KLOSTER HEILIGKREUZ: 80 Wohnungen ersetzen Lehrersemi

Jetzt ist klar, wie das Areal um das Kloster bis 2019 aussehen wird: Zwei Neubauten sollen Platz bieten für 80 Wohnungen. Das 150 Jahre alte Kloster bleibt erhalten.

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Das frühere Seminargebäude soll zwei Neubauten weichen. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 18. November 2014))

Das frühere Seminargebäude soll zwei Neubauten weichen. (Bild: Stefan Kaiser (Cham, 18. November 2014))

Carmen Rogenmoser
carmen.rogenmoser@zugerzeitung.ch

Das Areal des Klosters Heiligkreuz in Cham wird aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Zum ruhigen und zurückgezogenen Leben der Benediktinerinnen, die im Heiligkreuz leben, werden sich in den nächsten Jahren viele neue Bewohner gesellen: In zwei Neubauten entstehen fast 80 Wohnungen. Das bestehende Ökonomiegebäude wird saniert und umgenutzt. Den entsprechenden Bebauungsplan Heiligkreuz hat die Chamer Bevölkerung bereits Ende 2014 angenommen. Für die Projektentwicklung ist die Huwiler & Partner Treuhand AG verantwortlich. Die Schwestern haben ihr das Land im Baurecht abgetreten. Den vorangegangenen Architekturwettbewerb haben die Basler Stararchitekten Diener & Diener gewonnen. Nun liegt das ausgearbeitete Baugesuch bis am 10. Mai bei der gemeindlichen Bauverwaltung öffentlich auf.

Vieles wird sich in den nächsten zwei, drei Jahren verändern: Das ausgediente und seit langem leer stehende Lehrerinnenseminar wird zurückgebaut. Ersetzt wird es durch zwei langgezogene Baukörper. Diese stehen parallel zueinander und in einem rechten Winkel zum Kloster. Im Gebäude, das näher beim Kloster ist, finden 60 moderne und hindernisreie Mietwohnungen im unteren Preissegment sowie zwei Gästezimmer Platz. Eingerichtet sind die Einheiten als Alterswohnungen, sie müssen aber nicht als solche genutzt werden. So wird das ganze Haus rollstuhlgängig, verfügt über einen Personenlift und jede Wohnung über einen Notruf. Betrieben wird diese Notrufstelle durch das System Bonacasa Smart Living der Bonacasa-Holding-Gruppe. Das Unternehmen mit Sitz in Solothurn hat sich auf Servicewohnen spezialisiert. Zu den Dienstleistungen gehören etwa das Reinigen der Wohnung oder ein Wäscheservice. «Jeder kann davon profitieren, muss aber nicht», erklärt Josef Huwiler von der gleichnamigen Treuhand AG. Im zweiten neuen Gebäude sind 18 Eigentumswohnungen und 3 Atelierwohnungen mit 2½ bis 4½ Zimmern geplant. Auch diese werden hindernisfrei gebaut und sind am Bonacasa-System angeschlossen. «Wir möchten eine Durchmischung an Bewohnern», erklärt Huwiler. Vorgesehen sind vor allem Wohnungen für kleinere Haushalte im mittleren Preissegment. Es gibt bereits eine Interessenliste. 

Kindertagesstätte knüpft an alte Tradition an

Als drittes Element spielt das bestehende Ökonomiegebäude eine Rolle. Dieses wird saniert und künftig einen Gemeinschaftsraum beinhalten. Zudem wird eine Kindertagesstätte einziehen. «Damit schliessen wir an die Tradition an. Früher wurden im Kloster Lehrerinnen ausgebildet, und die Jugendarbeit wurde grossgeschrieben», erklärt Josef Huwiler. Im vorderen Teil des Gebäudes wird ein Bistro eingerichtet, das von der Bäckerei und Konditorei von Rotz betrieben wird. Angrenzend sind Büros für die Spitex und Pro Senectute reserviert. «Diese bieten ihre Dienstleistungen direkt vor Ort an», so Huwiler. Auch Ateliers für Kleinstgewerbe und Kunstschaffende sind eingeplant. Die Aussengestaltung mit vielen Bäumen und Spielmöglichkeiten gehört ebenfalls zum Gesamtprojekt dazu.

Unter dem Gebäude von Baufeld B wird eine Tiefgarage mit 64 Parkplätzen gebaut. Drei Standplätze werden für ein Carsharing-Modell reserviert. Besucherparkplätze und einige Aussenplätze stehen ebenfalls zur Verfügung. Zudem entstehen auf dem Areal insgesamt 120 Veloabstellplätze, einige davon sind mit Stromtankstellen für E-Bikes ausgerüstet. Investiert werden für das Projekt 35 bis 40 Millionen Franken. Läuft alles nach Plan, sind die Wohnungen im Frühjahr 2019 bezugsbereit. 

Die Benediktinerinnen freuen sich auf Realisierung

Das alles bedeutet nicht, dass kein Stein auf dem anderen bleibt. Die 66 Schwestern werden ihr Leben wie gewohnt weiterführen. Die 150 Jahre alten Klosterbauten, der Klostergarten und die Umfassungsmauer bleiben bestehen. Die Klostermauer wird sogar erweitert und grenzt das neue Quartier vom Kloster als spirituellem Ort ab. Auch rein äusserlich werden sich die Neubauten vom Kloster abheben, so wird die Fassade aus Holz bestehen. «Das geplante Projekt bringt keine grossen Umstellungen für uns Schwestern», sagt Priorin Schwester Simone Buchs. Von den leerstehenden Gebäuden habe man sich vor längerer Zeit «verabschiedet». Auf die Realisierung freuen sich die Schwestern: «Die neuen Gebäude werden sehr schön und passen gut auf unser Areal. Es wird wieder belebt, wie es früher auch der Fall war.» Auf Unannehmlichkeiten während der Bauzeit sei man gefasst. «Aber das geht vorbei.» Die Zusammenarbeit erweise sich als sehr gut, darin sind sich Priorin Buchs und Josef Huwiler einig. 

Auch bei der Gemeinde Cham stösst das Projekt auf eine grosse Unterstützung: «Wir freuen uns, dass das Projekt Heiligkreuz mit der öffentlichen Auflage des Baugesuchs wieder 
einen Schritt weiter ist. Das Konzept ist durchdacht und überzeugt unter anderem durch 
zeitgemässe und hindernisfreie Mietwohnungen, die den Anforderungen moderner Alterswohnungen entsprechen, aber auch durch Infrastruktur für Jung und Alt, durch die wunderbaren Freiräume für den allgemeinen Nutzen und schliesslich die attraktive Architektur», sagt Rolf Ineichen, Vorsteher Planung und Hochbau. Genauso begeistert ist Josef Huwiler: «Was hier entsteht, bietet einen Mehrwert für alle», ist sich Huwiler sicher. Und er ergänzt: «Es wird neues Leben im Gebiet Heiligkreuz geben.»