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Zug: Kinderärztemangel beunruhigt Politiker

Auf Stadtboden praktiziert nur noch eine Kinderärztin. Die Fraktion Alternative-CSP hat deshalb eine Interpellation eingereicht. Der Kantonsarzt versichert indes, dass es keine Unterversorgung gebe.
Andrea Muff
Die Alternative-CSP findet, dass es in Zug zuwenig Kinderärzte gibt. (Symbolbild: Boris Bürgisser)

Die Alternative-CSP findet, dass es in Zug zuwenig Kinderärzte gibt. (Symbolbild: Boris Bürgisser)

Der Hausärztemangel ist bekannt. Nun macht die Interpellation «Steht Zug bald ohne Kinderärzte da?» der Fraktion Alternative-CSP im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug (GGR) darauf aufmerksam, dass es auf Stadtzuger Boden momentan nur noch eine Kinderarztpraxis gibt. Zudem stehe die Inhaberin kurz vor dem Pensionsalter, schreiben die Interpellanten. Eine Nachfolgerin sei nicht in Sicht.

«Es könnte zum Problem des Service Public werden», findet CSP-Gemeinderätin Monika Mathers. Deshalb wollen die Interpellanten neben den Bevölkerungszahlen wissen, ob der Stadtrat es als wichtig betrachte, wenn Zug auch in Zukunft eine moderne Kinderarztpraxis beherbergen würde, welche auch den Schularztdienst weiterhin übernehmen könnte. Des Weiteren stellt die Fraktion die Frage nach einer finanziellen Beteiligung der Stadt Zug und bringt gleich eine Idee aufs Tapet: Im Haus Aegeristrasse 7, wo heute noch das Bildungsdepartement ist, könnte man nach dem Umzug der städtischen Verwaltung ein «Gesundheitshaus für Kinder» einrichten.

Schlechte Entlöhnung

In der Begründung für den Vorstoss schreiben die Interpellanten, dass neue Kinderarztpraxen heute meistens als Gruppenpraxen organisiert seien. «Da aber Kinderärzte laut Studie des Bundesamtes für Gesundheit vom Oktober 2018 schlecht entlöhnt sind (nur Kinderpsychiater verdienen weniger), wird es sehr schwierig sein, in der teuren Stadt Zug eine neue, gut eingerichtete Gruppenpraxis aufzubauen», heisst es weiter.

Eine Nachfrage bei Kantonsarzt Rudolf Hauri zeigt, dass das Problem nicht akut ist. Er versichert: «Die Kinderarzt-Abdeckung im Kanton Zug und in der Stadt Zug ist gut, eine Unterversorgung ist nicht vorhanden und auch nicht absehbar.» Er fügt hinzu, dass es in gewissen Gemeinden weniger Kinderärzte gebe als in anderen. Aber: «Gerade in dicht besiedelten Gebieten sind jedoch Gemeindegrenzen nicht unbedingt massgebend für die Versorgung.»

Peter Gerritsen, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons Zug, relativiert die «vergleichsweise hohe Zahl der Kinderärzte dadurch, dass praktisch niemand von ihnen in einem 100-Prozent-Pensum arbeitet.» Dies ist einer schriftlichen Stellungnahme, die der Präsident mit seinen pädiatrischen Kollegen aufgesetzt hat, zu entnehmen. Weiter blickt er über den Kanton hinaus und setzt die Zahl der Kinderärzte mit der Wachstumsregion Freiamt in Verbindung, denn von der Zugergrenze bis Muri gebe es keinen Kinderarzt. «Wegen der vergleichsweise günstigen Wohnungs- und Hauspreise gibt es dort viele Familien mit kleinen Kindern, die überwiegend von Kinderärzten im Kanton Zug betreut werden.» Ähnliches gelte für Knonau und Umgebung.

Gerritsen schreibt, dass die Gefahr, dass Zug aufgrund der hohen Mieten bald keinen Kinderarzt mehr habe, real sei. Zudem dürfte der «Kanton Zug für den Nachwuchs nicht gerade ein Traumziel» sein. Der Präsident der Ärztegesellschaft sieht dafür auch der aktuelle Taxpunktwert verantwortlich. Er rechnet: Im Kanton Zug erhält ein Kinderarzt für eine Konsultation von 20 Minuten ohne zusätzliche Untersuchungen bei Kindern unter sechs Jahren 64,15 Franken. Im Kanton Zürich erhält er aufgrund des höheren Taxpunktwertes 67,30 Franken. «Bei 25 Patienten im Tag und 22 Arbeitstage pro Monat ist das eine Differenz von 1732,50 Franken zu Ungunsten des Zuger Kinderarztes für die genau gleiche Arbeit», resümiert Gerritsen. Die Ärztegesellschaft fordert nun einen höheren Taxpunktwert. «Unter anderem um solche nicht nachvollziehbaren kantonalen Unterschiede möglichst auszugleichen», stellt Gerritsen klar. Die Problematik betreffe Hausärzte ebenso wie gewisse Spezialarztgruppen.

In einem Verein organisiert

Vor rund eineinhalb Jahren haben sich Zuger Kinderärzte in einem Verein zusammengeschlossen. Romedius Alber betreibt eine der Gruppenpraxen in Baar und ist Vizepräsident des Netzwerks. «Wenn es soweit ist, dass die Kinderärztin in der Stadt Zug in Pension gehen möchte, werden wir helfen, eine gute Nachfolgelösung zu finden», versichert der Pädiater. Denn dafür sei der Verein Kinderärzte Zug auch da. Er unterstreicht: «Die Versorgung ist eindeutig gewährleistet.» Dies liege auch an den kurzen Reisewegen im Kanton. Alber erhofft sich von der lokalen Politik in erster Linie «eine gemeinsame Lösungssuche mit den Ärzten sowie Wertschätzung.» Die grossen gesundheitspolitischen Fragestellungen können aber nur auf dem nationalen Parkett gelöst werden, findet er.

Monika Mathers erklärt: «Wir wollen mit dieser Interpellation den Puls fühlen. Weitere Schritte wie eine Motion schliesse ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus.» Denn für sie steht fest: «Für mich bedeutet Politik das Leben. Das heisst, es ist unsere Aufgabe, dass die Leute hier gut leben. Eine allgemeine Versorgung für Kinder gehört für mein Politik-Verständnis dazu.»

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