Leserbrief

Kiesabbau um jeden Preis?

«Resultate des Gutachtens sind umstritten» sowie diverse Leserbriefe zum Thema Kiesabbau im Gebiet Hatwil Ausgabe vom 18. Juni

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Seit Jahrzehnten unterstützt und begleitet die Gemeinde Cham den grossflächigen Kiesabbau auf dem nördlichen Gemeindegebiet. Nun schlägt die Baudirektion vor, mit dem Kiesabbau in den mehrfach geschützten, einmaligen Landschaftsraum Hatwil-Hubletzen vorzudringen und überschreitet damit für Cham eine rote Linie.

Dass in diesem Naherholungsgebiet und in dieser einzigartigen, strukturreichen Kulturlandschaft ein Kiesabbau nicht in Frage kommt, und ein solcher überdies unverantwortlich ist, hat das Volk an der Gemeindeversammlung unmissverständlich klar gemacht.

In einem unabhängigen Fachgutachten wird diese Haltung des Volkes nun eindrücklich bestätigt.

Schade, dass der Baudirektor diese Gelegenheit nicht nutzt, um sich mit alternativen Möglichkeiten auseinanderzusetzen. Es macht doch keinen Sinn, dem Fachgutachten mit Ignoranz und eigenen, unzulässigen Interpretationen zu begegnen.

Weder die im Gutachten ausgewiesene erhebliche Gefährdung der Grundwasservorräte, noch die Zerstörung des Naturschutzgebietes und bester tiefgründiger Fruchtfolgeflächen scheinen eine Bedeutung zu haben. Anscheinend interessiert es den Baudirektor überhaupt nicht, dass seine eigene Regierungsratsvorlage falsche und viel zu optimistische Zahlen zu Kies- und Deponievolumen ausweist.

Es scheint hier nur um den Grundsatz zu gehen, ohne jegliche Rücksicht auf Verluste die Selbstversorgung des Kantons mit Kies um ein paar wenige Jahre zu verlängern.

Hans Baumgartner, Kantonsrat CVP, Cham


Kurz vor Weihnachten war’s, der Christbaum fehlte, so machte ich mich auf den Weg Richtung Rüti, um einen schönen Baum auszusuchen. Unmittelbar nach der Autobahnunterführung sah ich es dann ... Rot-weisse Bändel, die andeuteten, wo der mögliche Autobahnanschluss Süd in Zukunft gebaut werden sollte. Eigentlich habe ich mir ganz bewusst vorgenommen, mich nach meiner aktiven Zeit in der Gemeinde nicht mehr politisch zu engagieren. Dieses Bild, kurz nach dem Sijentalwald, auf dem Weg nach Buonas brachte mich aber dazu, dieses Prinzip für einmal zu vergessen. Ich habe mich informiert und auseinandergesetzt, ich kenne die Verkehrsfragen rund um unsere Gemeinde seit vielen Jahren. Und ja, wir haben ein Verkehrsproblem, mit diesem Autobahnanschluss bewirken wir aber nicht die grosse gewünschte Wirkung. Kosten-Nutzen sind nicht gegeben und mit Kosten meine ich nicht die finanziellen Kosten, sondern die negativen Auswirkungen auf Kosten unserer Lebensqualität. Und hier meine ich ganz bewusst nicht nur die Lebensqualität der Bewohner der Buonaserstrasse, sondern des ganzen südlichen Teils unserer Gemeinde. Wir können den Verkehr nicht einfach wegzaubern, er muss ja irgendwie vom Halbanschluss weggeführt werden. Ich frage mich nur wie und welche flankierenden Massnahmen da wirklich nachhaltig helfen!

Müssen wir die Katze im Sack einfach so hinnehmen? Mir fehlen hier klar verbindliche Konzepte und leider auch das Vertrauen, dass diese zu Gunsten der Bevölkerung umgesetzt werden. Ich erinnere mich an die Autobahnraststätte, die zu meiner Zeit als Gemeindepräsidentin gebaut werden sollte. Ich habe das Projekt zuerst unterstützt und bin froh, dass wir damals die Bevölkerung befragt haben. Die Abstimmung hat klar gezeigt, dass der Gemeinderat falsch lag. Auch die Politik macht ab und zu Fehler, wichtig für mich ist einfach, dass man aus Fehlern lernt und dementsprechend handelt. Der Kantonsrat hat damals richtig entschieden, ich hoffe, er wird auch heute die Anliegen der Gegner (das sind nicht nur Linke und Grüne) ernst nehmen und dementsprechend entscheiden.

Maria Wyss-Stuber, ehemalige Gemeindepräsidentin Risch


Vor 7 Jahren durfte ich den Landwirtschaftsbetrieb in der Rüti, Rotkreuz von meinen Eltern übernehmen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass ich den Betrieb bereits in der 7. Generation weiterführen kann. Für mich ist dies ein Privileg und hat mit grosser Tradition zu tun.

Falls der Autobahnhalbanschluss Rotkreuz Süd kommt, was im Moment stark danach aussieht, ist unsere Existenz mit dem Landwirtschaftsbetrieb bedroht. Denn dann wird schon bald das umliegende Land eingezont und überbaut mit Firmen wie Lidl, Aldi, Landi etc. Das Beispiel Rothenburg Nord zeigt diese mögliche Entwicklung mit allen negativen Begleiterscheinungen deutlich auf.

In den besten Jahren der Milchverwertungsgenossenschaft Risch zählte man über 100 Mitglieder. Heute sind es noch 12 Milchproduzenten in unserer Gemeinde. Wollen Sie dieses Bauernsterben weiterhin zulassen und unterstützten?

Pro Jahr werden etwa 2000 Hektaren Land in der Schweiz überbaut. Dies sind rund 2700 Fussballfelder. Somit werden pro Tag gegen 7,4 Fussballfelder überbaut. Es darf so nicht weitergehen.

Durch die Zersiedelung gehen Landwirtschafts- und Kulturland, Biodiversität und mit ihnen wichtiger Lebensraum von Tieren und Pflanzen verloren. Um dem entgegenzuwirken, werden die Bauern mit finanziellen Mitteln dazu gebracht, bei Vernetzungsprojekten und diversen Ökomassnahmen mitzumachen, damit können einige Politiker ihr schlechtes Gewissen beruhigen.

Die Naherholungsgebiete Sijentalwald und Buonas am Zugersee, welche nicht nur im heissen Sommer von der Bevölkerung rege genutzt werden, gehen verloren!

Wir sind nicht bereit, unseren Landwirtschaftsbetrieb und die Naherholungsgebiete aufzugeben für diesen Autobahnhalbanschluss Rotkreuz Süd. Er bringt zu viele Nachteile und nicht die gewünschte Verbesserung des Verkehrsproblems im Industriegebiet Forren und Bösch Hünenberg.

Roger Hausheer, Rüti, Rotkreuz