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KIRSCHSERIE (6/10): Schmidt und Landtwing, Zug, 1855/1902: Katastrophen und Fusionen

Die Kirschwasser-Destillerien in der Stadt Zug, 1798–2017: Ein hochprozentiges Stück Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulinarikgeschichte.
Ueli Kleeb
Postkarte «Distillerie de Kirschwasser, Joseph Schmidt, Zoug», nach 1878: Im Haus «Zum italienischen Keller» in der Zuger Vorstadt betrieb der frühere Tierarzt Schmidt ein Atelier für Fotografie sowie eine Wein- und Spirituosenhandlung. (Bild: Privatarchiv Ueli Kleeb, Zug)

Postkarte «Distillerie de Kirschwasser, Joseph Schmidt, Zoug», nach 1878: Im Haus «Zum italienischen Keller» in der Zuger Vorstadt betrieb der frühere Tierarzt Schmidt ein Atelier für Fotografie sowie eine Wein- und Spirituosenhandlung. (Bild: Privatarchiv Ueli Kleeb, Zug)

Die Anfänge der Brennerei von Joseph Schmidt (1833–1904) in Zug sind unklar. Das Destillieren betrieb Schmidt offenbar schon seit 1855, obwohl er sich erst später in Zug niederliess. Gesichert ist, dass Schmidt, der früher in Schwyz und Uri als Tierarzt gewirkt hatte, ab 1866 an der Zuger Vorstadt im Haus «Zum italienischen Keller» ein Atelier für Fotografie sowie eine erfolgreiche Wein- und Spirituosenhandlung betrieb. Schmidt hatte eine Dampfbrennerei und stellte hauptsächlich Kirschwasser her.

1887 ereignete sich die Zuger Vorstadtkatastrophe, bei der et­liche Gebäude im Zugersee versanken. Darauf inserierte Schmidt in der Regionalzeitung: «Zur gütigen Beachtung. Das Naturereignis vom 5. Juli hat mich derart betroffen, dass ich den Grosshandel unregelmässig fortsetzen kann, wogegen ich das Kleingeschäft für eine mir unbestimmte Zeit aussetzen muss.»

Offenbar war seine breit gefächerte Tätigkeit als Fotograf, Händler und Destillateur so lukrativ, dass er vermehrt auch als Bauherr und Immobilienbesitzer auftrat. Auf seinem Briefpapier vom 5. September 1901 wies er stolz auf seine 24 gewonnenen Medaillen und 17 Diplome hin. 1902 verkaufte er sein Destillationsgeschäft an Carl Landtwing, zwei Jahre später verstarb der ­originelle Firmenpionier. Vor ­seinem Tod soll «Bränzhändler Schmid» seinen Kindern das Geschäftsgeheimnis wie folgt anvertraut haben: «I bi uss See-iwasser ä Herr wourdä!» Wie es scheint, waren Kirschfälschungen damals an der Tagesordnung.

Firmennachfolger Carl (auch Karl) Landtwing-Moos (1869–1950) war eine stadtbekannte Persönlichkeit. Die «Kirschdestillation C. Landtwing Zug» betrieb ihre Brenntätigkeit an der Gartenstrasse 2/4 in Zug und lagerte dort auch ihren Kirsch. Ende der 1920er-Jahre verlegte Landtwing seinen Betrieb auf die «Baarermatte» in den Norden der Stadt. Die «Carl Landtwing AG» verfügte 1932 über vier Brennblasen à je 400 Liter, was einem beachtlichen Gesamtblaseninhalt von 1600 Litern entspricht.

Nach dem Tod von Carl Landtwing 1950 übernahm die zweite und danach die dritte ­Generation die Firma am Ibelweg 18c. Sie bauten den kleinen Betrieb zu einer national tätigen Handelsfirma aus. 1956 wurde das Lager an der Gartenstrasse ein Opfer der Flammen. Ausser ein paar Korbflaschen blieb nicht viel übrig vom remisenartigen Holzbau mit dem markanten Backsteinkamin inmitten der Stadt Zug.

2,22 Millionen Kilo Brennkirschen

1969 wurde die Firma Carl Landtwing AG vom Genfer Unternehmer Antoine Escher übernommen. Dieser übersiedelte den ­Betrieb 1973 in das Industriequartier Bösch in Hünenberg. Die Grossbrennerei produzierte während zehn Monaten im Jahr im 24-Stunden-Schichtbetrieb. 1990 übernahm Escher auch die 1879 gegründete Traditionsfirma «Werner Landtwing Destillation» in Seewen-Schwyz und führte die beiden Firmen zur «Carl & Werner Landtwing» zusammen. 1995 folgte die Übernahme der Doppelfirma durch Bernhard Rütter (*1952) im luzernischen St. Erhard. Das Unternehmen verarbeitete im gleichen Jahr rund 2,22 Millionen Kilogramm Brennkirschen und gehörte damit zu den grössten Kirschbrennereien der Schweiz.

1997 kam die Umbenennung der Destillerie in «Landtwing AG», 2001 wurde sie zur «Landtwing Rütter AG» mit Sitz in Hünenberg und St. Erhard. Allerdings nur bis 2010, als der Betrieb in Hünenberg an die Willisauer Grossdestillerie Diwisa weiterverkauft wurde. Sämtliche Brennanlagen wurden exportiert und die Immobilie verkauft. Der Name Landtwing Kirsch existiert heute noch als Qualitätsmarke der Diwisa.

Ueli Kleeb

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Gekürzter Vorabzug über das Zuger Kirschgewerbe aus dem neuen Buch «Chriesi, Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi», herausgegeben von DNS-Transport Zug (Ueli Kleeb & Caroline Lötscher), welches im Dezember 2017 erscheint und bei der Edition Victor Hotz (edition@victorhotz.ch, 041 748 44 44) zum Preis von 88 Franken vorbestellt werden kann.

Visitenkarte der «Kirsch-Destillation Zug, Carl Landtwing, Zug», nach 1902. (Bild: Privatarchiv Ueli Kleeb, Zug)

Visitenkarte der «Kirsch-Destillation Zug, Carl Landtwing, Zug», nach 1902. (Bild: Privatarchiv Ueli Kleeb, Zug)

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