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Klinik Oberwil: 53'000 Franken für eine Abschiedsparty

Die Finanzkontrolle Schwyz kritisiert ein unbewilligtes 53 000-Franken-Fest in der Psychiatrischen Klinik Oberwil.
Jürg Auf der Maur
Die psychiatrische Klinik Zugersee in Oberwil. (Bild: Alexandra Wey, Oberwil, 30. September 2011)

Die psychiatrische Klinik Zugersee in Oberwil. (Bild: Alexandra Wey, Oberwil, 30. September 2011)

«Besondere Höhepunkte waren das 100-Jahr-Jubiläum der Klinik 2009 und unvergesslich berührende Konzerte wie jenes von Konstantin Wecker – und für manche vielleicht auch einfach die Spitzwegerich-Verkostung oder die Johanniskraut-Betrachtung auf dem Walchwiler Berg.»

So erinnerte sich die damalige Chefärztin der Psychiatrischen Klinik Zugersee – Magdalena Maria Berkhoff – im Jahresbericht 2017 an Highlights ihres Schaffens am Zugersee.

Die Psychiatrische Klinik wurde damals im Konkordatsverhältnis der Kantone Zug, Schwyz und Uri geführt. Jetzt wird die Institution als Triaplus AG geführt und deckt im Auftrag des Psychiatriekonkordats der Kantone Uri, Schwyz und Zug die psychiatrische Grundversorgung der Bevölkerung ab. Das Aktienkapital beläuft sich auf fünf Millionen Franken. Was als «unvergessliches Konzert» in die Annalen der Psychiatrischen Klinik eingeht, wird von den zuständigen Finanzkontrollen jetzt scharf kritisiert. Der Abgang der damaligen Chefärztin wurde nämlich mit einem grossen und nicht minder teuren Fest begangen. Ein Fest, an dem es offenbar an nichts mangelte.

Aus Pool für Weiterbildung Geld genommen

Der Bericht der Finanzkontrolle tönt heute jedenfalls entsprechend weit weniger prosaisch als der Geschäftsbericht 2017 der scheidenden Chefärztin: Das Fest kam – mit dem Konstantin-Wecker-Auftritt – auf nicht weniger als 53 337.30 Franken zu stehen. Zwar wurde die Feier für Mitarbeitende, Freunde und Kollegen der Chefärztin nicht mit Steuergeld gedeckt. Doch auch so üben die zuständigen Stellen harsche Kritik. Bezahlt wurde die Party für die Chefin nicht aus dem privaten Geldbeutel, sondern aus dem «Ärzte- und Sponsoring-Pool», der eigentlich zur Weiterbildung der Ärzteschaft vorgesehen war. Weder existierte ein Reglement, das Sinn und Zweck des Pools präzise umschrieb, noch lag eine Bewilligung für die Party und die Geldentnahme vor.

Das Reglement wurde nie bewilligt

Entsprechend verärgert reagierte der Konkordatsrat unter dem Zuger Gesundheitsdirektor Martin Pfister (CVP). «Der Präsident des Konkordatsrates hat die Höhe und Finanzierung der Ausgaben im Zusammenhang mit den Abschiedsveranstaltungen ausdrücklich missbilligt», heisst es wörtlich im neuesten Tätigkeitsbericht der Schwyzer Finanzkontrolle. Dabei wird betont, «dass der Konkordatsrat das Reglement Ärztepool nie genehmigt hatte».

Keine öffentlichen Gelder 
im Spiel

Woher stammte das Geld? Wie wurde der Pool geäufnet? Gemäss Roland Pfyl, Chef der Schwyzer Finanzkontrolle, wurde der Geldtopf durch Einnahmen von halbprivat und privat versicherten Personen gefüllt.

Immerhin: Ein Abschiedsfest wie jenes in der Klinik Oberwil im Jahr 2017 scheint einmalig zu sein. Pfyl: «Ich kenne keine ähnlichen Fälle. Es ist sicherlich eine Ausnahme.»

Mit Ausnahme der Festausgaben fanden die Revisoren keine Sachverhalte, «aus denen wir schliessen müssten, dass die Jahresrechnung der Klinik sowie die Zuweisung an den ‹Investitionsfonds Psychiatriekonkordat› und an den ‹Allgemeinen Fonds Psychiatriekonkordat› nicht den Rechtsgrundlagen entsprechen». Auch Martin Pfister, Zuger Regierungsrat und Präsident des Konkordatsrates, schnauft hörbar auf. «Der Konkordatsrat hat festgestellt, dass keine öffentlichen Gelder oder Kantonsbeiträge im Spiel waren», teilt er mit.

Für die Zukunft sei sichergestellt, «dass sich die kritisierten Vorkommnisse nicht wiederholen». Der Sponsoringpool wurde aufgelöst, der Ärztepool soll noch aufgebraucht werden – auf der Basis eines verschärften Reglementes. Die erforderlichen Schritte, so der Finanzkontrollbericht, habe der Konkordatsrat an seiner Sitzung vom 1. Juni des vergangenen Jahres beraten.

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