KIRCHE: Pfarrer den Rücken gestärkt

Wie das Parlament der Reformierten im Fall des Rotkreuzer Pfarrers entscheiden wird, ist ungewiss. Bekanntlich wurde dieser nicht zur Wiederwahl nominiert. Nun setzen sich Gläubige für ihn mit Unterschriften ein.

Wolfgang Holz
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Die Zukunft des reformierten Rotkreuzer Pfarrers Roland ­Hadorn entscheidet sich am Montag. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Die Zukunft des reformierten Rotkreuzer Pfarrers Roland ­Hadorn entscheidet sich am Montag. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Wolfgang Holz

Am Montag tagt der Grosse Kirchgemeinderat der reformierten Kirche im Kanton Zug, um 14 Pfarrer aus den einzelnen Bezirken für weitere vier ­Jahre in ihrem Amt zu bestätigen. Für den Rotkreuzer Pfarrer Roland ­Hadorn dagegen steht die Zukunft in den Sternen. Bekanntlich wurde dieser von der Bezirksversammlung Rotkreuz-Meiers­kappel Mitte Januar nicht nominiert – mit 20 Nein-Stimmen gegen 15 Ja-Stimmen bei geheimer Abstimmung. Von einem «Intrigenspiel» war nach dieser Nichtnominierung Hadorns, der seit drei Jahren in den Diensten der Gemeinde steht, die Rede.

176 solidarisieren sich mit Hadorn

Lange hat sich kein Widerstand unter den anderen Kirchenmitgliedern in Rotkreuz zum umstrittenen Resultat geregt. Vier Tage, bevor das Kirchenparlament mit seinen 50 Mitgliedern in Zug tagt, tritt ein Komitee zur Unterschriftensammlung für eine offene und faire Nomination von Roland Hadorn auf den Plan.

Gefordert wird von dem Komitee, das anscheinend 176 Unterschriften sammeln konnte, dass es zu einer Wiederholung der Nomination des Rotkreuzer Pfarrers komme. «Die eindrückliche Zahl der Unterschriften zeigt eine ­grosse Akzeptanz von Pfarrer Roland Hadorn im Bezirk», sagen Monika Dettwiler und Hans-Ulrich Krebs vom ad hoc gebildeten Komitee. «Einige wenige Gegner mobilisierten Nein-Stimmen und hatten Erfolg, weil die grosse zufriedene Mehrheit der Kirchenmitglieder am Nominationstag, am 18. Januar, zu Hause blieb.» Die Mehrheit sei nämlich nicht hingegangen – aus der Überzeugung heraus, dass die Nomination von Pfarrer Hadorn reine Formsache sei.

Aus Sicht des Komitees wiegen die 176 Unterschriften schwerer als die 20 Nein-Stimmen, die am 18. Januar die Nomination des Pfarrers scheitern liessen. Deshalb müssten an einer erneuten Bezirksversammlung «die Fakten der Befürworter und der Gegner offen und ehrlich diskutiert werden», damit die Kirchenmitglieder in Kenntnis aller Argumente nochmals über die Nomination zur Wiederwahl von Roland Hadorn befinden könnten. Dieser sieht in der Unterschriftenaktion «ein mutiges Zeichen aus der Kirchgemeinde», welches seine Nichtnominierung relativiere. ­Hadorn: «Ich bin sehr dankbar für dieses Engagement und habe jüngst sehr viele positive Rückmeldungen für meine Amtsführung erhalten.»

Kirchenratspräsident Rolf Berweger wertet die Unterschriftensammlung des Komitees durchaus als «moralische Unterstützung» für Pfarrer Hadorn. Was den Entschluss des Grossen Kirch­gemeinderats zur Causa betrifft, kann er sich eine «sehr enge Entscheidung» vorstellen. Es sei davon auszugehen, dass die drei Rotkreuzer Vertreter im Parlament – eigentlich sind es vier, denn Roland Hadorn sitzt ebenfalls in diesem Gremium, muss aber bei dieser Angelegenheit in den Ausstand treten – ein Votum zur Sache einbringen würden. «Daraufhin wird es vermutlich zur Diskussion im Plenum kommen», so Berweger. Nicht ausgeschlossen sei, dass die Nichtnomination des Rotkreuzer Pfarrers vom Parlament dann gekippt werde und eine neue Bezirksversammlung einbe­rufen werde, um nochmals abstimmen zu lassen. Wie der Kirchenratspräsident versichert, habe er nach der Nichtnominierung Hadorns nach Gründen für ­diese Entscheidung gesucht. «Dabei ist rausgekommen, dass es schon 2011 bei der Nominierung von Pfarrer Hadorn zu einer dreistündigen Diskussion gekommen ist. Da war viel Wind drin.» Offensichtlich hätten nun Teile der damaligen Gegnerschaft – darunter auch kirchennahe Personen, die Ämter in der Kirche ausübten – reagiert. Berweger: «Sie werfen Hadorn nun offenbar vor, er habe zu wenig mit ihnen das Gespräch gesucht, sei zu distanziert und zu wenig vernetzt.»

«Freundlich, klug, kultiviert»

Monika Dettwiler vom Komitee Unterschriftensammlung bricht indes eine Lanze für den Rotkreuzer Pfarrer. «Er ist ein freundlicher, kluger, kultivierter Seelsorger, der auch sehr gute Predigten hält – er wird von allen gelobt.» Allerdings gebe es Leute, die seit Jahren gegen ihn ankämpften – und die auch schon gegen dessen Vorgänger opponiert hätten.