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KIRSCHSERIE (9/10): Kirschwasser-Gesellschaft, Zug, 1870: Zuger Kirsch für Kuba

Die Kirschwasser-Destillerien in der Stadt Zug, 1798–2017: ein hochprozentiges Stück Wirtschafts-, Gesellschafts- und Kulinarikgeschichte.
Älteste Flasche der «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug», 1895. (Bild: Firmenarchiv Etter Zug)

Älteste Flasche der «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug», 1895. (Bild: Firmenarchiv Etter Zug)

Im Zuge der Industrialisierung und des zunehmenden Imports von billigen Obstbranntweinen aus ganz Europa geriet das einheimische Kirschwasser immer mehr unter Druck. 1870 schlossen sich deshalb 116 Gutsbesitzer, Chriesibauern und Kirschbrenner zusammen und gründeten die «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug». Sie wollten die Qualität des Zuger Kirschwassers steigern, Fälschungen vermeiden und den weltweiten Export fördern.

1872 errichtete die Gesellschaft an der Chamerstrasse 6 im Zuger Neustadtquartier ein repräsentatives Gebäude mit Werkstatt und direktem Bahnanschluss. Das Lager hatte eine ­Kapazität von 500 Tonnen Brennkirschen. Die Vereinigung betrieb dort eigene dampfbetriebene Destillationsapparate, die Carl Georg Siemens in Stuttgart hergestellt hatte. Zum unabhängigen Kontrollexperten ernannte man den Zuger Kantonsschullehrer und Aargauer Chemieprofessor Friedrich Christoph Mühlberg (1840–1915), später einer der Lehrer von Albert Einstein. An internationalen Ausstellungen gewann die «Kirschwasser-Gesellschaft in Zug» höchste Auszeichnungen. Die älteste überlieferte Kirschflasche der Aktiengesellschaft mit Originalabfüllung stammt von 1895 und befindet sich im Besitz der «Distillerie Etter Söhne AG» in Zug.

Weltweit 20 Depots und Agenturen

Für den weltweiten Vertrieb unterhielt die «Kirschwasser- Gesellschaft in Zug» in den 1870er-Jahren über 20 Depots und Agenturen in Europa, Russland, Kleinasien, Nord- und Südamerika sowie in der Karibik. Sogar auf Kuba wurde Zuger Kirsch verkauft. 1911 verkaufte die Vereinigung ihre Liegenschaft im Neustadtquartier und verlegte ihren Sitz zu Georg Henggeler-Ulrich ins «Rothaus» nach Oberägeri. Zudem mietete man eine Brennerei mit Depot an der Ägeristrasse 40 in Zug, den vormaligen Betrieb von Destillateur Caspar Keiser. 1918 wurde auch diese Zweigniederlassung aufgegeben, und Keiser verkaufte die Liegenschaft an Kirschbrenner Josef Nussbaumer-Landolt. Das ehemalige Gebäude der«Kirschwasser-Gesellschaft» in der Neustadt ging 1919/20 samt Umschwung an die protestantische Kirchgemeinde, die es danach als Pfarrhaus und als Oberschule für Mädchen nutzte.

Mit der Einführung des neuen Alkoholgesetzes 1932 wurden die Aktivitäten der «Kirschwassergesellschaft in Zug» eingestellt. 2010 wurde der ehemalige Sitz im Neustadtquartier abgerissen und an seiner Stelle 2012 das reformierte Kirchenzentrum des Kantons Zug errichtet. Das an der Chamerstrasse 6 angebrachte Steinwappen mit Kirschzweigen erinnert als historisches Überbleibsel an die goldene Epoche, als der «Zuger Kirsch» weltweiten Ruhm erlangte. Das Nachfolgeunternehmen der «Kirschwasser-Gesellschaft» existiert seit 1932 unter dem Namen «Kiwag Kirschwasser-Gesellschaft Zug AG» und ist bei der «Distillerie Etter Söhne AG» in Zug domiziliert.

Ueli Kleeb

redaktion@zugerzeitung.ch

Hinweis

Gekürzter Vorabzug über das ­Zuger Kirschgewerbe aus dem neuen Buch «Chriesi, Kirschenkultur rund um Zugersee und Rigi», herausgegeben von DNS-Transport Zug (Ueli Kleeb & Caroline Lötscher), welches im Dezember erscheint und bei der Edition Victor Hotz (edition@victor-hotz.ch, 041 748 44 44) zum Preis von 88 Franken vorbestellt werden kann.

Bild: Privatarchiv Wyss-Bärlocher Zug

Bild: Privatarchiv Wyss-Bärlocher Zug

Bild: Privatarchiv Wyss-Bärlocher Zug

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