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KINDERBETREUUNG: Kinder hüten – das lohnt sich

Babysitting als Nebenverdienst boomt. Vor allem im Kanton Zug hat sich diese Dienstleitung stark verteuert – zum Nachteil für junge Familien.
Bernard Marks
Babysitting ist für Studentinnen heute eine lukrative Verdienstmöglichkeit. Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone

Babysitting ist für Studentinnen heute eine lukrative Verdienstmöglichkeit. Symbolbild: Gaetan Bally/Keystone

«Ich mache ein Praktikum als Kinderbetreuerin und habe selber drei kleinere Geschwister, auf die ich oft aufpassen muss», schreibt Rosi*. Ihr Inserat ist auf der Internetplattform Babysitting24 aufgeschaltet. Hier bieten überwiegend Mädchen und junge Frauen ihre Dienste als Babysitterin an. Rosi ist mit 16 Jahren eine der jüngsten. Ihr Stundenlohn liegt bei 25 Franken. Eine Spalte weiter bietet Heidi* ihre Dienste als Kinderbetreuerin an. Sie ist 50 Jahre alt und verlangt für ihre Arbeit 30 Franken pro Stunde. Das läppert sich.

Vor allem für die Familie entstehen hohe Kosten. Ein einmaliger Besuch der Oper in Zürich kostet zum Beispiel für zwei Personen mit einem Cüpli, dem Parkhaus und vier Stunden Abwesenheit von daheim schnell weit über 400 Franken. Ein ziemlich teurer Spass.

Andere Lösung als Kita gesucht

Immer mehr sehen im Babysitting einen lukrativen Nebenjob. Ob Hausfrau von nebenan oder Studentin, das Geschäft mit Babysitting blüht. Nannys wie Heidi vermittelt auch der Luzerner Verein Lüscher’s Happy Nannies. «Der Dienst am Baby ist gefragt», sagt Inhaberin Christina Lüscher. Sie vermittelt rund 100 Nannys an Familien in Luzern, Zug und Zürich. Vor allem Expats schätzen den Service. Denn die Aufnahmekapazität von Krippen und Kindergärten in der vorschulischen Betreuung sind nach wie vor begrenzt, wobei es kantonale Unterschiede gibt, zu diesem Schluss kommt eine Untersuchung der europäischen Internetplattform für Kinderbetreuung Yoopies. Hinzu kommt, dass das Angebot von Krippenplätzen oft nicht ausgebaut wird. Hauptargument hierbei: Viele gebildete und gut verdienende Eltern würden ihre Kinder lieber selber erziehen, als ihre Arbeitspensen erhöhen. Fakt ist aber auch, dass sich nicht alle Eltern einen Kitaplatz leisten können. Ein solcher kostet im Durchschnitt für zwei Tage die Woche rund 1000 Franken pro Monat, was sich bei zwei Kindern verdoppelt und mit einem 40-Prozent-Pensum kaum mehr lohnt. Diese Gründe zwingen Eltern mehr dazu, andere und flexiblere Lösungen als Kitas zu suchen, und sind wesentlich für die Preissteigerungen im Bereich Babysitting.

Die Nachfrage übertrifft das Angebot

Vor allem im Kanton Zug ist diese Entwicklung gut zu beobachten. Eine aktuelle Studie von Yoopies zeigt, dass die Tarife für die Kinderbetreuung in den meisten Kantonen im Jahr 2016 steigen und dass sich Unterschiede zwischen einzelnen Kantonen verstärken. Von einem zum anderen Kanton kann sich der Preis gar verdoppeln. Nur im Thurgau (–4,3 Prozent) und in Luzern (–6,7 Prozent) sind die Tarife im Mittel gesunken. Im Kanton Zug müssen Eltern am meisten für eine Kinderbetreuung berappen: Der Stundenlohn liegt dort bei 24.04 Franken netto, wohingegen er in Uri, dem günstigsten Kanton, bei 12 Franken liegt. In der Stadt Zug klettert der Tarif auf 26.25 Franken. In den Städten Zürich und Bern beläuft er sich auf 22.75 Franken sowie 21.15 Franken. Demgegenüber stehen 11.90 Franken, die in Bulle FR fällig werden. «Die Nachfrage übertrifft das Angebot. Dies führt dazu, dass die Preise in der Schweiz steigen», erklärt Benjamin Suchar, Mitgründer von Yoopies.

