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Kitaleiterinnen sehen Qualität gefährdet

In einer Steinhauser Kindertagesstätte sorgte eine CVP-Interpellation bezüglich möglicher missbräuchlicher Praktika für Kopfschütteln.
Raphael Biermayr
Leiterin Daniela Bucheli (rechts) und ihre Stellvertreterin Vanessa Wuersch in der Kita Zauberloki. (Bild: Maria Schmid ,Steinhausen, 24. Oktober 2019)

Leiterin Daniela Bucheli (rechts) und ihre Stellvertreterin Vanessa Wuersch in der Kita Zauberloki. (Bild: Maria Schmid ,Steinhausen, 24. Oktober 2019)

Die «Zauberloki» beim Steinhauser Bahnhof ist mit zwölf Plätzen eine kleine Kindertagesstätte. Die dadurch entstehende Vertrautheit zwischen Betreuerinnen und Kindern entspricht seit dem Beginn vor sieben Jahren dem Konzept der Leiterin Daniela Bucheli (37). Auch ihre Stellvertreterin Vanessa Wuersch (25), die einst die Lehre in diesem Betrieb absolvierte, ist von diesem Geschäftsmodell überzeugt. «Die Auslastung und die positiven Rückmeldungen bestärken uns, dieses Konzept weiterzuführen. Auch wenn sich der wirtschaftliche Erfolg nicht an dem der grossen Kitaketten messen lässt», sagt Bucheli im Namen beider. Von der kürzlich eingereichten CVP-Interpellation zum Thema möglicherweise missbräuchlicher Praktika im Kanton Zug sehen sie dieses Geschäftsmodell gefährdet. Denn die Qualität der Betreuung und Förderung der Kinder könne im Fall der Umsetzung der Forderungen nicht aufrechterhalten werden.

Die Interpellation zu Händen des Regierungsrats zielt nämlich unter anderem darauf ab, nur in Ausnahmefällen langfristige Praktikumsplätze ohne garantierte anschliessende Lehrstelle zu vergeben. Vom sechsköpfigen Team der Kita Zauberloki befinden sich stets drei in der Ausbildung. Sie sind also Lehrlinge oder Praktikanten und in der Regel Jugendliche. So ist das eingangs erwähnte Konzept wirtschaftlich tragbar. Und es ermöglicht, den Betreuungsschlüssel, also die Zahl der anwesenden Betreuer pro Kind, nicht auszureizen. Das bedeutet eine erhöhte Betreuung für die Kinder, was von den Eltern besonders geschätzt werde, erklärt die Steinhauserin Daniela Bucheli. Bei einem Wegfall der Praktikumsstellen müsste sie den Betreuungsschlüssel anpassen.

Der Beruf ist für Jugendliche hart

Daniela Bucheli und Vanessa Wuersch gehe es bei ihrer Kritik an dem erwähnten politischen Vorstoss aber nicht in erster Linie um die Zukunft der «Zauberloki», sondern um die allgemeine Situation der Praktikanten. Die Anforderungen und die psychische und physische Belastung seien nämlich enorm hoch und insbesondere für Schulabgänger schwer zu bewältigen. Ihre langjährige Erfahrung aus der Betreuung von Praktikanten zeige immer wieder, dass die Jugendlichen falsche Vorstellungen vom Beruf hätten. Das führe dazu, dass die Abbrecherquote bei Praktika in der Kinderbetreuung hoch sei. Die dadurch häufig wechselnden Bezugspersonen stellten für die Kinder eine grosse Herausforderung dar.

Allerdings erhielten Jugendliche erst durch Praktika überhaupt die Möglichkeit, herauszufinden, ob sie diesem Beruf, der erst seit 2006 lernbar ist, gewachsen sind. «Aufgrund der Feedbacks von ehemaligen Praktikanten sind wir von diesem Modell überzeugt. Damit können wir den Jugendlichen in ihrer Selbstfindungsphase einen angenehmen Start in die Arbeitswelt ermöglichen», sagt Vanessa Wuersch. Die Hünenbergerin hat wie Daniela Bucheli die Lehre zur Fachfrau Betreuung auf dem zweiten Bildungsweg abgeschlossen.

Andere Kantone haben bereits Massnahmen gegen angeblich ausgenutzte Praktikanten ergriffen. In Bern etwa sind Praktika auf ein halbes Jahr begrenzt. Es sei denn, eine Anschlusslehrstelle ist garantiert oder man zahlt bei Weiterbeschäftigung einen Lohn von mindestens 3000 Franken. Das halten die «Zauberloki»-Verantwortlichen für übertrieben. «Uns ist bewusst, dass es auch in unserer Branche schwarze Schafe gibt. Doch sollte man nicht ausser Acht lassen, dass der überwiegende Teil der Kitas nicht darauf abzielt, Praktikantinnen als billige Arbeitskräfte zu missbrauchen. Sie sind vielmehr bestrebt, sowohl den Jugendlichen als auch den betreuten Kindern die bestmöglichen Startchancen zu bieten», erklärt Daniela Bucheli.

Forderung: Kontrollen auch bei Praktika

Statt der Abschaffung oder Einschränkung von Praktikumsplätzen regen die beiden strenge Überprüfungen durch übergeordnete Instanzen an. «Es müsste ein Amt geben, das auch bei Praktika Kontrollen durchführt und bei missbräuchlichen Bedingungen die schwarzen Schafe enttarnt», sagt Bucheli. Die Kitaleiterin und ihre Stellvertreterin sind in diesem Zusammenhang gespannt, welche Ergebnisse eine Überprüfung der Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zug zu Tage fördert. Diese hat vor den Sommerferien die laufenden Praktikumsverträge sämtlicher Kindertagesstätten angefordert, wie sie auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Dies, nachdem die zuständige Kommission die Branche als diesjährige Fokusbranche festgelegt hatte, schreibt der Amtsleiter Bernhard Neidhart dazu. Vor zwei Jahren habe man bereits die «ordentlich Angestellten» der Kitas überprüft. Weiteres ist wegen der eingereichten CVP-Interpellation derzeit nicht zu erfahren.

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