KNIGGEKURSE: «Das sollten die Eltern machen»

Die Tomatensauce spritzt, das Salatblatt passt nicht gleich in den Mund – ein Zuger Restaurant bietet Benimm-Kurse für kleine Kinder an. Brauchts das?

Wolfgang Holz
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Ihr schmeckt es bestens. (Archivbild Christof Borner Keller / Neue ZZ)

Ihr schmeckt es bestens. (Archivbild Christof Borner Keller / Neue ZZ)

«Das Schlimmste, was ich je an Malheurs bei Kindern am Tisch erlebt habe, war, dass sie beim Essen den Tisch verlassen haben und dass Essen auf dem Bank, am Stuhl und auf dem Boden gelegen ist», beschreibt Erich Müller, Leiter des Restaurants CU im Zuger Hotel City Garden, mangelnden Benimm von Kids beim Essen. Manche Kinder könnten auch nicht richtig mit Gabel und Messer umgehen. Aus diesem Grund bietet das Lokal nächste Woche Knigge-Kurse für «Kids & Teens» an. Und zwar schon für Sieben- bis Elfjährige. Aber warum brauchen die Kleinen schon so etwas? Gastronom Erich Müller versichert, dass eben nicht mehr alle Eltern ihre Kinder mit solchen Instruktionen erreichen würden, «und es ist etwas anderes, wenn eine fremde Person Kindern so etwas auf spielerische Weise näherbringt.» Er habe schon Kinder mit «wilden» Manieren erlebt, die nach einem solchen Knigge-Kurs ganz stolz auf ihr neues Wissen gewesen seien. «Viele Kinder sind eben auch unsicher, wie sie sich am Tisch verhalten sollen.»

«Eltern sind das Modell»

Eigentlich findet es Esther Vetsch, Psychotherapeutin in Zug, gut, wenn Kindern Regeln gelehrt werden. «Denn Kinder sind auf Orientierung angewiesen.» Wichtig sei, so Vetsch, dass solche Regeln und Manieren auch im Alltag gelebt und von Eltern und Bezugspersonen als Modell vorgelebt werden würden. Eltern sind schliesslich das Modell. Ins gleiche Horn stösst auch die Zuger Kinderpsychologin Chantal Roulet. «Grundsätzlich ist es der Erziehungsauftrag der Eltern, ihren Sprösslingen so etwas beizubringen.» Denn kleine Kinder würden vor allem durch Imitieren lernen, insbesondere eben am Vorbild ihrer Eltern. «Ausserdem sind Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren sowohl intellektuell wie motorisch absolut in der Lage, normal zu essen – solche Kurse braucht es definitiv nicht.»

Imageberaterin Isabelle Menzi aus Menzingen, die den Knigge-Kurs im «CU» leitet, zu dem Blattsalat, Spaghetti mit Tomatensauce und Glace mit Früchten zum Preis von 68 Franken aufgetischt werden, ist überzeugt: «Sobald ein Kind an den gemeinsamen Mahlzeiten einer Familie teilnimmt, braucht es Regeln dafür. Ohne Orientierungshilfen, was man darf und was eben nicht, weiss ein Kind nicht, was von ihm erwartet wird.» Und ab dem Kindergartenalter komme es zudem immer mal wieder vor, dass das Kind auch auswärts bei einem Freund, dem Gotti oder eben auch in einem Restaurant esse.

«Motivationsschub»

«Dabei geht es aber bei weitem nicht nur um das Essen als solches», so die Imageberaterin und Mutter zweier Kinder. Bei diesen Veranstaltungen bespreche man daher auch, wie man richtig grüsse, wem man «Sie» und wem man «Du» sagen dürfe, wieso «Danke» und «Bitte» sinnvolle Zauberwörter seien. «Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass es häufig Konfliktpotenzial gibt, wenn Eltern ihren Kindern etwas beibringen oder Regeln aufstellen wollen.» Als Knigge-Trainerin sei sie dabei weder Konkurrenz noch Ersatz für die Eltern. «Gutes Benehmen muss vor allem zu Hause vorgelebt werden. Eine solche Veranstaltung kann aber durchaus als kleiner Ansporn oder Motivationsschub wirken.»

Hinweis

Die Veranstaltung «Knigge für Kids & Teens» findet am Mittwoch, 22. Oktober, von 14.30 Uhr bis 17 Uhr im City Garden Hotel statt. Weitere Informationen unter www.cu-restaurant.ch