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Neuer Kindergarten in der Stadt Zug setzt auf Waldorfpädagogik

Zu Beginn des neuen Schuljahres öffnet ein neuer Kindergarten im Westen der Stadt. Er will die Kinder noch mehr in den Mittelpunkt rücken als seine Mitbewerber.
Marco Morosoli
Christoph Merholz wird den Kindergarten leiten, ihm zur Seite stehen unter anderem Kindergärtnerin Nicole Gasser (Mitte) und Melanie Stüssi. (Bild: Maria Schmid)

Christoph Merholz wird den Kindergarten leiten, ihm zur Seite stehen unter anderem Kindergärtnerin Nicole Gasser (Mitte) und Melanie Stüssi. (Bild: Maria Schmid)

In der kanadischen Provinz Quebec müssen sich selbst öffentliche Kindergärten gegen Mitbewerber durchsetzen. Bekommt das Kind dort nicht, was sich die Eltern vorstellen, wird einfach der Kindergarten gewechselt. Soweit sind wir in der Schweiz noch nicht. Oftmals sind die Eltern einfach nur schon froh, für ihren Nachwuchs einen Betreuungsplatz zu finden. So gesehen ist der Kindergarten Amaranta, er befindet sich an der Chamerstrasse 85 in Zug, ein weiterer Anbieter im Erziehungsbereich. Die Kinder können dort den obligatorischen Kindergarten besuchen. Die Jüngeren werden von Fachkräften betreut. Um Aufnahme in die Einrichtung zu finden, müssen die Kinder mindestens dreieinhalb Jahre alt und nicht älter als sechs Jahre alt sein.

In einem allerdings unterscheidet sich die Institution, welche mit dem Schuljahr 2018/19 ihren Betrieb startet, von den anderen. Amaranta arbeitet nach der Waldorf-Pädagogik. In der Schweiz besser bekannt als Rudolf-Steiner-Schule. Der letzte Anbieter dieser Art im Kanton Zug ist vor zehn Jahren geschlossen worden. Dort wollen Ron Mohel und seine Frau Liron Mohel anknüpfen. Die beiden wohnen seit zehn Jahren im Kanton Zug und haben langjährige Erfahrung mit der Waldorfpädagogik. Durch die Treffen mit anderen Eltern wollen die Initianten des Kindergartens herausfinden, wie sich die Waldorfpädagogik wandeln muss, um den Bedürfnissen des Jetzt gerecht zu werden. Eine Reise, die vielleicht die eine oder andere Überraschung mit sich bringen kann.

Austausch mit den Eltern wichtig

Im Laufe der vergangenen Jahre haben sich viele Betreuungsstätten eine neue Organisationsstruktur gegeben. Als Dach fungiert meist eine AG. Auch nach Gewinn streben, ist heute nicht mehr verpönt. Einen etwas anderen Ansatz hat der Amaranta-Kindergarten gewählt. «Wir hoffen, dass wir mit dem Schulgeld alles decken können», sagt Liron Mohel. Die Kosten für die Ganztagesbetreuung beziffert Ron Mohel auf 1110 Franken oder 13320 Franken im Jahr. Dabei ist zu bemerken, dass der Verein keine öffentliche Unterstützung erhält. Wohnt das Kind im Kanton Zug, gibt es einen Kantonsbeitrag. Dieser wird hälftig zwischen dem Kindergarten und den Eltern der betreffenden Kindergärtler aufgeteilt. Viel lieber als über Kosten reden die Gründer über die Philosophie des Amaranta-Kindergartens: «Unser Kindergarten ist ein Ort, der das Kind so fördert und erzieht, dass das Kind noch Kind sein kann.» Auf der Homepage heisst es dann auch: «Jedem Kind soll möglich gemacht werden, seinen individuellen Weg in seinem Leben zu wählen und zu gehen.»

Die Kindergarten-Initianten wissen bezüglich Erziehung, von was sie sprechen. Sie haben fünf Kinder, der Älteste ist im Teenageralter. Wichtig ist ihnen auch der Austausch mit den Eltern. Einen Lernsatz erwähnt Liron Mohel: «Es bringt nichts, dem Kind zu sagen: Versorge deine Schuhe dort. Es bringt viel mehr, wenn ein Elternteil die Schuhe am richtigen Ort platziert und das Kind es ihm dann gleichtut.» In dieser Sache erhalten die Kindergarten-Betreiber Unterstützung des chinesischen Gelehrten Konfuzius: «Sage es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde es vielleicht behalten. Lass es mich tun, und ich werde es können.» Die Mohels sind sich schon bewusst, dass das ganze Werden eines Kindes ein stetiger Aufbau ist und nicht von heute auf Morgen abläuft. Es sei aber eine Erziehungsmethode mit Potenzial. Auf der Homepage des Kindergartens, auf der die Bilder mit sattem Grün daherkommen, steht schon fast poetisches: «Das zweijährige Kindergarten-Programm ist mit einer Pflanze vergleichbar: Während des ersten Jahres werden die Samen gesetzt und gehegt; während des zweiten Jahres blüht, und gedeiht die Pflanze.» Obwohl sich das Erziehungsprogramm von anderen Stätten im gleichen Segment unterscheiden mag, wollen sich die Mohels respektive der Verein Nextus mit ihrer neuen Einrichtung im Kanton Zug nicht abgrenzen. «Wir sind auch keine geschlossene Gesellschaft. Wir sind ein Bestandteil der Stadt Zug», betont Liron Mohel.

Sechs Mitarbeiter auf 24 Kinder

Es dürfen 24 Kinder betreut werden. Erstaunlich dabei: Damit der Kindergarten vor und hinter den Kulissen rund läuft, sind sechs Personen im Einsatz. Darin eingeschlossen sind der Schulleiter und eine Köchin, gemeinsames Kochen gehört genauso zum Programm wie das Spielen. Dabei wollen die Mohels unbedingt erwähnt haben, dass in diesem Kindergarten nur zertifizierte Bioprodukte in die Kochtöpfe gelangen. Hamburger oder Pommes-Frites in der Art von McDonald’s wird es wohl im Kindergarten Amaranta sicher nicht geben. Ein Mangel an Essbarem werde es aber nicht geben. Die Mohels haben ein grosses Ziel: «Sie wollen alles tun, um den Waldorf-Methoden nachleben zu können.» Ab dem 20. August 2018 kann es das Team im Amaranta-Kindergarten beweisen. Das Führungsteam des Amaranta-Kindergartens wird jedoch diskret im Hintergrund bleiben, hält aber die Fäden weiterhin in der Hand. Froh sind sie aber, dass ihr sechstes «Kind» jetzt endlich zu laufen beginnt.

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