KOCHBUCH: Broccoli und Kollegen bitten zu Tisch

Nur mit veganen Zutaten lässt sich kein feines Gericht auf den Teller zaubern? Melanie Bütikofers Lieblingsrezepte zeigen das Gegenteil.

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Melanie Bütikofer alias Broccoli ernährt sich seit Jahren vegan - und fühlt sich «quietschfidel». (Bild Maria Schmid)

Melanie Bütikofer alias Broccoli ernährt sich seit Jahren vegan - und fühlt sich «quietschfidel». (Bild Maria Schmid)

44 vegane Kreationen finden sich zwischen den beiden Buchdeckeln des Werks «Lieblingsrezepte Vegane Leckereien von Körnlipicker». Das Kochbuch bietet aber noch einiges mehr – und ist das logische Resultat von Melanie Bütikofers bisherigem Werdegang.

Die Motive waren nicht dieselben

Ungefähr acht Jahre ist es her, als sich die Zugerin dazu entschieden hat, vegetarisch zu leben aus ethischen Gründen: «Ist es ein fünfminütiger Gaumenschmaus wert, dass ein Tier dafür sterben muss?», so Bütikofers Gedankengang. Ihr Entscheid hat aber auch mit der Ökologie zu tun: «Ich bin ziemlich erschrocken, als ich gelesen habe, wie viele Ressourcen benötigt werden, um Fleisch zu produzieren.» Bald darauf ist die heute 30-Jährige noch einen Schritt weitergegangen: Seit drei, vier Jahren ernährt sie sich vegan. Nicht aber aus ethischen, sondern vielmehr gesundheitlichen Gründen. Ihr Plan scheint aufzugehen: «Ich fühle mich quietschfidel.» Ernährungstechnische Ausnahmen kommen aber vor; im Restaurant, falls die Speisekarte keine andere Wahl lässt.

Wenn Melanie Bütikofer jedoch selbst die Kelle rührt, kommt nur Veganes auf den Teller. «Richtig Freude am Kochen habe ich vor vier Jahren entwickelt», erzählt sie. Mit ihrem WG-Kollegen Fabian Högger bereitet sie jeden Tag ein Abendessen zu. Ihre Leidenschaft leben die beiden gemeinsam mit Tamara Zurfluh auch auf ihrem Blog «körnlipicker.ch» aus. Die Rezepte gibt Bütikofer unter dem Pseudonym Broccoli, ihrem Lieblingsgemüse, zum Besten. «Wir wollen nicht sagen ‹Du sollst dieses oder jenes nicht›, sondern auf eine positive Art und Weise zeigen, was man alles essen kann. Schliesslich gibt es eine Vielfalt an veganem Essen, das lecker und ausgewogen ist.» Der Name «körnlipicker» beruht auf dem Vorurteil, dass Veganer nur Körner essen würden. Dieses widerlegt der Blog seit dem Sommer 2013.

«Das Buch soll auch Ratgeber sein»

Etwa zur gleichen Zeit, als dieser Blog aus der Taufe gehoben wurde, hat Melanie Bütikofer die Ausbildung zur Typografischen Gestalterin in Angriff genommen. Irgendwann war es dann so weit, die Abschlussarbeit wollte geschrieben werden. Die Ausgangsfrage «Was wolltest du schon immer einmal tun, hast dir jedoch bis heute nie die Zeit dafür genommen», liess jede Menge Spielraum zu. Für die 30-jährige Zugerin gab es aber nur eine Antwort: Eben dieses Kochbuch gespickt auch mit Rezeptkreationen der Körnlipicker. «Die Crew ist mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden.»

Diesen Anspruch stellt Bütikofer auch an ihre 144 Seiten: «Es soll nicht einfach nur ein Kochbuch, sondern auch ein Ratgeber sein.» Die Rezepte sind nach den verschiedenen Jahreszeiten gegliedert. Zu Beginn eines Kapitels findet sich jeweils ein Titelbild, das die saisonalen Produkte abbildet. «Diese habe ich in Zusammenarbeit mit dem ‹Buuregarte Boog› in Hünenberg erarbeitet.» Auch eine Tabelle gibt Auskunft, was gerade wächst und spriesst. «Ich will die Leute dafür sensibilisieren.» Dies sorge einerseits für eine erhöhte Nährstoffaufnahme und biete andererseits mehr Abwechslung. Auf einen Salat folgen danach die saisonalen Gerichte. Die Palette reicht von den frühjährlichen Rundlingen über einen sommerlichen Melonendrink bis hin zu Kürbisravioli im Herbst und Chili sin Carne im Winter. «Alle Speisen sind mehrfach kocherprobt», sagt Melanie Bütikofer. Vor dem Index findet sich ein Glossar über die Heilwirkungen verschiedener Nahrungsmittel.

Das Jutebeutel-Veganer-Image

Spannend wird es aber schon auf der allerersten Seite. Der «Schmutztitel», der Augustinus von Hippo zitiert, besagt: «Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.» Bütikofer wolle aber keinen zum Veganismus «bekehren», sondern aufzeigen, dass diese Art von Ernährung eine gute Sache ist. «Und das alte, verstaubte Image eliminieren.» Nicht jeder Veganer würde nämlich in Highlander Sandalen und mit einer übergrossen Jutetasche bepackt durch die Landschaft stolpern.

Bütikofers Buch jedenfalls scheint auf offene Ohren und hungrige Bäuche zu stossen: 1000 Exemplare hat die Typografische Gestalterin gedruckt nur rund die Hälfte davon ist noch zu haben.

Julian Feldmann

Hinweis:

Das Kochbuch kann für 35 Franken beim Verlag «swiboo.ch» bestellt werden.