KINO: «Von mir aus könnte man alle Armeen abschaffen»

Marco Rima ist befördert worden. Ab morgen gibt sich der Zuger Komiker wieder militärisch zackig und diszi­pliniert. Oder auch nicht.

Ernst Meier
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Der Oberägerer Marco Rima steigt zehn Jahre nach dem Kinohit «Achtung, fertig, Charly!» wieder ins Tenü Grün. (Bild: PD)

Der Oberägerer Marco Rima steigt zehn Jahre nach dem Kinohit «Achtung, fertig, Charly!» wieder ins Tenü Grün. (Bild: PD)

Marco Rima, ich gratuliere Ihnen zur Beförderung. In «Achtung, fertig Charlie!» waren Sie Hauptmann, nun sind Sie Oberstleutnant.

Marco Rima (lacht): Ja, so macht man Karriere. Im Film ist das aber etwas anders als in der Realität. Als Oberstleutnant Reiker befehle ich kaum 70 Soldaten unter mir.

Haben Sie sich speziell auf Ihre Rolle vorbereitet und zum Beispiel einen WK besucht?

Rima: Nein, ich habe ja selber Militärdienst gemacht und weiss, wie es in der Schweizer Armee läuft. Eine Herausforderung für mich war aber der militärisch strenge Gang – denn mein Knie war kurz zuvor operiert worden. Das ging nicht ganz ohne Schmerzen.

Wie erfolgreich waren Sie selber in Ihrer militärischen Karriere?

Rima: Als ich 1980 in die Panzergrenadier-Rekrutenschule in Thun einrückte, war ich überzeugt: Ich werde Major. Nach nur fünf Minuten RS habe ich diesen Traum wieder aufgegeben. Und nach zehn Minuten hat mein Vorgesetzter zu mir gesagt: «Sie mache sicher nöd witer.»

Waren Sie ein unbequemer Rekrut?

Rima: Nein, dies nicht. Aber ich sorgte dafür, dass wir es lustig hatten, weil ich vieles wortwörtlich nahm. Wenn es bei der Zugschule hiess: «In drei Sekunden sehe ich keinen mehr», dann war ich innert drei Sekunden weg – und zwar so, dass man mich eine Zeit lang nicht mehr fand.

So konnten Sie natürlich keine militärische Karriere machen.

Rima: Immerhin habe ich es im WK zum Gefreiten gebracht – den sogenannten «Arschlecker»-Balken hat man mir gegeben. Damit konnte ich auch eine Gruppe führen. Nicht schlecht – oder?

Braucht die Schweiz eine Armee?

Rima: Von mir aus könnte man alle Armeen abschaffen. Da bin ich Pazifist. Ich denke aber, dass das Militär heute einen wichtigen Stellenwert in unserem Land hat. Die Schweizer Armee ist ein Kulturgut. Gleichzeitig ist sie in den internationalen Verbund einbezogen. Deshalb bin ich überzeugt, dass es psychologisch wichtig ist, dass wir in der Schweiz eine gut funktionierende Armee haben. Man sollte die Armee aber renovieren, damit sie besser und schneller für Katastrophendienste eingesetzt werden kann.

Brauchts den Kampfflieger Gripen?

Rima: Das ist eines der Themen, bei dem viele mitreden, ohne das nötige Sachverständnis zu haben – wie beim Fussball. Ich denke, wir können da Ueli Maurer schon vertrauen. Der wird den Gripen schon genug geprüft haben.

Ab Donnerstag kann die Schweiz Sie im Kino als WK-Kommandanten erleben. Wie geht es Ihnen vor dem Filmstart?

Rima: Bestens. Ich bin sehr gespannt, wie der Film beim Publikum ankommt. Ich habe ihn letzte Woche zum ersten Mal an einer Vorpremiere gesehen, und er hat mir sehr gut gefallen; eine runde Geschichte, viele Lacher und gute Schauspieler – für mich funktioniert der Film.

Das müssen Sie natürlich sagen.

Rima: «Achtung, fertig, Charlie!» wurde vor zehn Jahren ein Publikumshit. «Achtung, fertig, WK!» muss den Vergleich nicht scheuen. Natürlich ist jeder Film ein Risiko, aber ich bin zuversichtlich für den neuen Streifen.

Was ist anders – ausser dass Sie zehn Jahre älter sind und Melanie Winiger nicht mehr mitspielt?

Rima: «Achtung, fertig, WK!» ist emotionaler als sein Vorgänger. Es geht eigentlich weniger ums Militär. Im Mittelpunkt steht, wie schon bei «Charlie», eine Liebesgeschichte. Super finde ich, dass die Macher den Mut hatten, emotionale Momente in die Komödie einzubauen. Wer also nahe am Wasser gebaut ist, dürfte die eine oder andere Träne vergiessen. Das gabs bei «Charlie» noch nicht.

Wie viel hat Ihnen das Drehbuch vorgegeben, und wie viel stammt von Marco Rima?

Rima: Ich habe von Anfang an gesagt: Ich mache nur mit, wenn es für mich stimmt. So konnte ich im Vorfeld der Planung meine Erfahrungen und Ideen ins Drehbuch mit einbringen. Mit einer ersten Version der Geschichte war ich nicht einverstanden. Darauf hat man Anpassungen vorgenommen – auch an der Person des Oberstleutnant Reiker.

Hauptmann, Oberstleutnant – was spielen Sie im möglichen dritten Teil?

Rima: Dann sind wir wohl im Jahr 2023, haben Mobilmachung, und ich bin der General. (lacht) Nein, im Ernst – keine Ahnung. Ein dritter Teil würde mich freuen. «Achtung, fertig, WK!» ist das erste Sequel eines Schweizer Films. Die Macher beweisen Mut. Schön, wenn wir alle dafür belohnt werden. Es gab in den letzten Jahren einige Schweizer Filme, die trotz viel versprechender Umsetzung gefloppt sind. Wem «Charlie!» gefiel, der wird auch an der Fortsetzung seine Freude haben.

Hinweis

«Achtung, fertig, WK!» startet morgen Donnerstag in den Deutschschweizer Kinos. In Zug läuft der Film im Kino Seehof. Marco Rima ist mit seinem Comedy-Programm «Humor Sapiens» am 18. Dezember im Lorzensaal in Cham zu Gast.