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Auf Klingende Finsternis folgt gemaltes Licht

Auf Klangkulissen in kompletter Dunkelheit folgt auf Leinwand gebanntes Licht. Die beiden Schweizer Musiker Sandro Schneebeli und Max Pizio sowie die deutsche Künstlerin Helene B. Grossmann sorgen für einen kontrastreichen Sinnesspektakel.
Andreas Faessler
Auf die komplette Finsternis folgt das Licht in den Bildern von Helene B. Grossmann. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. Oktober 2018))

Auf die komplette Finsternis folgt das Licht in den Bildern von Helene B. Grossmann. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 25. Oktober 2018))

Es herrscht absolute Dunkelheit, nicht ein einziges Lux dringt in den Raum. Die Wahrnehmung verlagert sich vollständig auf die übrig bleibenden Sinne: Man hört, riecht, fühlt, schmeckt auf einmal ganz ­anders, viel bewusster.

Womöglich überkommt den sonst normal Sehenden Unbehagen und das Gefühl des Kontrollverlustes. Wie auch immer die Reaktionen ausfallen – der temporäre Komplettausfall des Sehens und damit einhergehend die erzwungene Auslagerung der Wahrnehmung auf die verbleibenden Sinne ist eine einzigartige Erfahrung.

Das Gemüt auf neue Weise stimuliert

Der Zuger Galerist Urs Reichlin sorgt in diesen Tagen mit genau dieser Erfahrung für einen sinnesbetonten Einstieg in die startende Ausstellung von Werken der deutschen Künstlerin Helene B. Grossmann. Die «Spezialität» der Malerin sind hauptsächlich grossformatige Bilder, in denen sie durch das Auftragen von zig Farbschichten das Licht einfängt und in der aufwendigen, oft über Monate entstehenden Komposition speichert. Als gemaltes Licht möchte man ihre Gemälde bezeichnen, die beim konzentrierten Betrachten selbst dann eine optische Eigendynamik entwickeln, wenn sie auf den ersten Blick als weitgehend kontrastlose weisse Fläche erscheinen.

Nun aber ist der gesamte Ausstellungsraum mit lichtdichten Planen verhängt, es ist stockfinster – wie in der sprichwörtlichen Kuh. Auch das von der Künstlerin mit Tausenden Pinselstrichen manifestierte Licht ihrer Bilder kann hier nichts ausrichten. Die Ausstellungsbesucher warten vor der Tür, werden dann nach und nach von blinden Personen an der Hand in den Raum zu den im Kreis angeordneten Stühlen geführt. In der Mitte des Cercles sitzen zwei Musiker mit einer Fülle an Instrumenten, wohlbedacht um sich platziert. Den Einzug der Besucher begleiten sie mit Klangeffekten. Als alle sicher auf ihren Plätzen sitzen – nichts ahnend, wer oder was sich neben, hinter oder vor ihnen befindet –, fangen die beiden Musiker an zu spielen. Die Klangkulisse ist so vielfältig wie ihr Sammelsurium an Instrumenten – schmissiger Jazz, experimentelle Soundgerüste, Töne aus der Natur, Klänge aller Couleur, die in der absoluten Dunkelheit Bilder generieren und das Gemüt unter Ausschluss des Sehsinnes auf ganz neue Weise stimulieren – allfällig beklemmendes Empfinden ob der Finsternis weicht. Man gibt sich ganz den mannigfaltigen Lauten hin.

Die beiden Urheber – Sandro Schneebeli und Max Pizio – sind spezialisiert auf Konzerte im Dunkeln. Die zwei Tessiner werden mit ihrem Programm «Jazz in the dark» schon lange als besonderen Tipp gehandelt. Sie beherrschen ihr Blindspiel einwandfrei, jedes Duett gelingt. Ohne jeglichen Blickkontakt eine denkbar besondere Herausforderung.

Nach knapp 45 Minuten – auch das Zeitgefühl verändert sich in der Dunkelheit – wird der Raum langsam erhellt, indem Licht sanft auf ein weisses ­Gemälde von Helene B. Grossmann fällt. Bald ist der gesamte Ausstellungsraum wieder von viel Licht durchflutet – nicht primär von den Deckenlampen, sondern von Grossmanns Lichtbildern, die nach so ungewohnt langem Verbleib in kompletter Dunkelheit ihre Leuchtkraft erst recht intensiv entfalten.

Kräftigere Farbnuancen

Im Vergleich zu früheren Ausstellungen der Künstlerin in der Zuger Galerie finden sich unter ihren neueren Arbeiten auch solche, die mit ungewohnt kräftigen Farbtönen auffallen. Während die Malerin tendenziell auf Sekundärfarben hinarbeitet, auf hell schimmernde Nuancen, so verbleiben nun bei einigen ihrer Arbeiten grössere Flächen in der Primärfarbe. Es entsteht ein grösserer Kontrast, der Bereich, in dem sich das gleissende Licht bündelt, wirkt so noch intensiver, noch stärker.

Dieser Klang-Licht-Spektakel «Light and darkness» erweist sich als nicht alltägliches, auch lehrreiches Hell-Dunkel-Erlebnis, welches die Sinne abwechselnd anspricht. So ist denn auch der Grundtenor beim Publikum deutlich: eine ganz neue Erfahrung.

Ausstellung von Helene B. Grossmannin der Galerie Urs Reichlin bis und mit 17. November.

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