Schweiz weiterhin teuerstes Land in Europa

Auch im internationalen Vergleich ist die Schweiz mit einem Durchschnittsverdienst von 16.63 Franken für Babysitter am teuersten. Auf dem zweiten Platz, logiert das Vereinigte Königreich mit einem durchschnittlichen Tarif von 8.92 Pfund (10.92 Franken), dicht gefolgt von Deutschland, wo im Mittel ein Lohn in Höhe von 9.53 Euro (10.38 Franken) verlangt wird. Am günstigsten ist die Kinderbetreuung in den Niederlanden (7.74 Euro), in Spanien (7.46 Euro) und Portugal (6.08 Euro).

Die hohen Tarife im Kanton Zug belasten vor allem junge Familien. Brigitte Bart, Geschäftsleiterin beim Roten Kreuz Zug, findet diese Stundenlöhne unverhältnismässig. «Das ist viel Geld für eine Familie», sagt sie. Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) vermittelt Babysitter zu günstigeren Tarifen. Die vom SRK Zug empfohlenen Mindesttarife richten sich nach dem Alter. Ein Babysitter ab 14 Jahre verdient 8 Franken, ab 18 Jahre 12 Franken die Stunde. Alle Babysitter müssen zuvor den Babysitterkurs belegt haben. Auch das Kibiz Zug vermittelt Babysitter deutlich günstiger: Die Betreuung für Kinder ab dem Säuglingsalter kostet hier rund 8 Franken. Die einmalige Vermittlungsgebühr beträgt 20 Franken.

«Die Nachfrage nach Babysittern ist gross», erläutert Eva Luginbühl von der Frauengemeinschaft Cham. Sie führt allein in ihrer Liste rund 50 Babysitter, die in der Regel gut ausgebucht sind. Auch in Cham richtet sich der Verdienst eines Babysitters nach den Empfehlungen des Roten Kreuzes. Der Stundenlohn liegt entsprechend auch hier zwischen 8 und 12 Franken. «Das ist natürlich freiwillig», sagt Luginbühl. Wer mehr zahlen will, darf dies ohne weiteres tun. In jüngster Zeit beobachte sie jedoch, dass sich die Anforderungen an Babysitter verändern. War Babysitting früher oft ein Job am Abend, wird die Betreuung heute vermehrt am Tag nachgefragt. «Viele Schüler haben leider unter der Woche am Tag keine Zeit zum Babysitten, weil sie zur Schule gehen», erklärt sie. Vor allem Mütter suchen deshalb nach alternativen Betreuungslösungen. Hier springen Studentinnen und Hausfrauen ein. Luginbühl beobachtet diese Entwicklung sowie den höheren Stundentarif mit Besorgnis.

Versicherungsseite sollte geregelt sein

«Die Verantwortung für einen Babysitter ist hoch. Deshalb ist eine Ausbildung dringend zu empfehlen», sagt Luginbühl. Denn immerhin sei es eine Vertrauenssache, wem man die Kinder in die Obhut gebe. «Bei uns haben alle Babysitter einen zweitägigen Babysitterkurs belegt.» Dieser wird von einer unabhängigen Hebamme geleitet. Dabei lernen die Teilnehmer, zu wickeln, zu füttern, Gefahren und Gewohnheiten zu erkennen und natürlich zu spielen. Die einmalige Kursgebühr von 105 Franken stellt eine gewisse Hürde dar und gewährleistet, dass jeder, der einen solchen Kurs belegt, auch wirklich ein Babysitter werden will, so Luginbühl.

Auch die Versicherungsseite sollte geregelt sein. Arbeitgeber müssen bei einer zugelassenen Versicherung einen Vertrag abschliessen. Versicherungen bieten Verträge an, die für das gesamte «Hauspersonal» gültig ist (Putzhilfen, Gärtner oder Babysitter). Die Haftung des Babysitters gegenüber der Familie wird unterschiedlich gehandhabt. «Diese Dinge sind im Vorfeld bei unseren Babysittern abgeklärt», sagt Luginbühl. Sie rät daher zur Vorsicht vor Angeboten im Internet.

* Name der Redaktion bekannt.

Bernard Marks

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