landwirtschaft, Erholung, Wirtschaftlichkeit) gemessen.

Die Diskussionen in der Arbeitsgruppe führten zu einem Schlussbericht mit konkreten Vorschlägen für die Anpassung des kantonalen Richtplanes.

Das erarbeitete Kieskonzept 2008 sieht vor, fünf kleine Arrondierungen bei bestehenden Abbaugebieten im Richtplan festzusetzen. Diese Arrondierungen hätten die kleinsten negativen Auswirkungen auf Natur und Landschaft, so die Baudirektion in ihrer Mitteilung. Zudem könnten die bestehenden Infrastrukturen der Kieswerke weiterbenutzt werden.

Die Arrondierungen umfassen ein Volumen von rund 2,2 Millionen Kubikmetern Abbaumaterial. Dies entspriche dem Bedarf von rund vier Jahren.

Zwei neue Gebiete für die langfristige Versorgung
Für die langfristige Versorgung bis 2040 fehlen somit noch rund zwei bis drei Millionen Kubikmeter Abbaumaterial. Die Baudirektion schlägt vor, zwei Gebiete in den Richtplan aufzunehmen.

Es handelt sich dabei um die Gebiete Hatwil/Hubletzen in Cham und Allmend/Schönbühlwald in Baar. In zehn bis 15 Jahren soll der Kantonsrat definitiv entscheiden, welches dieser Gebiete tatsächlich abzubauen ist.

Vorläufig werden diese Gebiete nur als sogenanntes Zwischenergebnis in den Richtplan aufgenommen. Dies bedeute, dass es nochmals einen Entscheid des Kantonsrats braucht, bevor abgebaut werden kann, heisst es weiter.

Das Gebiet sei aber für den Kiesabbau reserviert. Damit können andere Nutzungen, die einen späteren Kiesabbau ausschliessen, nicht mehr bewilligt werden.

Kein Kiesabbau in geschützten Landschaften
Gemäss der Beurteilung schnitt das Gebiet Bethlehem Süd besser ab als die nun vorgeschlagenen Gebiete. Bethlehem Süd liegt aber in einer Landschaft von nationaler Bedeutung (BLN Gebiet) und unterliegt dem Moränenschutzgesetz, heisst es in der Medienmitteilung.

Zudem gibt es eine Vereinbarung zwischen der KIBAG AG – der Betreiberin des Kiesabbaugebietes – und den Umweltorganisationen, welche einen Abbau in diesem Gebiet untersagt. Auch die Bundesstellen und die eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission lehnten dieses Abbaugebiet ab.

Weiter verbietet ein Entscheid des Bundesgerichtes, nur Abbaustellen in BLN-Gebiete im kantonalen Richtplan vorzuschlagen, wenn es auch solche ausserhalb der Schutzgebiete gibt. All diese Gründe bewogen die Baudirektion laut Mitteilung dazu, von einem grossflächigen Abbau im Gebiet Bethlehem Süd abzusehen.

Dank dem Entgegenkommen der Umweltorganisationen könne das heutige Abbaugebiet Bethlehm arrondiert werden.

Öffentliche Mitwirkung ist erwünscht
Die Anpassung des kantonalen Richtplanes liegt vom 17. Mai bis 15. Juli beim Amt für Raumplanung in Zug öffentlich auf.

Die Bevölkerung ist laut Baudirektion eingeladen, sich aktiv mit dem zukünftigen Kiesabbau im Kanton Zug zu beschäftigen und dem Amt für Raumplanung Vorschläge und Anregungen einzubringen.

Nach der Mitwirkung wird die Anpassung dem Kantonsrat zur Beschlussfassung unterbreitet.

ana