KIRSCHSERIE (2/10): Keiser, Oberwil-Zug, 1807: Die ersten Zuger Häfelibrenner am Hang

Die Kirschwasser-Destillerien in der Stadt Zug, 1798-2017: Ein hochprozentiges Stück Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulinarikgeschichte.

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Familie Stocklin-Blattmann mit Nachbarn und Taglöhnern, um 1925: Traditionelle «Chrieset» in der Gimenen oberhalb von Zug-Oberwil. (Bild: Privatarchiv Tony Stocklin, Steinhausen)

Familie Stocklin-Blattmann mit Nachbarn und Taglöhnern, um 1925: Traditionelle «Chrieset» in der Gimenen oberhalb von Zug-Oberwil. (Bild: Privatarchiv Tony Stocklin, Steinhausen)

Eine der ältesten Brennereien im Gebiet Zug-Rigi steht auf dem Freudenberg, einer sonnigen Landschaftsterrasse über dem Zugersee, zwischen Zug und Oberwil gelegen. Bereits im Jahre 1807 ist hier eine Hafenbrennerei erwähnt. Damals kaufte Melchior Keiser den Bauernhof, der zu dieser Zeit «Magermatt», später auch «Gimelen» oder «Gimmenen» hiess. Im vereinbarten Kaufpreis von 300 Gulden waren «Brännhafen», «Gutteren» und «Fass» sowie das Geschirr ausdrücklich miteingeschlossen, hatten also schon vorher Bestand.

Älteste Bauernbrennerei

Dieser Kaufvertrag ist die bisher älteste bekannte Erwähnung einer Brennerei in der Region Zug-Rigi. Bei späteren Erbteilungen, wie etwa jener von 1833, beschlossen Joseph und Franz, die Söhne von Melchior Keiser, einen Auskauf. Joseph trat seinen Teil des Hofes für 1650 Gulden an Franz ab. Bedingung war aber, dass die Geschwister die Brennerei weiterhin gemeinsam nutzen konnten. Daraufhin durften auch die benachbarten Gebrüder Stocklin die Brennerei mitbenützen, die im Gegensatz zu vielen anderen Brennapparaturen fest installiert war. Die mehrmalige Erwähnung der Brennereien und die Sonderregelungen für die Benützung zeigen die damalige Bedeutung des Destillierens auf.

1866 ging der Hof an Franz Joseph Keiser über. 1909 übernahm sein Sohn Heinrich Keiser I. (1879–1962) die Liegenschaft und benannte sie später um in «Freudenberg». Von ihm ist bekannt, dass er vor allem Kirsch und Birnen-Träsch brannte. 1924 liess er die heutige Brennerei bauen. Heinrich Keiser I. verfügte 1932 als «Hausbrennerei-Inhaber» über zwei Brennblasen à je 200 Liter, was einem Gesamtblaseninhalt von 400 Litern entspricht. 1962 übernahm sein Sohn, Heinrich Keiser II. (1924–1997), den Hof. Nach dessen Tod 1997 ging die Liegenschaft an die Erbengemeinschaft Keiser über.

Seit 1982 produziert Griselda Keiser (*1963) auf dem Hof Freudenberg Zuger Kirsch nach alter Tradition als Häfelibrand. Gelernt hat sie das Handwerk von ihrem Vater Heinrich. Die Brennkirschen stammen vom eigenen Hof oder werden von den Bauern aus der Umgebung zugekauft.

Ueli Kleeb

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Gekürzter Vorabzug über das Zuger Kirschgewerbe aus dem neuen Buch «Chriesi, Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi», herausgegeben von DNS-Transport Zug (Ueli Kleeb & Caroline Lötscher), welches im Dezember erscheint und bei der Edition Victor Hotz (edition@victor-hotz.ch, 041 748 44 44) zum Preis von 88 Franken vorbestellt werden kann.

Bocksbeutelflasche mit «Kirschwasser, eigener Hafenbrand, 41 Vol %», gebrannt von Heinrich Keiser mit Kirschen der Ernte 1969. (Bild: Firmenarchiv Griselda Keiser, Oberwil-Zug)

Bocksbeutelflasche mit «Kirschwasser, eigener Hafenbrand, 41 Vol %», gebrannt von Heinrich Keiser mit Kirschen der Ernte 1969. (Bild: Firmenarchiv Griselda Keiser, Oberwil-Zug)