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KIRCHENSKANDAL: «Ich hätte gleich gehandelt»

Das Bistum Chur will einen Urner Pfarrer in die Wüste schicken, weil dieser ein lesbisches Paar segnete. Der Fall des menschlichen Seelsorgers erregt überall die Gemüter. Was sagen Zuger Geistliche dazu?
Wolfgang Holz
Zuger Geistliche äussern sich zur Segnung eines Lesbenpaars, so auch Markus Fischer, ehemaliger Domherr des Dekanats Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Zuger Geistliche äussern sich zur Segnung eines Lesbenpaars, so auch Markus Fischer, ehemaliger Domherr des Dekanats Zug. (Bild: Stefan Kaiser (Neue ZZ))

Die Entscheidung des Bistums Chur, von Pfarrer Wendelin Bucheli die Kündigung einzufordern, weil dieser letztes Jahr die Beziehung eines lesbischen Paars segnete, ruft Protest von allen Seiten auf. Nicht nur in Uri, sondern überall hagelt es Kritik gegenüber der Haltung des Churer Bischofs. Auch in Zug.

«Es geht ums Wohl des Menschen»

Markus Fischer hat eine klare Meinung zum Urner Fall. «Ich hätte genau gleich gehandelt wie der Urner Pfarrer.» Der 77-jährige Ehrenbürger Hünenbergs war 20 Jahre lang Domherr im Dekanat Zug. Für ihn, der inzwischen pensioniert ist, steht fest: Das katholische Kirchenrecht – das Homosexuellen bekanntlich als Einzelpersonen den Segen gestattet, nicht aber als Paaren – habe in solchen Fällen nichts zu suchen. Fischer: «Denn es geht hier um das Wohl des Menschen.» Seiner Meinung nach müsse Wendelin Bucheli seine Pfarrei in Bürglen nicht verlassen. «Die Akzeptanz des Pfarrers in der Kirchgemeinde ist ja riesengross. Ein Pfarrer muss immer mit den Menschen verbunden sein», sagt der Ehrendomherr. Und dass Menschen homosexuell seien, sei ja «kein Unrecht». Im Zweifelsfall müsse ein Seelsorger immer selbst nach dem eigenen Gewissen entscheiden.

Fischers Nachfolger, der amtierende Zuger Dekan Alfredo Sacchi, will zwar zu dem aktuellen Fall Bucheli nicht Stellung nehmen – «weil ich den genauen Tatbestand nicht kenne». Aber auch er spricht sich für mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen aus. Sacchi: «Ich möchte an eine menschenwürdige und achtsame Grundhaltung erinnern, die jede Diskriminierung von homosexuellen Menschen vermeidet.» Gerne zitiere er dazu auch Papst Franziskus, der einmal gesagt habe: «Wenn jemand homosexuell ist und Gott sucht und guten Willens ist: Wer bin ich, dass ich ihn verurteilen könnte?» Diese Grundhaltung habe schon die Synode 72 festgehalten, «aber wir haben noch viel zu tun, diese Haltung in der Kirche zu leben». Der Zuger Dekan fragt sich auch, «ob nicht Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen wollen und Treue versprechen, alle unsere guten Wünsche und auch Gottes Segen brauchen können».

Othmar Kähli ist ebenfalls ein pensionierter Zuger Priester, der seit 2005 in Unterägeri und Allenwinden noch als Seelsorger aushilft. In einem Leserbrief an unsere Zeitung schreibt er: «Es macht mich betroffen, dass die Segnung zweier Menschen, die ihren ganz persönlichen Weg miteinander und mit Gott gehen möchten, so hohe Wellen wirft.» Er hätte die Segnung auch vorgenommen, «ohne Kirchen- und Pfarreirat miteinzubeziehen». Denn die Folge davon sei natürlich gewesen, dass die Nachricht auch nach Chur geht. Kähli: «Die Reaktion dort konnte nicht anders sein, denn – wie zur Zeit Jesu – sind dort Gesetze wichtiger als Menschen.»

Für Christian Kelter, Gemeindeleiter in Hünenberg, ist der Fall noch nie eingetreten, «dass ich von einem homosexuellen Paar um einen Segen gebeten wurde. Sicher würde ich aber nicht grundsätzlich Nein sagen, sondern mit dem Paar eine geeignete Form suchen, um ihrem Wunsch zu entsprechen.» Gleichzeitig gehe es darum, so Kelter, eine Form zu finden, die dem Paar entspreche und gleichzeitig keine kirchliche Trauung simuliere, die kirchenrechtlich nicht erlaubt sei. «Grundsätzlich frage ich beim Segnen weder nach der Nationalität noch nach der politischen Überzeugung, noch nach der sexuellen Veranlagung», stellt der Hünenberger Seelsorger klar. Homosexualität sei in der Gesellschaft noch lange nicht voll akzeptiert. «Vielleicht kann die katholische Kirche hier ja sogar bald einmal eine bescheidene Vorreiterrolle für mehr Akzeptanz bieten.»

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