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Auf den Spuren von «Klein-Stonehenge» in Risch

HINGESCHAUT: Eine mysteriöse Steinreihe auf dem Chilchberg beschäftigt die Archäologie. Alter und Verwendungszweck bleiben weiterhin nicht vollständig geklärt.
Andreas Faessler
In Reih’ und Glied stehen die von Menschenhand angeordneten Steine auf dem Chilchberg. (Bilder: Andreas Faessler, Risch, 12. September 2019)

In Reih’ und Glied stehen die von Menschenhand angeordneten Steine auf dem Chilchberg. (Bilder: Andreas Faessler, Risch, 12. September 2019)

Uns faszinieren Monumente aus alter Zeit. Erst recht, wenn Entstehung und Zweck derselben nicht abschliessend geklärt sind. Besonders die Megalithkultur liefert zahlreiche Beispiele von Steinformationen, welche die Wissenschaft vor Rätsel stellen. Allen voran das legendäre Stonehenge in England, über dessen Hintergrund bislang nur Hypothesen existieren.

Dass es auch im Kanton Zug ein grosses rätselhaftes Steinmonument gibt, entzieht sich wohl der allgemeinen Kenntnis, zumal es recht versteckt liegt – weitgehend im Dickicht auf dem Chilchberg, der bewaldeten Erhebung zwischen Risch und Buonas. Es handelt sich um eine L-förmige Steinreihe, bestehend aus rund 220 kristallinen Blöcken. Sie sind auf dem Chilchberg nach dem Rückzug des Reussgletschers verstreut liegengeblieben. Irgendwann sind sie von Menschenhand zur bestehenden Palisade angeordnet worden. Sie beginnt etwas unterhalb der Forststrasse unweit vom Wasserreservoir, zieht sich gradlinig knapp 240 Meter bergan, biegt ein zwei Steinwürfe unterhalb des höchsten Punktes des Chilchberges im rechten Winkel weitere 60 Meter Richtung Nordwesten ab und scheint schliesslich direkt auf einen riesigen Findling hinzuzeigen. Die aneinandergereihten Steine sind unterschiedlich gross, einige sind bis zu 1,7 Meter lang. Wo sich aufgrund der Formen Lücken bilden, hat man diese mit kleineren Steinen aufgefüllt.

Hier biegt die Palisade im rechten Winkel ab.

Hier biegt die Palisade im rechten Winkel ab.

Das Zuger Amt für Denkmalpflege und Archäologie hat die mysteriöse Steinreihe von Risch 2003 untersucht und vermessen. Einige Steinblöcke weisen Spuren von Bearbeitung auf, offenbar sind sie gespalten worden. Heute weist die Palisade einige Unterbrüche auf, die Kantonsarchäologie geht aber davon aus, dass sie ursprünglich durchgehend war. Nachdem die Steinreihe von Risch im Laufe der Zeit wiederholt beschädigt worden war durch diverse Einflüsse, ist sie im Jahre 2004 restauriert worden.

Die Datierung des Monuments gestaltet sich schwierig, das Amt für Archäologie schliesst jedoch eine Entstehung vor oder in der Eisenzeit aus. Auf einer Karte von 1845 ist eine Waldlichtung eingezeichnet, deren Rand dem Verlauf der Steinreihe entspricht. Ob die Palisade einst – vielleicht im Mittelalter – angelegt worden war, um Weidland vor einer Verwaldung zu schützen? Kursieren Annahmen für Steinreihen wie diejenige in Risch und andere vergleichbare Monumente, dass sie aus vorchristlicher Zeit stammen, so tendiert die Zuger Kantonsarchäologie eher zu einem Ursprung im Mittelalter oder gar in der Neuzeit.

Grenze, Befestigung oder doch Kultstätte?

Zu Verwendung und Zweck von Steinreihen wie auf dem Chilchberg und ähnlichen Gebilden an anderen Orten der Schweiz gibt es bislang wenig geschichtswissenschaftliche Bemühungen. Letztendlich ist es genau dieser Mangel an Forschung, der zu wilden Spekulationen und abenteuerlichen Vermutungen führt. Eine wenig aufregende Deutung ist die Funktion als Grundstücksgrenze. Oder diejenige einer bereits erwähnten Weidmauer, um etwa die Tiere einzuzäunen, und/oder von äusserer Gefahr zu schützen. In Erwägung zu ziehen ist auch der militärische Zweck einer Befestigung aus dem 17., 18. oder 19. Jahrhundert.

Ein weiterer – und vielleicht der spannendste – Deutungsversuch ist die Verwendung der geheimnisvollen Steinreihe als Kultstätte. Wer mit dem Kinohit «The Blair Witch Project» vertraut ist, mag diesen Gedanken gar nicht so abwegig finden, wenn er das Monument vor Ort betrachtet. Man glaubt auch, Parallelen zu anderen ähnlichen, nachweislich als Kultstätten verwendeten Monumenten aus vorchristlicher Zeit zu erkennen, wodurch es ein Einfaches wird, diesen Verwendungszweck für die Rischer Steinreihe zu adaptieren. Medienberichten zufolge sollen auf dem Chilchberg vereinzelt sogar schon schwarze Messen abgehalten worden sein, was den Ort gleich noch geheimnisvoller macht. Von dieser Interpretation aber distanziert sich die Archäologie, weil dazu jegliche wissenschaftliche Indizien fehlen.

Es gibt aber auch Erwägungen, welche das Rätsel um die Steinreihe in Risch als gelöst darstellen: In einem ausführlichen Artikel im Magazin «Tugium» von 2007 führt der Rischer Lokalhistoriker Richard Hediger mit plausiblen Begründungen aus, dass die Steinpalisade auf dem Chilchberg in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts angelegt worden ist. Und zwar durch den damaligen Besitzer von Schloss Buonas, Freiherr Ewald von Kleist, analog der in Preussen üblichen Waldbewirtschaftung. Hinweise, dass noch während des Ersten Weltkrieges auf dem Chilchberg Steine angeordnet worden sind, gehen gar aus Protokollen des Rischer Einwohnerrates hervor.

Ob letztere «entzaubernde» Erklärung nun für die Steinreihe in Risch zutrifft, oder ob der Ursprung vielleicht doch anderer Natur ist, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen, solange kein offizieller wissenschaftlicher Bericht vorliegt. Eines aber bleibt: Die Steinreihe von Risch ist ein historisches Kulturdenkmal, das es mit Sorgfalt zu bewahren gilt.

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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