Kleine Zuger Gemeinden kosten mehr ...

... aber auch die Fruchtbarkeit sowie der Bedarf an Kulturangeboten fallen ins Gewicht.

Zoe Gwerder
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Was geben Gemeinden für ihr Personal aus, und wie hoch sind die Kosten, die sie für ihren Verwaltungsapparat ausgeben? Zahlen, welche die Gemeinde Baar zusammengetragen und hier zur Verfügung stellt (siehe Kasten), zeigen Unterschiede zwischen den Gemeinden, die nicht nur mit deren Grösse zusammenhängen. So hat die Gemeinde Hünenberg im Vergleich aller Zuger Gemeinden die höchsten Personalkosten, wenn diese pro Einwohner gerechnet werden. 3214 Franken gab sie im Durchschnitt der Jahre 2012 bis 2018 pro Kopf aus.

Die Hünenberger Gemeindepräsidentin und Finanzvorsteherin Renate Huwyler erklärt die verhältnismässig hohen Personalkosten mit der Bevölkerungsstruktur in ihrer Gemeinde. «Wir sind eine typische Familiengemeinde. Hünenberg hat, gemessen an der Bevölkerung, die meisten Kinder.» Und viele Kinder benötigen eine entsprechende Anzahl Lehrpersonen, deren Löhne die Personalkosten beeinflussen.

Neuheim und die Stadt Zug weisen ebenfalls deutlich höhere Personalkosten aus als die übrigen Gemeinden. Der Zuger Stadtrat und Finanzvorsteher André Wicki betont den Stellenwert des Unterhalts und Dienstleistungen, um den Einwohnern ein gutes Leistungsangebot bieten zu können. «Dazu gehören Schulen, Kindergärten, aber auch die Planung und Umsetzung von neuen Schulhäusern oder der Unterhalt von Strassen.»

Grundkosten bleiben gleich, ob gross oder klein

Neuheim ist sowohl beim Personalaufwand wie auch beim Sachaufwand an zweiter Stelle. «Wir sind nun mal eine kleine Gemeinde», erklärt deren Präsident Daniel Schillig. «Trotzdem gibt es Vorgaben und Vorschriften, die wir einhalten müssen. Entsprechend sind gewisse Initialkosten gleich hoch wie bei einer grossen Gemeinde, nur werden diese bei uns auf viel weniger Einwohner verteilt.»

Den tiefsten Personalaufwand verzeichnet indes die Gemeinde Baar. Dort werden pro Kopf 2451 Franken ausgegeben. «Bei uns steht die Grösse der Gemeinde und der Verwaltung in einem guten Verhältnis, um maximal von Grenzkosten und -nutzen profitieren zu können», erklärt Finanzvorsteher Pirmin Andermatt. Künftig wird der Personalaufwand in Baar jedoch ansteigen. So sind insgesamt 200 zusätzliche Stellenprozente bei der Abteilung Planung und Bau bewilligt sowie 270 Stellenprozente bei den Schulen budgetiert, wie von der Gemeinde zu erfahren ist. Zusätzlich wird demnächst eine Kommunikationsstelle mit einer 60- bis 80-Prozent Anstellung geschaffen, und auch im Bereich Soziales und Familien sind zusätzliche Stellen geplant.

Im Allgemeinen ist der Personalaufwand besser vergleichbar als der Sachaufwand. Letzterer kann je nach dem, wie die Kosten abgebucht werden in die Abrechnung der Investitionen laufen oder als Sachaufwand anfallen. Vereinzelt werden auch Personalkosten auf den Sachaufwand überwälzt – so beispielsweise in der Gemeinde Steinhausen, welche bereits das Betreibungsamt und die Abwicklung der Grundstückgewinnsteuer nach Zug ausgelagert hat und die entsprechende Leistung dort einkauft – was als Sachaufwand gebucht wird. Und auch die IT-Leistungen sollen bald bei der Stadt Zug eingekauft werden, wie Finanzvorsteherin Carina Brüngger sagt.

Dass Steinhausen trotzdem bei den Sachaufwänden am wenigsten pro Kopf ausgibt, erstaunt auch Brüngger. Gänzlich überrascht ist sie dennoch nicht: «Mir ist auch in Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeitern wichtig im Bewusstsein zu halten, dass es sich bei den Geldern um Steuergelder handelt und man mit diesen sorgfältig umgehen muss.» Zudem halte sie dazu an, nur so viel zu budgetieren, wie wirklich gebraucht wird.

An der Spitze beim Sachaufwand liegt erwartungsgemäss die Stadt Zug. Wicki führt Zentrumslasten wie den Märlisunntig, die Jazz Night oder das Seefest an, welche sich «nicht nur positiv für die Stadt, sondern für den ganzen Kanton auswirken».

Es sind kleine Differenzen, sagt der Experte

Auch wenn es zwischen den Zuger Gemeinden in Sachen Personal- und Sachaufwand deutlich sichtbare Unterschiede gibt, fallen diese relativ gering aus. Dies sagt Politologe Tobias Arnold vom Büro Interface, Politikstudien Forschung Beratung. «Schweizweite Vergleiche zwischen den Kantonen zeigen zum Teil sehr grosse Unterschiede.» Wie er sagt, haben Kantone der französischsprachigen Schweiz sowie Kantone mit hohem Stadtanteil im Vergleich zu den anderen Kantonen meist deutlich höhere Staatsausgaben – und in der Regel auch Personal- und Sachaufwände – pro Einwohner als andere Kantone. «Insofern passt ins Bild, das die Sachaufwände in der Stadt Zug pro Kopf betrachtet am höchsten ausfallen.» Generell hätten gesellschaftliche Faktoren einen grossen Einfluss auf die Zahlen: «Relevante Faktoren sind etwa die Kinderrate oder der Anteil älterer Personen», so Arnold. Und er bestätigt die Aussage des Neuheimer Gemeindepräsidenten bezüglich der Initialkosten: «Gewisse Kosten sowohl beim Personal wie auch beim Sachaufwand sind Fixkosten, die unabhängig von der Grösse einer Gemeinde anfallen. Dies wirkt sich dann in Form von höheren Ausgaben pro Kopf bei den kleineren Gemeinden aus.» Unterschiede aufgrund der politischen Ausrichtungen der Gemeinden dürften gemäss Arnold hingegen im Kanton Zug keinen grossen Einfluss haben. «Zumal sich hier zwischen den Zuger Gemeinden keine so grossen Unterschiede zeigen wie zum Beispiel in Kantonen wie Luzern oder Bern.»