Klafft ein riesiges Loch in der Pensionskasse der Stadt Zug?

Die städtische Pensionskasse ist möglicherweise Opfer eines mutmasslichen Anlageskandals.

Harry Ziegler
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Die Pensionskasse der Stadt Zug ist im Stadthaus an der Gubelstrasse (Bild) domiziliert.

Die Pensionskasse der Stadt Zug ist im Stadthaus an der Gubelstrasse (Bild) domiziliert.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 4. Juli 2019)

Ruvercap heisst die Investmentfirma, die mutmasslich im Mittelpunkt eines Anlageskandals steht. Gemäss den Finanz-Websites «finews.ch» und «Inside Paradeplatz» sollen unter den Geschädigten neben Banken, Vermögensverwaltern und Family-Offices auch Pensionskassen sein – darunter die Pensionskasse der Stadt Zug. Die Berichte beziffern den Schaden für die Anleger mit bis zu 500 Millionen Franken.

Sämtliche Anleger haben den Medienberichten zufolge in Fonds, die in Irland registriert seien, investiert. Diese Fonds seien von der in Zürich domizilierten Ruvercap Investment aufgelegt worden. Die Fonds hielten Schuldpapiere aus dem Schweizer und internationalen Privatmarkt von insgesamt rund 700 Millionen Franken.

Nur: Was von dem Geld noch übrig ist, ist nicht klar. Genannt wird die Zahl von rund einer halben Milliarde Franken, die uneinbringbar sein dürfte. So äussert sich eine mit der Situation vertraute Person gegenüber «finews.ch»: «350 Millionen Franken sind sicher weg, wahrscheinlich sind es eher 500 Millionen.» Ruvercap verbriefte – bürgte also für – Kredite oder Forderungen von KMU, die von sogenannten Vermittlern zusammengesammelt wurden und steckte diese in Kreditinstrumente. Im Falle von Ruvercap in Fonds. Die Vermittler wiederum erhielten Kredite für die Finanzierung ihrer Schuldner von den Instituten, die die Kreditinstrumente betrieben (siehe Box). Ruvercap, die auf ihrer Website www.ruvercap.com mit dem Slogan «We make private debt work» («Wir lassen private Schulden arbeiten») wirbt, wurde offenbar Opfer des eigenen Erfolgs. Sie versprach im herrschenden Negativzinsumfeld Renditen von 2 bis 3 Prozent und konnte so zahlreiche Kunden gewinnen. Dies auch weil derartige durch Schuldbriefe gespeiste Fonds nicht von der Börsenentwicklung abhängig sind. Ruvercap soll es in der Folge gelungen sein, verschiedene grosse Bondhändler ins Boot zu holen – und ab dann sollen ihnen die Investoren das Geld praktisch nachgeworfen haben. Die Folge: Ruvercap vergab immer mehr Kredite und Liquidität an Firmen und vernachlässigte wahrscheinlich das Risikomanagement. Mit den entsprechenden Folgen.

So funktioniert das System

(haz) Der Mechanismus, nach dem Ruvercap seine Geschäfte tätigte, ist relativ einfach: Kleinkreditbanken trugen bis zum Aufkommen spezialisierter Firmen die Risiken der Kreditvergabe selber, dies normalerweise gegen hohe Zinsen. Mit der Zeit fuhren die Kleinkreditbanken besser, wenn sie die Kredite nur noch kurz bei sich behielten und diese danach speziellen Vermittlern überliessen. Den Banken blieb so noch ein kleiner Zins. Die spezialisierten Vermittler suchten bei zahlreichen Banken solche Konsumkredite zusammen, um sie zu bündeln. Damit bauten sie sogenannte Vehikel. Diese Vehikel wurden dann im Ausland domiziliert und Anteile davon an interessierte Investoren verkauft. Auch jene Ruvercap-Fonds, die in Irland in Schweizer Franken, Euro und US-Dollar errichtet worden waren, sind Vehikel.

Die Pensionskasse der Stadt Zug ist nicht die einzige mutmassliche Geschädigte. Unter den Anlegern der Ruvercap sind illustre Institute wie die Freiburger und Graubündner Kantonalbank, die Finanzinstitute Notz Stucki oder Puret Pictet Turrettini, die Privatbank Edmond de Rothschild und, wie finews.ch berichtet, auch die Pensionskasse des Kantons Thurgau sowie weitere Investmentgesellschaften, Banken und Vermögensverwalter, auch aus dem Ausland.

Als im März 2019 die Zahlungen einer Firma, die Forderungen für Ruvercap eintrieb, ausblieben, wurde es eng. Ruvercap Investment wurde auf Verlangen der Anleger durch einen österreichischen Investmentmanager ersetzt. Dieser versucht nun herauszufinden, wie gross das Loch ist, das Ruvercap bei den diversen Anlegern gerissen hat. Unter den Anlegern soll gemäss der Plattform «finews.ch» immer öfter von Anlagebetrug die Rede sein. Denn das Firmenkonstrukt bedient sich komplexer Strukturen und gilt deshalb auch als kaum transparent.

FDP-Fraktion will Auskunft vom Stadtrat

Nun ist auch die städtische Politik auf die drohenden Verluste der städtischen Pensionskasse aufmerksam geworden. Die FDP-Fraktion im Grossen Gemeinderat will vom Stadtrat wissen, wie gross der finanzielle Schaden ist, der der Pensionskasse durch Investments bei Ruvercap entstanden ist. Ausserdem soll Auskunft darüber gegeben werden, ob sich der Deckungsgrad der Kasse wegen der Investments verändert habe und wie der Stadtrat die Schadensminimierung plane. Der Stadtrat selber äussert sich nicht zur Interpellation. Bevor die Pensionskasse die Destinatäre nicht informiert habe, nehme die Stadt keine Stellung dazu.