Kommentar

Klatschen für die Pflegenden - und das wars?

Pflegende verdienen mehr als blosses Klatschen. Der Zuger Kantonsrat sieht das für die Zuger Pflegenden anders. Boni für die Pflegenden seien Sache der Arbeitnehmer, heisst es. Das lässt die Dankesworte nur hohl tönen und ist einfach nur peinlich, schreibt Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung».

Harry Ziegler
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Harry Ziegler.

Harry Ziegler.

Bild: Stefan Kaiser

Erinnern Sie sich daran, als die ganze Schweiz geklatscht hat? Geklatscht, um jenen zu danken, die unter Einsatz ihres Lebens die Menschen pflegten, die wegen des Coronavirus um ihr Leben kämpften? Damals gingen die Emotionen hoch– aus Furcht um das eigene Leben und den – im schlimmsten Falle – für sich selber benötigen Intensivpflegeplatz.

Von diesen Emotionen, dieser Dankbarkeit ist nun nichts mehr zu spüren. Der Zuger Kantonsrat hat am Donnerstag, 25. Juni, klar ein Postulat der Alternative–die Grünen versenkt, das die Ausrichtung eines Bonus an die Zuger Pflegenden zum Ziel hatte. Natürlich dankten alle Votanten wortreich für die aufopfernde Arbeit der Pflegenden. Aber: Die Ausrichtung solcher Boni sei nicht Aufgabe des Staats, das sei Aufgabe des Arbeitgebers.

Nur, wie sollen denn die Arbeitgeber – beispielsweise Spitäler– Boni ausrichten, wenn ihre Vorhalteleistungen, wie das Einrichten grösserer Intensivstationen oder das Geldverdienverbot, nicht abgegolten werden, weil die Durchführung planbarer Eingriffe untersagt wurde? Das alles hat der Bund richtigerweise angeordnet – will nun aber nicht oder nur marginal für seine Anordnungen aufkommen.

Es müssten ja nicht die verlangten 2300 Franken Bonus sein, und auch die Gemeinden müssten sich nicht wie vorgeschlagen beteiligen. Bei einem Gewinn von 175,4 Millionen Franken im Jahr 2019 müsste eine finanzielle Geste des Kantons drinliegen. So sind Dank an und Klatschen für die Pflegenden nur eines: Peinlich.