Kleiner Kraftprotz zeigt es allen

Lino Martschini ist die junge Hoffnung beim EV Zug. Der 20-Jährige zeigt sich hier von einer privaten Seite.

Wolfgang Holz
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Hockey zu Hause: Lino Martschini zeigt Freundin Cynthia mit Zetterbergs Schläger, wie man den Puck spielt. (Bild: Stefan Kaiser)

Hockey zu Hause: Lino Martschini zeigt Freundin Cynthia mit Zetterbergs Schläger, wie man den Puck spielt. (Bild: Stefan Kaiser)

So wie Lino Martschini vor einem steht, ist es schwer vorstellbar, dass der schmächtig und sanftmütig wirkende junge Mann für den EVZ als durchschlagskräftiger Stürmer auf dem Eis wirbelt. Doch der Nachwuchsstar des Zuger Hockeyklubs, der gerade mal 167 Zentimeter misst, hat in der Qualifikation bereits 17 Tore geschossen. Und auch in den laufenden Playoffs versenkt der 20-Jährige den schwarzen Puck immer wieder im gegnerischen Goal.

Freundin aus Kanada gekommen

Als er im Wohnzimmer Platz nimmt und die Arme verschränkt, ahnt man angesichts seiner muskulösen Oberarme, wie viel Kraft in ihm steckt. Noch mehr beeindruckt die unglaubliche Ruhe, die der junge Hockeyspieler ausstrahlt. Ist er so entspannt wegen des schönen Blicks aus dem Wohnzimmer des elterlichen Hauses in Luzern an der Seeburgstrasse – wo gerade ein Schiff vor dem beschaulichen Panorama der verschneiten Berge übers Wasser dahinfährt? Hat es damit zu tun, dass ihn gerade seine sympathische Freundin Cynthia (19) aus Kanada, die er in Peterborough kennen gelernt hat, drei Monate besucht? Oder verleiht ihm einfach seine unbestechliche Form beim EVZ derzeit so viel Selbstvertrauen?

«Ich geniesse es, wieder zu Hause zu sein bei meiner Familie», sagt Martschini. Eine Antwort, die man ihm sofort abnimmt. Ins ferne Kanada, wo er bis 2012 zwei Jahre lang als Junior bei den Peterborough Petes in der Ontario Hockey League spielte, sei er schon als 17-Jähriger gegangen. Er habe sich dort in der Gastfamilie sehr wohl gefühlt. «Und auch die Spiele mit der Mannschaft waren perfekt, ich habe immer noch prima Kontakte dorthin», erzählt er. Doch jetzt könne er sich eben nach jedem Spiel zu Hause perfekt entspannen. «Die Wäsche ist gemacht, das Essen steht auf dem Tisch, und meine Familie ist mein grösster Fan – es ist schön, daheim zu sein.» Auch Mutter Yvonne (49) ist stolz auf ihren Filius und freut sich, dass Lino wieder eingezogen ist – zumal ihr älterer Sohn Luca (25) gerade flügge geworden sei. Wobei in dem geschmackvoll eingerichteten Wohnhaus der Martschinis auch noch Linos Onkel Ludek wohnt, der im Untergeschoss mit Vater Peter eine Werbeagentur betreibt. «Wir leben hier in einem richtigen Familienhaus.»

Das Geschenk von Zetterberg

Das Zimmer des 20-jährigen Hockeystars im Haus seiner Eltern wirkt klein und bescheiden. Ein grosser Fernseher steht dort. Zahlreiche Wimpel hängen an den Wänden – ebenso wie sein blaues Trikot vom EVZ und ein lilafarbenes der Peterborough Petes. Besonders stolz ist Lino Martschini auf einen Eishockeyschläger, der neben dem Kleiderschrank steht: «Den hat mir Henrik Zetterberg geschenkt», sagt er und fährt ehrfurchtsvoll mit seiner Hand über die Schaufel, auf der sich der schwedische Superstar mit seinem Autogramm verewigt hat. «Es war schon sehr speziell, mit ihm zusammenzuspielen», verrät der Jungstar. Nun spielt Zetterberg wieder in der NHL, und Martschini ist einer der neuen, jungen Wilden beim EVZ, die für Tore sorgen. Ist er denn nie nervös vor Spielen? «Manchmal schon – etwa als ich das erste Mal in Bern vor der grossen Zuschauerkulisse gespielt habe. Oder als die EVZ-Fans ihre Choreografie zur neuen Saison gezeigt haben – da hat mein Herz schon etwas schneller geschlagen», räumt der junge Mann ein. «Aber wenn ich auf dem Eis bin, empfinde ich nur noch grossen Spass am Hockey und noch mehr Freude am Goalschiessen.» Seine körperlich kleine Statur könne er durch seine Schnelligkeit ausgleichen. «Und ich versuche, immer intelligent zu spielen.» Dabei habe ihm auch sehr geholfen, «dass ich gewusst habe, dass mir der EVZ viel Vertrauen schenkt.»

Aber hat er überhaupt noch Zeit für seine Freunde und den Ausgang – der Jungprofi, der zugibt, eine fünfstellige Summe zu verdienen? «Nein, auf den Ausgang muss ich halt verzichten», sagt Lino Martschini. Man hat nicht das Gefühl, dass ihm dabei etwas wirklich fehlt. Dafür spielt er viel zu gerne Hockey.

Die junge Hoffnung beim EVZ

LUZERN / ZUG wh. Lino Martschini kehrte für die aktuelle Saison aus Kanada zurück zum EV Zug, wo er sein Debüt in der Nationalliga A gab. Der 20-Jährige ist mit seiner Körpergrösse von 1,67 Meter und 64 Kilogramm untypisch klein und leicht – und doch ist ihm der Start in der obersten Schweizer Liga mit der Nummer 46 mehr als geglückt. Wenn er nicht gerade Eishockey spielt, widmet sich Martschini seinen Hobbys Fussball, Tennis. «Im Sommer entspanne ich mich zudem, indem ich täglich im See schwimmen gehe.» Der Sport liegt ihm in den Genen: Schon Vater Peter (50) spielte früher Hockey. Noch berühmter ist Grossvater Ludek Martschini (86), der, aus der Tschechoslowakei geflohen, als Turntrainer der Schweizer Frauen («Martschini-Girls») in den 70er-Jahren für Furore sorgte.

Lino Martschini über ...

Fussball: «Habe ich früher gerne gespielt. Ich verfolge die Spiele des FC Luzern immer. Leider läuft es beim Verein derzeit nicht so gut.»

Den verunglückten Eishockeyspieler Keller: «Das ist nicht einfach zu verstehen. Auch wir reden in der Kabine darüber. Hockey ist eben auch ein Risikosport. So etwas kann passieren, sollte aber nicht.»

Eiskunstlauf: «Das habe ich früher mal gemacht, denn ich konnte schon immer gut Schlittschuhlaufen. Aber irgendwie hat mir immer der Schläger gefehlt. Deshalb habe ich aufgehört.

Managerlöhne: «Manager treffen wichtige Entscheidungen. Man kann darüber streiten, ob sie zu viel verdienen.»

Familie: «Ich geniesse es daheim zu sein. Sie ist mein grösster Fan.»