KIRCHE: Hünenberger Gemeindeleiter: «Die App ist ein Türöffner»

Der Papst hat es vorgemacht: Er kommuniziert rege über den Kurznachrichtendienst Twitter. Nun betritt die Pfarrei Heilig Geist Hünenberg mit der eigenen App ebenfalls Neuland. Die Sozialen Medien stehen auf der Agenda mehrerer Zuger Pfarreien.

Rahel Hug, Andrea Muff und Carmen Rogenmoser
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Haben gemeinsam die App entwickelt: Gemeindeleiter Christian Kelter (links) und Pastoralassistent Tobias Zierof. (Bild: Patrick Hürlimann (Hünenberg, 26. Januar 2017))

Haben gemeinsam die App entwickelt: Gemeindeleiter Christian Kelter (links) und Pastoralassistent Tobias Zierof. (Bild: Patrick Hürlimann (Hünenberg, 26. Januar 2017))

Rahel Hug, Andrea Muff und Carmen Rogenmoser

gemeinden@zugerzeitung.ch

Fünf Jahre schon existiert das päpstliche Twitter-Konto. Papst Franziskus erreicht aktuell über 30 Millionen Follower mit seinen Kurznachrichten. Ebenfalls sehr fleissig in Sachen Social Media ist Christian Kelter. Der Diakon und Gemeindeleiter der Pfarrei Heilig Geist in Hünenberg ist privat auf Twitter und Facebook aktiv und hat für seine Pfarrei schon 2008 eine eigene Facebook-Seite eingerichtet – womit er in der Schweiz einer der ersten war. Inzwischen ist er bereits wieder einen Schritt weiter. Im vergangenen Herbst haben Kelter und sein Team eine eigene App lanciert. Wie viele Leute sie bereits nutzen, könne er nicht herausfinden, doch die Rückmeldungen aus der Bevölkerung seien ausschliesslich positiv, sagt Kelter. Die Idee dazu kam von Pastoralassistent Tobias Zierof, wie der Gemeindeleiter erzählt. «Er ist auf diesem Gebiet sehr stark, und ich kannte den Anbieter der App. So war es relativ einfach, das Programm zu erstellen. Ausserdem sind uns keine Kosten entstanden.» Die Inhalte sind dieselben wie auf der Facebook-Seite, dank Push-Nachrichten sind die Nutzer stets up to date. Ein Test zeigt: Die App ist übersichtlich und aktuell, die Gestaltung schlicht und dank zahlreicher Bilder ansprechend.

«Die App ist ein Türöffner», ist Christian Kelter überzeugt. «Mit den digitalen Medien erschliessen sich auch für die Kirchen neue Möglichkeiten. Zu kommunizieren ist schliesslich eines unserer Kerngeschäfte.» Es gehe nicht darum, am Sonntag wieder mehr Leute in die Kirche zu holen. «Vielmehr wollen wir unsere Botschaften verbreiten und über diesen Weg mehr Menschen erreichen.» Kelter macht ein Beispiel: «Über Twitter kam ich mit einer Frau aus St. Gallen in Kontakt, die schliesslich für mehrere Seelsorgegespräche nach Hünenberg kam. Diese Begegnung hätte sich ohne die Sozialen Medien nicht ergeben.» Social Media sei aber «kein Allerheilmittel», räumt er ein: «Die Kanäle sollten angemessen bearbeitet werden, man darf sich darin nicht verlieren.»

100 Mal «Gefällt mir»

Auf Facebook aktiv ist auch die Pfarrei St. Martin Baar. Genau 100 «Gefällt mir» zählt die Seite, die seit 2011 bewirtschaftet wird. Interessierte erfahren hier, wann die nächsten Veranstaltungen stattfinden, sie können aber auch Bilder von Erstkommunionsfeiern, Firmvorbereitungskursen oder Kirchenkonzerten anschauen. «Facebook ist für uns zwar nur ein Kanal unter vielen, aber dennoch ein wichtiger. Wir können damit zeigen, dass die Pfarrei lebt», sagt die Medienverantwortliche Malaika Hug. Der Aufwand, um Fotos hochzuladen und kurze Nachrichten zu schreiben, sei relativ gering. Allerdings, räumt Hug ein, seien Rückmeldungen und Kommentare eher selten. «Wir müssten wohl vermehrt auf unseren So­cial-Media-Auftritt aufmerksam machen.» Ziel der Facebook-Seite ist es, auch ein jüngeres Publikum anzusprechen. «Wir sind uns aber bewusst, dass Facebook unter den Jungen bereits fast wieder out ist.» Die Pfarrei sei deshalb offen, andere Möglichkeiten zu prüfen.

Bei der Reformierten Kirche Bezirk Cham kümmert sich Sigrist Stefan Gubler um die Öffentlichkeitsarbeit. Auf Facebook geistert bereits seit Ende 2015 ein Profil der Chamer Pfarrei herum. «Dieses wurde von einem Konzertveranstalter unabhängig erstellt», erklärt Gubler. Das Ziel ist nun, das besagte Profil selbst zu verwalten. Eine entsprechende Anfrage sei bei Facebook hängig. Weitere Pläne bezüglich Social-Media-Aktivitäten gebe es derzeit keine.

In eine andere Richtung – man könnte fast sagen retro – geht es bei der Reformierten Kirche Ägeri: «Für spezielle Anlässe schreibe ich Einladungskarten wieder selber», erklärt Pfarrer Jürg Rother. Der Oberägerer ist überzeugt, dass er damit einen Effekt erzielen kann. «Ist die Adresse von Hand geschrieben, merkt der Empfänger, dass man sich Zeit für ihn genommen und an ihn gedacht hat.» Die Sozialen Medien sind aber auch im Ägerital ein grosses Thema. Einen «Schnellschuss» möchte Rother allerdings vermeiden. «Twitter oder Facebook müssen immer auch bewirtschaftet werden.»

Seit Dezember 2016 hat die Reformierte Kirche des Kantons auch eine neue Homepage, in die alle Bezirke mit einer eigenen Rubrik integriert sind. Auch bei der Vereinigung der Katholischen Kirchgemeinden Kanton Zug macht man sich übergeordnete Gedanken zur Kommunikation: Der mediale Auftritt ist eine der Aufgaben. «Mit dem Ziel eines wirksameren Brandings arbeiten wir an einem integrierten Auftritt als ‹Katholische Kirche Zug›», informiert Bernadette Thalmann, die Kommunikationsbeauftragte. Derzeit habe ein neuer Webauftritt Priorität in der Öffentlichkeitsarbeit. «In der Folge werden auch die Chancen eines web­basierten Social-Media-Auftritts sorgfältig geprüft.» Der allfällige Einstieg auf Facebook setze eine Strategie zum Aufbau der Fan-Gemeinschaft und des Dialogs voraus, genauso wie Schulungen und Social-Media-Guidelines.