KIRCHE: Pastoralräume: Es braucht Zeit

Grössere Einheiten und eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien: Das will das Bistum Basel. Doch nicht überall funktioniert die Umsetzung wie geplant.

Rahel Hug
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Die Bildung eines Pastoralraums zwischen Baar (im Bild ist die Kirche St. Martin zu sehen) und Steinhausen ist nach wie vor in der Schwebe. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 14. März 2016))

Die Bildung eines Pastoralraums zwischen Baar (im Bild ist die Kirche St. Martin zu sehen) und Steinhausen ist nach wie vor in der Schwebe. (Bild: Stefan Kaiser (Baar, 14. März 2016))

Rahel Hug

rahel.hug@zugerzeitung.ch

Pfarreien kämpfen heute zunehmend mit der Schwierigkeit, genügend Personal zu finden. Dieser Entwicklung entgegenwirken sollen Pastoralräume – grössere Einheiten, in denen die Pfarreien stärker zusammenarbeiten. Die Pläne dafür schmiedete der frühere Bischof des Bistums Basel, Kurt Koch, vor zehn Jahren. Doch mit der Umsetzung hapert es. Erst 71 von 104 geplanten Pastoralräumen im Bistum sind laut aktuellen Informationen fertiggestellt oder auf der Zielgeraden. Im Kanton Zug hatte man die Struktur­reform bis im Jahr 2016 abschliessen wollen.

Bereits umgesetzt wurden hier drei von fünf Pastoralräumen: Zug-Walchwil, Zug Berg und Zugersee Südwest. Nach wie vor in der Schwebe sind die Projekte Baar-Steinhausen und Cham-Hünenberg. Das hat «strukturelle und personelle Gründe», wie auf der Homepage des Bistums zu erfahren ist. Zuständig für die Koordination ist Margrith Mühlebach, Regionalverantwortliche der Bistums­region. «Uns sind einvernehm­liche Lösungen wichtig», sagt sie. «Wir legen Wert darauf, dass die Strukturen, bevor ein Projekt gestartet wird, geklärt sind und die Seelsorgerinnen und Seelsorger und Kirchenräte auch mit der personellen Besetzung der künftigen Pastoralraumleitung einverstanden sind.» Zudem sei es wichtig, dass offene Stellen möglichst besetzt seien.

Es braucht Zeit und Vertrauen

In der Pfarrei Baar hatte es bekanntlich in den letzten Jahren mehrere Abgänge gegeben. Für Pfarrer Anthony Chukwu ist es eine Herausforderung, die Leitung der grössten Pfarrei des Bistums alleine zu tragen, wie er gegenüber unserer Zeitung sagte. Bis 2012 stand an der Spitze der Pfarrei eine Co-Leitung, der Bischof jedoch sprach sich gegen eine Weiterführung dieser Lösung aus. Weil er derzeit in den Ferien weilt, kann Chukwu keine Stellung nehmen zum geplanten Pastoralraum. Ruedi Odermatt, Pfarreileiter in Steinhausen, äussert sich wie folgt: «Mir ist wichtig, zu betonen, dass nichts überstürzt wird und dass die Mitwirkung aller Beteiligten erforderlich ist.» Dazu brauche es in erster Linie Zeit und Vertrauen. Bis wann der Pastoralraum zwischen Baar und Steinhausen realisiert sein wird, ist also momentan noch offen. «Zurzeit besteht kein Terminplan», bestätigt Margrith Mühlebach. Ziel bleibe aber, alle Pastoralräume zu errichten – «damit wieder mehr Energie frei wird für die Umsetzung der Inhalte».

Etwas anders sieht die Situation im Ennetsee aus. Weil die beiden Pfarreien Cham und Hünenberg unter derselben Kirchgemeinde zusammengefasst sind, geniessen sie eine besondere Ausgangslage. «Viele Vorteile eines Pastoralraums sind hier schon realisiert», sagt Christian Kelter, Gemeindeleiter in Hünenberg. So schöpfe man aus ein und demselben Finanztopf. Auch habe man ein gemeinsames Anstellungs- und Besoldungsreglement. «Beides ermöglicht uns, Personal unkompliziert auszutauschen.» Darüber hinaus unterhalten die zwei Pfarreien einen gemeinsamen Sozialdienst. Kelter sieht die Pastoralräume als grosse Chance. «Ich bin sicher, dass sich daher auch die Zusammenarbeit zwischen Cham und Hünenberg noch weiter intensivieren wird.»

Die Erfahrungen sind positiv

Die Rückmeldungen aus den schon errichteten Pastoralräumen seien «durchwegs positiv», sagt Margrith Mühlebach. Das bestätigt man seitens des Pastoralraums Zug Berg. Er wurde 2012 errichtet und besteht aus den Pfarreien Allenwinden, Menzingen, Neuheim, Oberägeri und Unterägeri. Urs Stierli, Gemeindeleiter in Oberägeri, der für den in den Ferien weilenden Pastoralraumleiter Markus Burri Auskunft gibt, blickt mit Zufriedenheit auf die Entwicklung in den letzten Jahren: «Wir gehen keine riesigen Schritte, aber sind stets daran, die Zusammenarbeit zu verbessern», sagt er. Als Erfolge wertet er unter anderem gemeinsam erstellte Konzepte in den Bereichen Firmung und Besuchsdienst. Durch den Pastoralraum sei das Verständnis gewachsen, und man habe sich besser kennen gelernt. «Ausserdem können die Kirchgemeinden und Pfarreien weiterhin autonom agieren, was sehr wichtig ist.» Laut Urs Stierli habe sich bislang eine enge Zusammenarbeit nicht aufgedrängt, weil die Pfarreien personell gut aufgestellt seien. Nichtsdestotrotz sei man parat, sollte sich die Situation dereinst ändern. Stierli ist überzeugt: «Es wird in Zukunft wichtiger sein, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.»

Dem Pastoralraum Zugersee Südwest gehören die Pfarreien Risch, Rotkreuz und Meierskappel an. Pfarrer Thomas Schneider spricht ebenfalls von einer guten Zusammenarbeit. Bereits 1998 bildeten die Pfarreien einen Seelsorgeverband. «Die Umwandlung in einen Pastoralraum im Jahr 2012 war die logische Konsequenz des bereits zuvor begonnenen Weges, der eindeutig zu vielen Synergien und einer besseren Vernetzung der Seelsorge führte», sagt Schneider. Die Zusammenarbeit sei in den unterschiedlichsten Bereichen des Pfarreilebens immer wieder spürbar.