Zug: Massnahmen für den Fall von lokalem Starkregen

Bei der Schützenmattturnhalle in Zug fahren nochmals die Bagger auf. Der Klimawandel hat etwas damit zu tun.

Marco Morosoli
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Der Gewässerschutzverband legt südlich der Schützenmattturnhalle einen zweiten Abfluss in den See.

Der Gewässerschutzverband legt südlich der Schützenmattturnhalle einen zweiten Abfluss in den See.

Bild: Maria Schmid (Zug, 20. April 2020).

Der grosse Regen ist in diesem Jahr bisher ausgeblieben. Die kürzlich in Betrieb genommene Meteorwasserleitung im Bereich der Schützenmatt in Zug ist dadurch in diesem Jahr noch nicht an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen. Doch nach den Starkregenereignissen in den Jahren 2018 und 2019 haben der Gewässerschutzverband der Region Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ) und die Stadt Zug reagiert.

Der Gewässerschutzverband lässt vom Regenüberlaufbecken Schützenmatt nunmehr ein zweites Abflussrohr in den Zugersee errichten. Dieses fliesst versetzt in Richtung Stadt Zug in den Zugersee. Die Einleitung in den Zugersee geschieht näher am Ufer als diejenige des Hauptrohres. Damit führt der GVRZ das Regime wieder ein, welches es vor der Ausführung des Projekts «Seeentwässerung Zug-Nord» schon einmal gegeben hat.

Die lokale Regenintensität hat sich verändert

Der GVRZ-Sprecher Bernd Kobler erklärt diesen Rückzieher so: «Es musste festgestellt werden, dass es im Gebiet Schützenmatt aufgrund der lokal hohen Regenmengen zu einem Rückstau in der Kanalisation kam.» Zudem sei das Zahlenmaterial in Sachen Regenmengen schon rund zehn Jahre alt gewesen. Kobler relativiert: «Grundsätzlich müsste man davon ausgehen, dass die Aussagen in diesem Modell nach wie vor Geltung hätten. Es hat sich auch in anderen Regionen gezeigt, dass sich die lokale Regenintensität verändert hat.» Zu den Gründen für diese Veränderung äussert sich der GVRZ-Sprecher hingegen nicht.

Der Gewässerschutz ist auch zu berücksichtigen

Kobler führt aber ein weiteres Argument ins Feld, welches die Zusatzinvestition beim Einfluss der Meteorwasserleitung im Bereich der Schützenmattturnhalle rechtfertigt: Gewässerschutz. Es sei ja gerade die Idee hinter dem Projekt Meteorwasserleitung, dass Regenwasser vom Schmutzwasser nach Möglichkeit zu trennen ist. Im sogenannten Regenüberlaufbecken, von dem nun die GVRZ einen zweiten Ablauf legen lässt, findet auch schon eine begrenzte Sedimentation statt. Auch dieser Prozess hilft, das Wasser, welches in den See geleitet wird, zu säubern.

Wie der fischereirechtlichen Bewilligung zu entnehmen ist, soll die Ersatzeinleitung in den See einen Durchmesser von 1,2 Meter haben. Die Einmündung in den Zugersee erfolgt dann rund 5 Meter von der dortigen Ufermauer entfernt. Hernach ist die Bauherrschaft verpflichtet, die Ufermauer wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.

Für die Bauarbeiten rechnet der Gewässerschutzverband mit Kosten von 450000 Franken. Bernd Kobler hält fest: «Mit diesem Betrag kann die gewässerökologische Situation verbessert werden.» Kobler sieht das Projekt auch als Naturschutz, denn das Mischabwasser soll «nicht mehr in den gewässerökologisch wertvollen und ufernahen Gewässerraum» einlaufen. Der GVRZ rechnet mit einer Bauzeit von rund zwei Monaten. Das Projekt soll noch in diesem Sommer ausgeführt werden. Zum Baustart für die Ersatzleitung fehlt es derzeit nur noch an der Baubewilligung.