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KIRSCHSERIE (7/10): Theiler, Zug, 1868: Chriesiwasser und Bienenstöcke

Die Kirschwasser-Destillerien in der Stadt Zug, 1798–2017: ein hochprozentiges Stück Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulinarikgeschichte.
Postkarte «Gruss vom Rosenberg», ab 1907: Der «Rosenberg» war regelmässiger Tagungsort des Zuger kantonalen landwirtschaftlichen Vereins und genoss als Zentrum für schweizerische Bienenzucht landesweite Bedeutung. Bild: Bibliothek Zug (Bild: Bibliothek Zug)

Postkarte «Gruss vom Rosenberg», ab 1907: Der «Rosenberg» war regelmässiger Tagungsort des Zuger kantonalen landwirtschaftlichen Vereins und genoss als Zentrum für schweizerische Bienenzucht landesweite Bedeutung. Bild: Bibliothek Zug (Bild: Bibliothek Zug)

Im «Rosenberg», etwas erhöht über der Stadt Zug gelegen, wurde seit 1868 «Zuger Chriesiwasser» hergestellt. Der bekannte Landgasthof Rosenberg der Familie Theiler, 1581 als Gasthof zur roten Laube erbaut, befand sich mitten im Landwirtschaftsgebiet am Pilgerweg nach Einsiedeln und war umgeben von Wiesland und schönen Kirschbäumen. So soll die Tafelkirschensorte Knonauer ursprünglich vom «Rosenberg» stammen.

Peter Josef Theiler-Lustenberger I. (1823–1902) kaufte 1868 das verwahrloste Bauerngut mit Wirtschaft «im Lee» für 36 000 Franken, dazu gehörten Haus, Trotte, Scheune, Dörrofen und die «Fadenmatt» mit Weid. Im Zuger Kalender von 1949 erwähnt werden auch 12 Fässer, 3 Brennhäfen, 10 Kirschenleitern, 2 grosse Schnitzkästen und 1 Rölle. Theiler gestaltete das Bauerngut mustergültig um, betrieb Obstkultur und gab der Liegenschaft den Namen Rosenberg. Hier übte die Familie Theiler, die aus dem Entlebuch stammte, das Gastgewerbe aus und destillierte während mehrerer Generationen Kirschwasser.

1889 wurde im Gasthof der Zuger Kantonale Imkerverein gegründet, mit Peter Theiler als erstem Präsidenten. Der «Rosenberg» entwickelte sich zum Zentrum der Imker, und Theiler bezeichnete man als «schweizerischen Bienenvater». Gegenüber dem Restaurant standen mehrere grosse Bienenhäuser, eines davon hatten die Zuger Architekten Stadler-Wilhelm 1931 für 82 Bienenvölker erstellt.

Peters Sohn Josef Theiler-Zumbühl I. (1861–1919) führte den Betrieb ab 1895 weiter. Die Wirtschaft wurde zum Treffpunkt der Katholisch-Konservativen und Tagungsort von landwirtschaftlichen Vereinigungen. Dessen ältester Sohn Josef Theiler-Odermatt II. (1893–1946) übernahm den «Rosenberg» 1919 und verwaltete auch das integrierte Schweizerische Bienenmuseum. Die Brennerei der Familie Theiler verfügte 1932 über drei feststehende Brennblasen à 1 x 150, 1 x 60 und 1 x 40 Litern, was einem Gesamtblaseninhalt von 250 Litern entspricht.

Radquer und Metzgete

1954 übernahm Peter Theiler-Studer II. (1921–1990) die Liegenschaft (Rosenbergstr. 30) als Vertreter der vierten Generation. Jeweils im Herbst, wenn gemostet wurde, war unten bei der Trotte Hochbetrieb. Auch wurden in den 1950er-Jahren im Landwirtschaftsgebiet Rosenberg, Weinberg, St. Verena nationale und internationale Querfeldein-Radrennen durchgeführt. Jedes Jahr im September feierte man die «St.-Michaels-Chilbi und Metzgete» mit Musik und «Schwinigs».

1960 eröffnete Peter Theiler II. zusammen mit seiner Frau Maya (1927–2010) das erste Hotel nördlich des Restaurants im Rosenberghaus (Rosenbergstrasse 31). Die Brennanlage, die vorher gleichenorts in einem separaten Häuschen installiert war, kam ins Untergeschoss. Noch bis 1968 destillierte man im dortigen Keller Kirsch. 1969 nahm Theiler als drittes Gebäude die Hostellerie Rosenberg östlich des Restaurants (Rosenbergstrasse 33) in Betrieb. Die Brennerei kam als Schaustück in die neue Hotelhalle. Restaurant und Hotel gingen ab 1999 an den ersten Sohn Hanspeter über, Dependance und Brennerei an den zweiten Sohn Martin. Die Brennanlage blieb erhalten und ist heute wieder im «Rosenberghaus» installiert. Das Hotel wurde 2004, das Restaurant 2011 abgerissen.

Ueli Kleeb

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Gekürzter Vorabzug über das Zuger Kirschgewerbe aus dem neuen Buch «Chriesi, Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi», herausgegeben von DNS-Transport Zug (Ueli Kleeb & Caroline Lötscher), welches im Dezember erscheint und bei der Edition Victor Hotz (edition@victor-hotz.ch, 041 748 44 44) zum Preis von 88 Franken vorbestellt werden kann.

Korbflasche mit «Zuger Chriesiwasser», Eigenbrand vom Hotel Rosenberg in Zug, 2015: Der letzte Kirsch wurde 1968 destilliert. (Bild: Privatarchiv Familie Theiler, Zug)

Korbflasche mit «Zuger Chriesiwasser», Eigenbrand vom Hotel Rosenberg in Zug, 2015: Der letzte Kirsch wurde 1968 destilliert. (Bild: Privatarchiv Familie Theiler, Zug)

Wiederinstallierte Brennerei im Rosenberghaus in Zug, 2015. (Bild: Privatarchiv Ueli Kleeb Zug)

Wiederinstallierte Brennerei im Rosenberghaus in Zug, 2015. (Bild: Privatarchiv Ueli Kleeb Zug)

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