Kindertagesstätten sind dankbar für Zuger Rettungsschirm 

Mit 2,8 Millionen Franken will der Kanton verhindern, dass Kitas und Tagesfamilien in eine finanzielle Notlage geraten.

Andrea Muff
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Kitas sind auch während der Coronapandemie geöffnet.

Kitas sind auch während der Coronapandemie geöffnet.

Symbolbild: Matthias Jurt (Zug, 9. April 2020)

Als Mitte März der Bundesrat die «ausserordentliche Lage» ausgerufen hat, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, stellte er auch den Schulbetrieb ein. Der Präsenzunterricht wurde auf Fernunterricht umgestellt, die schulergänzende Betreuung geschlossen. Die Kitas müssen grundsätzlich geöffnet bleiben, so die Richtlinie des Bundesrates. Die Betreuung soll in kleineren Gruppen geschehen und die Eltern werden aufgefordert, ihre Sprösslinge möglichst privat zu betreuen.

So auch im Kanton Zug. Die vertraglich geschuldeten Betreuungstarife sollten auch bei Nichtnutzung des Angebots bezahlt werden. Dies stiess mancherorts auf Unmut. Die Zuger Regierung hat deshalb diese Woche beschlossen, einen Notstandskredit in Höhe von 2,8Millionen Franken zu sprechen. Dies entspricht laut Mitteilung 80 Prozent des maximal zu erwartenden Defizits der Kitas.

Betreuungssystem soll nach Krise weiterfunktionieren

Dass der Kanton nun einen Rettungsschirm für die Kitas und Tagesfamilienorganisationen spannt, begrüsst der Verband Kinderbetreuung Schweiz Kibesuisse grundsätzlich sehr, wie die Regionalleiterin Zentralschweiz Simone Sprecher mitteilt. Auch Urs Brugger freut sich. Der Steinhauser besitzt mehrere Kindertagesstätten in und ausserhalb des Kantons Zug. «Es ist ein grosses Bedürfnis der Eltern, die, obwohl sie ihre Kinder nicht betreuen lassen, trotzdem die Beiträge bezahlen müssen», sagt er. Denn die Verträge würden weiterlaufen, nicht nur diejenigen mit den Eltern, sondern auch die Miet- und Arbeitsverträge. «Kitas sind darauf angewiesen, dass die Betreuungsbeiträge bezahlt werden, ansonsten haben wir ein Liquiditätsproblem», erklärt Brugger und präzisiert: «Eine Kita könnte bald weder Löhne noch Miete bezahlen.» Der erfahrene Kitabetreiber ist sich sicher: «Kleine Kitas würden innerhalb von Wochen bankrottgehen.»

Mit dem Rettungsschirm soll nun genau das verhindert werden: Das über Jahre aufgebaute gutfunktionierende Betreuungssystem soll nach der Coronakrise weiter funktionieren. Im Kanton Zug gibt es rund 65 Kitas mit ungefähr 2500 Plätzen. «Umso wichtiger ist jetzt, dass alle Eltern die Beträge an die Kitas bezahlen», erinnert Urs Brugger. Die gesprochenen Millionen seien eine grosse Erleichterung und vermitteln Sicherheit. Der Kanton geht davon aus, dass momentan nur noch 30 Prozent der in Kitas und Tagesfamilien angemeldeten Kinder auch dort betreut werden.

In der Kita Zug West werden noch rund die Hälfte der Kinder vor Ort betreut. Die Geschäftsstellenleiterin Patricia Diermeier ist dem Kanton für den Notkredit dankbar: «Die Entscheidung des Kantons ist sehr wichtig für die Eltern, die momentan auf den Betreuungsplatz verzichten.» Doch Patricia Diermeier wünscht sich eine klarere Kommunikation, wer ein Kind in eine Kita schicken darf und wer darauf verzichten soll. Denn die Betreuung von Bund und Kanton vorgeschriebenen kleineren Gruppen sei äusserst personalintensiv. «Momentan kümmern sich zwei Mitarbeiterinnen um fünf Kinder», erklärt sie. Denn es sei unmöglich, dass eine Person gleichzeitig fünf Kinder verschiedener Altersstufen betreut. «Es sind immer noch zu viele Kinder in den Kitas», findet Diermeier. Die Distanz- und Hygieneregeln können in einer Kita nicht konsequent eingehalten werden, das sei auch der Regierung klar. Man appelliere deshalb an die Eigenverantwortung und Entscheidungsfreiheit der Direktbetroffenen, sagt Andreas Hostettler, Direktor des Innern.

Der gesprochene Kredit sei nötig geworden, nachdem der Bund kommuniziert habe, dass er in diesem Bereich keine Unterstützung vorsehe. Andreas Hostettler sagt: «Arbeitsplätze zu retten, macht nur Sinn, wenn auch die Betreuungsplätze weiter bestehen bleiben.» Denn die meisten Kitas würden nicht gewinnorientiert arbeiten. «Sie verfügen über nicht allzu grosse Reserven, um einen erheblichen Ausfall von Elternbeiträgen verkraften zu können», weiss er.

Die Direktion des Innern richtet nun eine Anlaufstelle ein und stellt die Formulare online. Die Kitas melden ihre Ausfälle. Wird der Antrag gutgeheissen, überweist der Kanton die Geldsumme an die Kita. «Die Kitas rechnen selber mit den Eltern ab», erklärt Hostettler. Der Zeitraum für den Anspruch einer Rückzahlung der Betreuungsbeiträge beginnt rückwirkend per 16.März und endet am 19. April. Da der Bundesrat nun den Lockdown um eine Woche verlängert hat, wird eine allfällige Krediterhöhung laut Hostettler Gegenstand von Gesprächen und Anträgen im Regierungsrat sein.